Aachener Olympia-Stützpunkt vor dem Aus

Von: Marlon Gego
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SV Neptun
Aachen verliert wohl seinen Status als Bundesstützpunkt der Wasserspringer. Foto: dpa

Aachen. Der einzige Olympia-Stützpunkt der Region wird aller Voraussicht nach geschlossen. Der SV Neptun Aachen, der seit Jahrzehnten einen deutschen Bundes- und Olympiastützpunkt der Wasserspringer betreibt, wird dieses Privileg zum Jahresende wohl verlieren.

Ein hochrangiger Funktionär des Deutschen Schwimmverbandes (DSV) erklärte am Mittwoch auf Anfrage unserer Zeitung, dass zwar offiziell noch keine Entscheidung gefallen sei, aber: „Für Aachen sieht es nicht gut aus.”

Mitte August hatte sich der Aachener Sportdezernent Wolfgang Rombey gegenüber unserer Zeitung noch optimistisch zur Verlängerung der Bundesstützpunkt-Vereinbarung geäußert. Angesichts des katastrophalen Abschneidens der DSV-Athleten bei den Olympischen Spielen könne es sich der Verband kaum leisten, auf die erfolgreiche Arbeit in Aachen zu verzichten, sagte Rombey damals.

Nun kommt es offenbar anders. Der Funktionär erklärte am Mittwoch, der DSV würde sich beim Bundesinnenministerium, das in letzter Konsequenz über die Förderung der Stützpunkte entscheidet, gern mit guten Argumenten für Aachen einsetzen; solche Argumente gebe es aber leider kaum. „Für uns ist das ein Verlust”, sagte er.

Für die Abteilungsleiterin Wasserspringen im SV Neptun, Elisabeth Lube, kommt diese Entwicklung überraschend. Denn am 11. September treffen sich Verantwortliche des SV Neptun, der Stadt Aachen und des Landes mit Vertretern des DSV, um über das sogenannte Regionalkonzept für die Jahre 2013 bis 2016 zu sprechen. Erst danach sollte eine Entscheidung über die Zukunft Aachens als Bundesstützpunkt fallen.

Dass die Entscheidung intern offenbar bereits gegen Aachen gefallen ist, „überrascht mich schon”, sagte Lube. Doch dass der DSV dem SV Neptun entgegen der Vereinbarung noch immer nicht den von ihm zu erstellenden Teil dieses Regionalkonzeptes habe zukommen lassen, sei ein weiteres Indiz für die Planungen des Verbandes, sagte Lube.

Das Verhältnis des DSV zum SV Neptun ist angespannt, seit 2008 Lutz Buschkow beim DSV Direktor für den Bereich Leistungssport wurde, 2010 stellte der DSV die Stützpunktprivilegien erstmals in Frage. Die Verantwortlichen des SV Neptun glauben, der Ostdeutsche Buschkow habe sich daran gestoßen, dass die besten Springer regelmäßig aus Aachen kamen. Beim DSV heißt es, die Arbeit der Stützpunkttrainer sei vom SV Neptun systematisch torpediert worden.

Würde Aachen tatsächlich seinen Status als Bundesstützpunkt verlieren, fiele die Förderung zweier Stützpunktleiter und mehrere Trainer weg. Zudem verlöre die Stadt Aachen jährlich 62.000 Euro Fördermittel zur Erhaltung des Stützpunktes. „Es ist schlimm zu sehen, wie der DSV das funktionierende System des SV Neptun zerstört hat”, sagte Lube.
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