Aachener Photon-Gruppe: Staatsanwaltschaft ermittelt

Von: Stephan Mohne
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Aachen. Sie kennen sich mit der Sonne aus. Und damit, wie man aus ihr Strom gewinnt. Denn Photon ist ein international erscheinendes Fachmagazin (das auch einige Ableger hat) zum Thema erneuerbare Energien – speziell Solarenergie.

1996 erschien die erste Ausgabe, zwischenzeitlich lag die Auflage bei knapp unter 50.000 Exemplaren. Photon ist zudem zu einer Firmengruppe geworden, die verschiedene Standbeine hat, wenngleich auf dem Zeitschriftengeschäft weiterhin das Hauptaugenmerk liegt. Doch über den Firmensitz an der Ecke Berliner Ring/Jülicher Straße ziehen seit geraumer Zeit dunkle Wolken. Ganz aktuell ist zum zweiten Mal ein – noch vorläufiges – Insolvenzverfahren eröffnet worden. Mitarbeiter berichten, dass Löhne viele Monate verspätet gezahlt werden. Überdies ermittelt die Aachener Staatsanwaltschaft.

Der Reihe nach: Ende 2012 wurde wegen Zahlungsunfähigkeit das vorläufige Insolvenzverfahren über die „Photon Europe GmbH“ eröffnet. Damals arbeiteten bei dem Unternehmen noch rund 140 Mitarbeiter. Die Rede war von mehreren Millionen Euro Außenständen. Unter dem seinerzeitigen vorläufige Insolvenzverwalter gab es schließlich eine „Investorenlösung“. Die Firma wurde unter dem Titel „Photon Publishing GmbH“ weitergeführt. Die seinerzeitige Lösung hatte nach Informationen unserer Zeitung durchaus kuriosen Charakter. Bei den „Investoren“ soll es sich um Photon-Leute gehandelt haben, die also quasi ihren eigenen Pleite-Laden kauften. Dass es keine andere Lösung gab, mag daran liegen, dass unter anderem die Namensrechte bei der damals nicht insolventen Muttergesellschaft – der „Photon Holding“ – liegen.

Mit reduzierter Belegschaft – zunächst sollten etwa 90 Mitarbeiter ihren Job behalten können – ging es weiter. Heute sind allerdings nur noch rund 30 feste Mitarbeiter übrig. Insider berichten allerdings, dass sich im Unternehmen auch nach dem Neustart einiges nicht änderte. Dazu gehört Mitarbeitern zufolge die Zahlung der Löhne. Mit teils monatelanger Verzögerung würden diese gezahlt.

Verwalter prüft noch

Und nun das: Vor rund zwei Wochen ist das vorläufige Insolvenzverfahren über besagte Muttergesellschaft eröffnet worden. Nach Informationen unserer Zeitung geht es um Außenstände beim Finanzamt in einem sechsstelligen Bereich. Als vorläufiger Insolvenzverwalter ist der Aachener Rechtsanwalt Andreas Schmitz eingesetzt. Er kann auf Nachfrage noch nicht sagen, wie es weitergeht: „Zurzeit verschaffe ich mir ein umfassendes Bild über die Gegebenheiten und die wirtschaftliche Situation des Unternehmens. Ich werde alle Möglichkeiten einer Fortführung der Holding prüfen und erforderliche Maßnahmen ergreifen“, erklärt er.

In der Photon-Chefetage sieht man die Vorgänge offenbar gar nicht so dramatisch. Auf Anfrage unserer Zeitung teilt Anne Kreutzmann, Geschäftsführerin der Holding und Chefredakteurin von Photon Publishing, mit: „Es gab Anlaufschwierigkeiten nach der Insolvenz der Photon Europe, inzwischen haben wir aber zwei erfolgreiche Messen hinter uns (SNEC im Mai in China; Intersolar im Juni in München), alle Publikationen sind pünktlich und wir starten wieder mit dem Kioskvertrieb. Sogar ein Sonderheft geben wir in diesem Sommer heraus (Photon Special).“ Dass sei „vor dem Hintergrund, dass sich die Arbeitsplätze in der Solarbranche in Deutschland halbiert haben, ein gutes Ergebnis“. Dass den Mitarbeitern – wie zu hören ist – sechs Monate lang keine Löhne gezahlt wurden, bestreitet Geschäftsführerin Kreutzmann: „Soweit Verspätungen bei Gehaltszahlungen bestehen, werden diese selbstverständlich mit den betroffenen Mitarbeitern besprochen, und wir haben hier mit allen noch im Unternehmen arbeitenden Kollegen einvernehmliche Lösungen gefunden.“ Die Insolvenz der Holding habe im Übrigen keine Auswirkungen auf die anderen Gesellschaften.

Während im Internet zahlreiche schwere, aber nicht überprüfbare Anschuldigungen gegen Photon und die Verantwortlichen erhoben werden, ist die Aachener Staatsanwaltschaft intensiv mit Photon beschäftigt, wie deren Sprecher Jost Schützeberg auf Anfrage sagt. Es werde gegen „mehrere Verantwortliche“ ermittelt. Ein Verdacht ist jener der Insolvenzverschleppung im Fall der Photon Europe. Zudem werde wegen des Verdachts der Veruntreuung von Mitarbeitergehältern ermittelt. Das Verfahren sei sehr komplex, sagt Schützeberg. Deswegen wurde laut Staatsanwaltschaft jetzt eigens ein Gutachter beauftragt, den Fall Photon unter die Lupe zu nehmen.

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