Aachener Museen verzeichnen 2008 eklatante Besucherrückgänge

Von: Matthias Hinrichs
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Jacob Backer soll´s richten: Die Schau im Suermondt-Ludwig-Museum boomt - was man von den Besucherzahlen der großen Museen 2008 keineswegs behaupten kann. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Die eher sauertöpfisch dreinblickenden Konterfeis, die Mr. Chuck Close vor zwei Jahren im Ludwig Forum präsentiert hat, haben nicht nur den Kultur-, sondern auch den Kassenhütern ein Lachen in die Herzen gezaubert.

Lang ist´s her - noch länger dürften die Gesichter der Vermarkter angesichts der Publikumsresonanz im vergangenen Jahr geworden sein. Insbesondere die großen Museen haben 2008 massive Einbrüche verzeichnet.

Die kleineren Häuser machten dagegen Furore. Und so dürfte die jüngste Statistik des Kulturbetriebs viel Stoff auch für die aktuelle Diskussion zum „Leitprofil Kultur” bieten.

Nach dem Rausch

Denn nach vergleichsweise geradezu berauschenden Bilanzen blieb der große Kater in Sachen Kundenströme nicht lange aus. So verzeichnete das Suermondt-Ludwig-Museum 2007 immerhin 28000 Besucher, die den Weg Richtung Wilhelmstraße allein wegen der Ausstellungen gefunden hatten.

Die Kalf-Schau bescherte enormes Interesse. 2006 hatten gerade einmal 16.264 Kulturfans die Präsentationen gewürdigt. Ebenso wie vielfach in den Vorjahren wurde die Marke von 20.000 Gästen allein aufgrund des Umstands durchbrochen, dass immer mehr Sonderveranstaltungen angeboten werden.

So registrierte auch das Ludwig Forum 2008 im Ganzen zwar exakt 49.486 Gäste (2007 waren es 63697). Fast 34.000 Kunstfreunde nahmen allerdings „Events” wie Tanz- oder Konzertabende, Veranstaltungen Externer oder das pädagogische Programm in Anspruch.

Um derlei flankierende Maßnahmen bereinigt, weist die Statistik fürs Forum indes nur 15.642 Besucher auf - ein eklatanter Tiefstand seit mindestens 2002.

Im Vorjahr hatten - Chuck Close lässt grüßen - knapp 10.000 Kunstfreunde mehr der Schirmfabrik ihre Aufwartung gemacht. Ähnlich die Situation im Suermondt-Ludwig-Museum.

Dort zählte man vergangenes Jahr 16134 Ausstellungsbesucher - fast 12.000 und damit rund 42 Prozent weniger als 2008. Die Gesamtzahl der Gäste sank von 45.976 auf 32.211.

Dennoch blickt Museumsdirektor Peter van den Brink gelassen auf den Zahlenwust. „Unterm Strich”, argumentiert er, „haben wir in allen Museen zusammen immer noch mehr Publikum gezählt als 2007.

Dass wir im Suermondt-Ludwig nicht an den großen Erfolg mit Kalf anknüpfen konnten, war uns klar.” Die aktuelle Präsentation von Meisterwerken des Rembrandt-Gegenpols Jacob Backer gebe indes mehr als Anlass zur Hoffnung: „Die Schau läuft super. Ich denke, wir werden über 30.000 Besucher anziehen.”

2008 habe man dagegen erfolgreich aufs Couven-Museum gesetzt. Im Jubiläumsjahr bescherte die Präsentation rund ums sagenumwobene Bernsteinzimmer dem Musenhort fast eine Verdopplung der Publikumszahlen.

Mit 26.618 „reinen” Ausstellungsgästen überflügelte das Haus seine großen Schwestern bei weitem. Auch das Zeitungsmuseum boomte: 16.545 Besucher registrierte man an der Pontstraße; 15.480 waren es 2007, während die Zahlen vordem stets weit unter 10.000 dümpelten.

„Das ist vor allem auf die erheblich verbesserte Zusammenarbeit mit den Schulen, das enorme Engagement unseres Geschäftsführers Andreas Düspohl und unserer rund 30 Ehrenamtlichen zurückzuführen”, so Meike Thüllen, Vorsitzende des Fördervereins.

Und so setzt nicht nur Thüllen große Hoffnungen in anstehende Umwälzungen - bekanntlich residiert die Presse-Präsentation in den nächsten Monaten wegen der Umbauarbeiten für die Route Charlemagne in Haus Löwenstein.

„Wir bescheinigen der Kulturverwaltung trotz allem gute Arbeit”, sagt SPD-Ratsfrau Sibylle Reuß. „Wir befinden uns eben in einer Sondierungsphase, wie die Diskussion ums neue âLeitprofil KulturÔ zeigt.” Und ihre CDU-Kollegin Dr. Margrethe Schmeer meint: „Wir müssen Freiräume für wirtschaftlich weniger attraktive, aber künstlerisch sehr hochwertige Projekte lassen, wie die exquisite Schau Holland in Linien im Suermondt-Ludwig oder die van-Lieshout-Ausstellung im Forum.”

Auch letzteres will unter neuer Leitung an alte Erfolge anknüpfen: Die große „Pop Up!”-Präsentation an der Jülicher Straße wird am 5. April eröffnet.
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