Aachener Schützen im Visier der Ministerin

Von: Matthias Hinrichs
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Abgesichert und mit viel Eigenleistung hergerichtet: Gerhard Escherich (l.) und Dieter Jägers von den Forster St.-Katharina-Schützen präsentieren den Schießstand im Keller der Schule am Schwalbenweg. Foto: Jaspers

Aachen. Der politische Pulverdampf hat sich seit Ferienbeginn weithin verzogen. Dennoch dröhnt die Debatte, die jüngst im Düsseldorfer Landtag für Verbalscharmützel sorgte, manch redlichem Schützen noch wie Donnerhall in den Ohren.

Immerhin hatte Schulministerin Barbara Sommer persönlich da ausgerechnet eine Aachener Einrichtung ins Fadenkreuz genommen, um gegen die Unterbringung von Schießanlagen in Bildungseinrichtungen zu Felde zu ziehen: „Ich halte es für bedenklich, wenn dieser Sport in Gebäuden stattfindet, in denen Kinder und Jugendliche unterrichtet und erzogen werden”, sagte Sommer unter Beifall der Grünen, die die Aussprache beantragt hatten - und: „wenn er beispielsweise in Aachen in einer Kindertagesstätte ausgeübt wird”.

Besagte Kita befindet sich in Nütheim-Schleckheim. Im ersten Stock des Gebäudes trainieren die Dreifaltigkeits-Schützen mit Luftdruckgewehren. Dem gleichen Zweck dient seit Jahr und Tag der Keller der Grundschule am Schwalbenweg. Dort üben die St.-Katharina-Schützen, ebenfalls ausschließlich mit Luftdruckwaffen.

In die Ecke gedrängt

Anlass genug für Vertreter beider Vereine, die scharfen Schüsse aus dem politischen Raum mit Empörung zu parieren. Besagten Raum über dem Pfarrheim in Schleckheim habe man bereits vor 30 Jahren angemietet, unterstreicht Reinhold Lücking, Vorsitzender der Dreifaltigkeits-Schützen.

„Da gab es den Kindergarten noch gar nicht. Wir verwahren uns dagegen, wegen der Diskussionen über Amokläufe in eine solch schlimme Ecke gedrängt zu werden. Wir engagieren uns für verantwortungsvolle und gewaltfreie Erziehung.”

Allerdings gebe es mit dem Kita-Nachwuchs ohnedies praktisch keine Berührungspunkte. „Der Schießstand ist nur über das Pfarrheim zu erreichen. Geübt wird immer abends.”

Die Halle sei „hermetisch abgesichert”. Über Schlüssel verfüge nur der Vereinsvorstand. Lücking: „Ich bin selbst Vater von vier Kindern, aber diese Debatte verstehe ich nicht. Nie hat jemand Anstoß daran genommen, dass wir dort trainieren.”

Nicht anders argumentiert Friedhelm Bremen, 1. Brudermeister der Katharina-Schützen. „Unser Schießstand befindet sich in einem alten Luftschutzbunker unter der Schule. Er ist durch vier Sicherheitstüren abgeschirmt.” Über besagte Kritik könne er „nur lachen”.

Weniger erheiternd sei der Umstand, dass der Verein viel Geld in Modernisierung und Sicherheit seines Domizils investiert habe, wie Dieter Jägers, Geschäftsführer des Forster Vereins, betont. Seit 1975 bereits residiere die Bruderschaft dort, unterstreicht Bremen - „und jetzt zeigte sich das Schulamt völlig überrascht, dass wir dort trainieren.”

Allerdings würden die Räume sowohl von der Polizei als auch von der Stadt regelmäßig überprüft, betont Rita Klösges vom Pressebüro. „Wir sehen keine Veranlassung, dort etwas zu ändern.”

Ministerin Sommer hatte in Aussicht gestellt, zunächst eine „Bestandserhebung” in Sachen Schießstände in Schulen vorzunehmen. „Wir sind mit den kommunalen Spitzenverbänden im Gespräch, um für alle Seiten akzeptable Lösungen zu finden”, teilte Sommer dem Präsidenten des Deutschen Schützenbundes mit.

Dessen Beiratsmitglied Karl-Heinz van Eisern, auch Präsident der Karlsschützen und Vizepräsident des Rheinischen Schützenbundes, glaubt, dass der Vorstoß ausgehen wird wie das Hornberger Schießen: „Wir sind dankbar für die Anregung der Lehrerverbände, sachlich aufzuklären”. Van Eisern plädiert daher für einen Tag der Offenen Tür, wo sonst Sicherheitsschlösser das Bild prägten.
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