Aachenerin Lena Palm unterstützt gemeinnützige Projekte in Namibia

Von: Svenja Pesch
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Von Afrika ist sie fasziniert: Die Aachenerin Lena Palm setzt sich mit ihrem Verein „Wadadee cares“ für Kinder in Afrika ein, unter anderem für den vierjährigen Geovani aus Namibia. Der Vollwaise wurde im Marienhospital operiert. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Lena Palm wurde vor wenigen Wochen bei der 11. Preisverleihung von „Aachen Sozial“ mit dem Nachwuchspreis ausgezeichnet, der erstmals verliehen wurde. Die 22-jährige Aachenerin gründete 2015 die Initiative „Wadadee cares“ – ein gemeinnütziger Verein in Windhoek/Namibia im Stadtteil Katutura. Im Samstagsinterview spricht die Studentin der Sozialen Arbeit über die Aufgaben und Ziele des Vereins.

Was bedeutet der Name des Vereins und welche Ziele verfolgt er?

Lena Palm: Wadadee cars bedeutet so viel wie „es ist für alle“ oder „alle sind willkommen“ und entstammt der Damara-Stammessprache. Wir sind ein gemeinnütziger Verein, der als Teil der Wadadee Group seit 2015 verschiedene gemeinnützige Projekte in Windhoek/Namibia im Stadtteil Katutura unterstützt. Unsere drei Bausteine sind das Wadadee-Haus, Wadadee-cares und Wadadee African Safaris. Hauptaugenmerk liegt auf einem dort erbauten Kindergarten.

Wie entstand die Idee, einen solchen Verein zu gründen?

Palm: Meine Mutter hat als Reiseleiterin viele Reisen nach Namibia gemacht und ebenso ihre Doktorarbeit über dieses Land verfasst. Mich hat Afrika schon von meinem ersten Besuch an fasziniert. Als ich 2013 mein Abitur machte und sechs Monate dort in einem Kinderheim gearbeitet habe, stand für mich fest, dass ich unbedingt wieder zurück will und mehr machen möchte. Es klingt vielleicht komisch, aber ich hatte das Gefühl, noch nicht fertig zu sein. Außerdem liebe ich das Land einfach. Meine Mutter sagt immer „Afrika ist gut für die Seele“ und das ist wahr. Die Kultur und die Landschaft dort sind atemberaubend.

Wie viele Gründungsmitglieder gab es damals und wie ist der Stand heute?

Palm: Wir waren damals genau neun Gründungsmitglieder. Wie viele es heute sind, kann ich gar nicht so genau sagen, denn uns ist es viel wichtiger, dass geholfen wird und dafür muss man nicht zwangsläufig auch Mitglied von Wadadee sein. Ich freue mich sehr, dass wir so viele freiwillige Helfer und Spender haben, die uns in unserem Handeln unterstützen.

Welche Projekte wurden bereits realisiert?

Palm: In unserer Unterstützung und Arbeit setzen wir auf allgemeine Dinge. Ernährung, medizinische Versorgung, (Schul-)Bildung oder auch die Errichtung von Kindergärten und Kinderheimen sind Sachen, die dringend benötigt werden. Uns wurde schon gesagt, wo Hilfe am nötigsten gebraucht wird. Generell merken wir immer wieder, dass es an den elementaren Dingen fehlt. Mangelernährung, Tuberkulose, HIV sowie allgemeine Hygienestandards werden kaum oder gar nicht thematisiert. Deshalb werden durch Spenden Betten, warme Kleidung oder auch medizinische Versorgungen (Eingriffe) realisiert. Wo ebenfalls ein enormer Bedarf ist, ist im Bereich der Zuwendung. Viele Kinder kennen es gar nicht, wenn man mit ihnen schmust oder sich einfach in Ruhe mit ihnen beschäftigt. Gerade unseren Volontären sagen wir, dass es manchmal das Beste ist, mit den Kinder zu kuscheln, anstatt ihnen immer nur Lesen und Schreiben beizubringen.

Wie viele Volontäre haben Sie aktuell?

