Aachens Parkhaus-Betreiber proben den Aufstand

Von: Robert Esser
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Aachens Parkhaus-Betreiber proben den Aufstand.

Aachen. Der Ärger in Sachen Parkplatzsuche steckt in der Regel zwischen Windschutzscheibe und Scheibenwischer - in Form von Knöllchen. Über die kostspieligen gelben Zettelchen regen sich viele Parksünder ein ganzes Autofahrerleben auf.

Für sie wäre ein Abstellplatz im Parkhaus sicher die preiswertere und nervenschonendere Wahl. Doch die Wegweisung dorthin - das Aachener Parkleitsystem - sorgt für immer mehr Ärger.

Weil die Instandhaltungskosten des Parkleitsystems mit 60 Schildern und reparaturintensiver „dynamischer Restparkplatzanzeige” mittlerweile im sechsstelligen Euro-Bereich angekommen seien und das Aachener System sowieso nicht mehr modernen Ansprüchen genüge, verschärfen Parkhausbetreiber den Ton gegenüber der Stadtverwaltung. Und die geht in Deckung.

Dass schon alle sieben Parkhausbetreiber ihre Verträge zur Finanzierung des Parkleitsystems gekündigt haben, wollte die Verwaltung nach Anfrage der AZ nicht bestätigen. Aber ebenso wenig dementieren. „Ich kann zum jetzigen Zeitpunkt nur mitteilen, dass der Fachbereich Stadtentwicklung und Verkehrsanlagen mit den Parkhausbetreibern in Verhandlungen steht”, sagte Axel Costard vom Presseamt. Zu den jährlichen Betriebskosten und Konzepten zur Modernisierung des Leitsystems wolle man sich nicht äußern, hieß es.

Im Gegensatz zu Betreibern der Parkhäuser: „Wir haben der Stadt schon vor Monaten ein Konzept über ein neues Parkleitsystem vorgelegt”, erklärte Jürgen Neeten von der CPS-Tiefgarage unter dem Kapuziner Karree. „Ich persönlich habe den Eindruck, dass die Stadtverwaltung bewusst blockiert. Deshalb haben wir jetzt gekündigt.” Die Betreiber - darunter die städtische Apag, die allein elf Parkhäuser mit 5000 Stellflächen bewirtschaftet - plädieren für eine weitgehende Abschaffung der aufwändig ferngesteuerten Restparkplatz-Anzeigetafeln. Stattdessen sollen mehr „statische Schilder” auf die knapp zwei Dutzend Parkhäuser und -garagen hinweisen und - im „Besetzt”-Fall - Entfernung sowie den Weg zur nächsten Alternative angeben.

Apag-Prokurist Herbert Sliwinski betonte, dass alle Parkhaus-Betreiber damit die Attraktivität der Innenstadt erhöhen und den Parksuchverkehr minimieren wollten. „Wir arbeiten da nicht nur während der Vorweihnachtszeit, wenn der Verkehr am dichtesten ist, hervorragend zusammen”, erklärte Sliwinski.

Die Stadt räumte indes ein, dass einige defekte Parkleitanzeigetafeln teils monatelang nicht repariert worden seien. Andere seien kürzlich einem Blitzeinschlag zum Opfer gefallen, jetzt aber wieder funktionstüchtig.

Es gibt übrigens auch Parkhaus-Betreiber, die sich nie an das kostspielige Parkleitsystem haben anschließen lassen. Wie Fred Quarten, Chef von Bf-Parken, Zollamtstraße: „Meine 120 Kurzparker-Stellplätze sind auch ohne Parkleitsystem glänzend belegt”, sagte er. „Vielleicht auch deswegen, weil ich mit 60 Cent pro Stunde sogar billiger bin als die Stellplätze auf der Straße.”
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