Aachens langjähriger Oberstadtdirektor Dr. Heiner Berger ist tot

Von: Stephan Mohne
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In Köln geboren, aber ein Öcher durch und durch: Dr. Heiner Berger, der von 1975 bis 1995 Aachens Oberstadtdirektor war, ist am Samstag im Alter von 81 Jahren gestorben. Auch nach seiner Zeit als Verwaltungschef engagierte sich Berger in vielerlei Hinsicht – so etwa bei der Gründung der Städteregion. Foto: Michael Jaspers

Aachen. „Der ist zwar ´ne Kölsch, aber den kriegen wir hin“, sagte Heini Mercks einst in der Bütt. Das war 1975, als Dr. Heiner Berger vom Stadtrat zum Oberstadtdirektor gewählt wurde. „Berger war und ist Öcher. Öcher aus Überzeugung und von Herzen“, sagte 1995 der damalige Oberbürgermeister Dr. Jürgen Linden, als Heiner Berger nach 20 Jahren als Verwaltungschef aus seinem Amt verabschiedet wurde.

Am Samstag ist der langjährige Oberstadtdirektor, der bis zuletzt politisch für seine CDU auf unterschiedlichsten Ebenen äußerst aktiv war, kurz vor seinem 82. Geburtstag gestorben, wie Aachens CDU-Kreisvorsitzende Ulla Thönnissen bestätigte.

Sein Tod sei plötzlich gekommen, so Thönnissen. Noch am Dienstag sei Berger trotz der Nachwirkungen einer Grippeerkrankung beim CDU-Kreisvorstand gewesen. Thönnissen zeigte sich zutiefst berührt: „Ich bin schockiert. Auch deswegen, weil Heiner Berger stets an meiner Seite stand“, so die Parteichefin, für die Berger eine Art Mentor war. „Er wird politisch, vor allem aber menschlich fehlen“, so Ulla Thönnissen bestürzt. Auch ihr Parteifreund Oberbürgermeister Marcel Philipp bekundete: „Er war einer der wichtigsten Akteure in Aachen in der Nachkriegszeit.“

Heiner Berger habe in den 20 Jahren seiner Amtszeit die Aachener Verwaltung entscheidend geprägt. Bis zuletzt sei er politisch aktiv und stets ein ebenso konstruktiver wie streitbarer Charakter gewesen. Abgelöst als Verwaltungschef wurde Berger 1995 von Jürgen Linden, als die kommunale Doppelspitze aufhörte zu existieren. Der Sozialdemokrat Linden als oberster Repräsentant der Stadt hatte zuvor sechs Jahre lang mit dem Christdemokraten Berger als Verwaltungschef ein Tandem gebildet. „Ich habe mit Heiner Berger parteiübergreifend hervorragend zusammengearbeitet“, erinnerte sich Linden und drückte auch Bergers Familie sein tiefes Mitgefühl aus. Trotz der unterschiedlichen Parteizugehörigkeit sei er Berger auch „freundschaftlich nähergekommen“. Linden: „Für die Stadt ist das ein großer Verlust.“

„Eigentlich bin ich 1995 nicht in den Ruhestand getreten. Die Arbeit ist eher mehr geworden“, bekundete Berger selber zu seinem 75. Geburtstag im Jahr 2008. Das hatte viele Gründe. Lange Jahre und bis vor kurzem war er Vorsitzender der Aachener Seniorenunion. Vor allem aber galt Berger als einer der Architekten der Städteregion, deren Gründung er stets auch gegen kritische Stimmen vehement verteidigte. 2009 wurde er als Direktkandidat dann auch in den ersten Städteregionstag gewählt.

Heiner Berger wurde am 1. Juni 1933 in Köln geboren. Er absolvierte in den 1950-er Jahren sein Jurastudium an den Universitäten Saarbrücken, München, Berlin und Heidelberg, legte 1956 die erste juristische Staatsprüfung ab, studierte 1957 und 1958 an der Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer und promovierte 1959. 1960 folgte die zweite juristische Staatsprüfung; 1960 bis 1963 war er Justitiar bei der Kreishandwerkerschaft Bonn. Sein weiterer Weg führte über den Leitungsposten Finanzen bei den Stadtwerken Bonn und die des Stadtdirektors und Kämmerers der Stadt Göttingen schließlich nach Aachen.

Großes Bundesverdienstkreuz

Alle Funktionen, die Berger während und nach seiner Amtszeit innehatte, aufzuzählen, ist schlicht unmöglich. Zu den wichtigsten gehörten sicherlich der zweimalige Vorsitz des nordrhein-westfälischen Städtetags sowie später seine Mitwirkung in Kommissionen zur Einführung des Neuen Kommunalen Finanzmanagements und zur Formulierung des „Aachen-Gesetztes“ als Basis der Städteregion Aachen. Von 1975 bis 1995 war er zudem Mitglied des Kuratoriums des Aachener Karlspreises.

Auch die Liste seiner Ehrungen und Auszeichnungen ist entsprechend lang. 1996 wurde ihm seitens des Bundespräsidenten das Große Bundesverdienstkreuz verliehen. In seiner Laudatio sagte Staatssekretär Wolfgang Riotte damals: „Die Aufzählung der vielen wichtigen Funktionen, die Dr. Berger im Laufe seines Aachener Oberstadtdirektor-Daseins wahrnahm, führt jeden Laudator zur Kurzatmigkeit.“ Eine Auswahl seiner Ehrungen: Ritter des Belgischen Kronenordens (1978), Deutsches Reiterkreuz in Silber (1978), Kommandeurkreuz des Ordens von Oranien-Nassau (1982), Großkreuz des Zivilen Verdienstordens von Spanien (1982), Offizierskreuz des Verdienstordens Pro Merito Melitensi (1983), Offizierkreuz des Ordre national du Mérite von Frankreich (1987) und Goldener Ehrenring der Stadt Aachen (1995).

In einem Interview mit unserer Zeitung zu seinem 80. Geburtstag am 1. Juni 2013 sagte Heiner Berger auf die Frage, ob er denn nun kürzer treten wolle: „Rückzug ja, aber ganz ins Private wäre zuviel, solange es die Gesundheit zulässt.“ So handhabte er es bis zuletzt. Dr. Heiner Berger hinterlässt seine Frau Mechthild, mit der er mehr als 60 Jahre lang verheiratet war, sowie seine Kinder Felicitas und Heinrich.

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