Aachener Uniklinikum: Skandal in der Notaufnahme

Von: Marlon Gego
Letzte Aktualisierung:
Klinikum Aachen
Erst durch einen anonymen Hinweis wurde die Klinikumsleitung über die Vorgänge in der Notaufnahme informiert. Foto: Archiv/Krömer
Klinikum Aachen
Erst durch einen anonymen Hinweis wurde die Klinikumsleitung über die Vorgänge in der Notaufnahme informiert. Foto: Archiv/Krömer

Aachen. Mehrere Mitarbeiter des Pflegedienstes in der Notaufnahme des Aachener Universitätsklinikums haben teils entwürdigende Fotos von Patienten gemacht und sie in einer Gruppe des Kurznachrichtendienstes WhatsApp veröffentlicht.

Vier dieser Mitarbeiter sei im September fristlos gekündigt worden, teilte die Klinikumsleitung am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung mit. Über das diesbezügliche Fehlverhalten weiterer Mitarbeiter der Notaufnahme ist noch nicht entschieden worden.

Bei den Fotos handelt es sich in erster Linie um sogenannte Selfies. Die betreffenden Mitarbeiter des Pflegedienstes hatten sich mit dementen oder anderweitig in ihrem Bewusstsein eingeschränkten Patienten fotografiert, die sie zu diesem Zweck geschminkt oder verkleidet hatten. Weitere Fotos zeigen nackte Körperteile von Patienten. Es wurden auch Fotos gepostet, auf denen Mitarbeiter beim Drogenkonsum im Klinikum zu sehen waren. Ein Sprecher des Klinikums erklärte, dass es sich dabei aber keinesfalls um echte Drogen gehandelt habe.

Die Klinikumsleitung bestätigte die Recherchen unserer Zeitung am Freitag in vollem Umfang. Klinikumssprecher Mathias Brandstädter sprach von einem „nicht akzeptablen Werte- und Vertrauensbruch“, der „schnell und konsequent geahndet“ worden sei: Vier Mitarbeitern des Pflegedienstes in der Notaufnahme wurde fristlos gekündigt. Nach Informationen unserer Zeitung sind allerdings noch weitere Mitarbeiter betroffen, denen ebenfalls arbeitsrechtliche Konsequenzen drohen. Brandstädter wollte dies mit Verweis auf eine „interne Personalangelegenheit“ nicht bestätigen.

Erst durch einen anonymen Hinweis wurde die Klinikumsleitung über die Vorgänge in der Notaufnahme informiert. Wer den Hinweis gab, sei bis heute nicht bekannt, erklärte Brandstädter. Insgesamt sei dies für das Klinikum „ein unschöner Vorgang, der uns sehr betroffen macht“, sagte Brandstädter. Er betonte jedoch, dass durch die Vorfälle „Patienten nicht zu Schaden gekommen und Behandlungsabläufe nicht gestört worden sind“.

In den Vorfällen kann Brandstädter kein strukturelles Problem erkennen. Er sprach am Freitag von „individuellem Fehlverhalten“. In der 30-jährigen Geschichte des neuen Aachener Klinikums seien dies „Einzelfälle und somit die absolute Ausnahme“, sagte Brandstädter.

Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass einige der Fotos justiziabel sind. In Betracht käme etwa die Misshandlung von Schutzbefohlenen, die dem Strafgesetzbuch zufolge mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechs Monaten und zehn Jahren geahndet wird. Die Klinikumsleitung aber hat darauf verzichtet, Anzeigen zu erstatten und es bislang bei fristlosen Kündigungen bewenden lassen. „Wir sehen in dem Verhalten ein disziplinarisches Vergehen, keine Straftat“, sagte Brandstädter.

Des Weiteren geht die Klinikumsleitung trotz gegenteiliger Gerüchte nicht davon aus, dass Vorgesetzte der Pflegedienstmitarbeiter von dem Fehlverhalten gewusst oder es gar geduldet haben könnten. „In jedem Betrieb, in dem selbstständig und eigenverantwortlich gearbeitet wird, besteht unabhängig vom Vorgesetzten auch die Möglichkeit zu Fehlverhalten“, sagte Brandstädter.

Eine Konsequenz hat die Klinikumsleitung allerdings doch gezogen. Obwohl die Bestimmungen in den Arbeitsverträgen eindeutig sind, sei nach Bekanntwerden der Vorfälle eine Social-Media-Richtlinie erlassen worden, sagte Brandstädter am Freitag. An die hätten sich nun alle Mitarbeiter zu halten.

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