Aachen - Aachener Tafel sammelt wieder eifrig Weihnachtskisten

Aachener Tafel sammelt wieder eifrig Weihnachtskisten

Von: Matthias Hinrichs
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Gute Nachrichten am laufenden Band: Unterm Balkon des Ballsaals nahm die Weihnachtskisten-Kolonne kein Ende. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Eigentlich stellt man sich das Christkind doch ein bisschen anders vor, vom Weihnachtsmann ganz zu schweigen. Natürlich ziert kein weißer Rauschebart Beate Engelhovens Gesicht, sondern „nur“ ein strahlendes Lächeln. Sie trägt keinen wallenden roten Rock, sondern Jeans.

Sie kutschiert keinen prächtigen fliegenden Schlitten, sondern einen grauen Mini. Und hat ihre liebe Mühe, die vielen guten Gaben aus dem winzigen Kofferraum heraus zu manövrieren – während dahinter, und gleich vor dem Alten Kurhaus, allmählich die wohl erfreulichste Blechschlange des Öcher Advents Gestalt anzunehmen beginnt.

Aber keine Bange: Julia Riedel, ihres Zeichens ehrenamtliches Vorstandsmitglied im Verein Aachener Tafel, hat zwar längst nicht jede der zahllosen „Weihnachtskisten“ im Griff, die es am Donnerstag in den Ballsaal zu bugsieren gilt – aber die Lage. Paula Heuer (15), Lena Wynands (14) und Kristin Wloka (14) stehen mit ihren Mitschülerinnen von St. Ursula parat, um die bunten Pakete in die erste Etage hinauf zu lotsen.

Nicht weniger als 250 Pennälerinnen vom Bergdriesch sind von früh bis spät im Einsatz, alle in tragenden Rollen, versteht sich. Denn der Lastenaufzug, den die Profi-Logistiker von der Firma Tivoli-Umzüge – selbstverständlich gratis – zur Verfügung gestellt haben, kann die Massen der Festpräsente gar nicht immer so flott transportieren, wie sie in der Komphausbad-straße eintrudeln. Beate Engelhoven lässt sich trotzdem nicht aus der Ruhe bringen, bevor sie wieder in ihren grauen Flitzer springt – nicht einmal von naseweisen Reporterfragen. Bei der Weihnachtskistenaktion ist sie schon dabei, seit Tafel-Vorsitzende Jutta Schlockermann und ihre zahlreichen ehrenamtlichen Kollegen sie – unterstützt auch vom WDR Aachen und der AZ – vor knapp zehn Jahren ins Leben gerufen haben. Warum? Ach Gott. „Weil es eigentlich nicht wahr sein darf, dass es in einer so reichen Stadt wie Aachen Menschen gibt, die hungern. Weil ich weiß, dass es bitter nötig ist, ihnen zu helfen.“ Woher? Vor knapp drei Jahren, erzählt sie noch knapp, hat sie in der Kita Rokoko eine Hausaufgabenbetreuung für Grundschüler aus dem Ostviertel auf die Beine gestellt. „Da kriegt man sowas mit.“ Also sammelt sie alle Jahre wieder gute Gaben in ihrer Nachbarschaft, um sie Richtung Ballsaal zu chauffieren.

Ein Wunsch ist schon erfüllt

Schöne Bescherung! Mitten im barocken Edelambiente wird Jutta Schlockermann schon bald mit den Kronleuchtern um die Wette strahlen. Alle Jahre wieder plagt sie die Sorge, dass diesmal vielleicht doch nicht genügend Weihnachtskisten gesammelt werden können, um die wachsende Zahl der Tafel-Kunden in ausreichendem Maße zu beglücken. Alle Jahre wieder geht ihr größter Festwunsch in Erfüllung. In jeder Ecke stapeln sich die Pakete mit Lebensmitteln. Gerade hat ein älterer Herr ein großes Glückssschwein aus Porzellan vorbeigebracht, ein riesiger Plüsch-Hase thront zwischen ungezählten bunt geschmückten Kartons. In der kleinen Küche nebenan schmieren Ingrid Isaac (72) und Resi Brück (68) eifrig Brötchen – 160 Stück hat die Bäckerei Moss am Morgen herbeigekarrt.

„Ich hätte kein Weihnachten“

Unterm Balkon des Kurhauses ist an ein Päuschen allerdings nicht zu denken. Gerade haben die Helfer ein ziemlich riesiges knallrotes Paket aus dem Wagen von Gisela und Axel Ptok gezerrt – eines von knapp 2000, die am Donnerstag die Tafel-Kunden beglücken. Und nicht nur wegen der kleinen Blechschlange hinter ihrem Wagen sehen die wackeren Spender wenig Veranlassung für große Antworten auf große Fragen.

Warum das freundliche Rentner-Ehepaar – wie immer – auch in diesem Jahr die Tafel nicht vergessen hat in Sachen Bescherung? Gisela Ptok zuckt die Schultern. „Ich hätte kein Weihnachten sonst.“ Ihr Gatte nickt froh. Auch er trägt keinen Bart, nicht mal einen ganz kleinen, wie sein Zündschlüssel ihn hat. Er dreht ihn kurz – und die Ptoks sind so schnell weg, wie sie gekommen sind.

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