Palm: Momentan sind es zehn Volontäre. Viele haben gerade ihr Abitur fertig und möchten Erfahrungen sammeln und etwas Sinnvolles tun. Aber auch Studenten melden sich bei uns. Wir leben dort gemeinsam wie eine Familie in einem Haus.

Wie gehen die Jugendlichen mit der Situation vor Ort um? Die Lebensumstände sind ja doch ganz andere als wir sie hier in Deutschland kennen.

Palm: Das stimmt. Auch für mich ist es nicht immer leicht, mit den Schicksalen und Lebensumständen umzugehen. Aber man bekommt einfach so viel zurück, dass das alles vergessen ist. Wenn man sich engagiert und merkt, dass die Hilfe ankommt, sieht, dass man ein Kind glücklich machen konnte, dann ist dies ein unbeschreibliches Gefühl. Natürlich versuche ich, dass ich nicht alles so nah an mich ranlasse. Aber schützen kann man sich davor nicht.

Wie sieht es mit Hilfe zur Selbsthilfe vor Ort aus?

Palm: Hilfe zur Selbsthilfe ist ein wichtiger Aspekt. Aktuell bauen wir in einem Kinderheim/Kindergarten eine Suppenküche. Dadurch schaffen wir einen Job und bereiten kostengünstige und gesunde Gerichte zu. Das Essen, das übrig bleibt, soll für wenig Geld an die anderen Dorfbewohner weiterverkauft werden. Die „Soup-kitchen“, wie wir sie nennen wollen, verfolgt genau das – die Hilfe zur Selbsthilfe. Ein weiterer Punkt ist Bildung. Sie ist für den weiteren Lebensweg essenziell.

Sie studieren Soziale Arbeit in Windhoek. Aktuell haben Sie Semesterferien und sind mit dem vierjährigen Geovani nach Hause geflogen. Wie kam es dazu?

Palm: Geovani ist Vollwaise und wurde hier im Marienhospital operiert. Er hatte einen Bauchdeckenriss und musste dringend ärztlich versorgt werden. In Afrika wäre das gar nicht möglich gewesen. Durch das Netzwerk, welches wir in Aachen haben, fand sich rasch ein Arzt, der die OP durchführte. Alles ging schnell und unbürokratisch. Das hat mich sehr gefreut und machte die Hilfsbereitschaft deutlich.

Sie widmen all ihre Energie den Hilfsprojekten in Afrika. In Deutschland gibt es ebenfalls genügend Vereine und Konzepte, die man unterstützen könnte und Kinder, die Hilfe benötigen…

Palm: Das weiß ich. Allerdings sind die Missstände in Afrika meiner Meinung nach größer, als in den westlichen Ländern. Es ist eine völlig andere Dimension, die einen dort erwartet. Vielleicht ist unsere Hilfe nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber wenn wir alleine schon einem Kind helfen konnten, seine Lebensumstände zu verbessern, hat es sich ausgezahlt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Vereins?

Palm: Generell arbeiten wir derzeit daran, unser Netzwerk auszubauen. Wir möchten bestehende Partnerschaften ausweiten und Kinder früh für das Thema Afrika sensibilisieren. In meiner alten Schule, dem Pius-Gymnasium, berichte ich regelmäßig über meine Arbeit in Namibia und kläre über die Möglichkeiten und Aufgaben eines Volontärs auf. Sonst freuen wir uns immer über interessierte neue Mitglieder, die uns mit ihren Fähigkeiten in verschiedenen Bereichen unterstützen möchten.

Können Sie sich vorstellen, nach ihrem Studium in Windhoek in Namibia wieder zurück nach Aachen zu kommen?

Palm: Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Ich gehe in meiner Arbeit dort voll auf und möchte dortbleiben. Natürlich sind zehn Stunden Flug nicht gerade um die Ecke, aber eine Rückkehr nach Aachen kommt für mich momentan gar nicht in Frage. Wobei ich schon sagen muss, dass ich Mamas Frühstück sehr vermisse.

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