Aachen - Aachener Museen: Herbe Verluste bei Besucherzahlen

Aachener Museen: Herbe Verluste bei Besucherzahlen

Von: Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Liegt es am einseitigen Angebot oder an der schlechten Sichtbarkeit? So oder so, im Suermondt-Ludwig-Museum muss sich nach Ansicht der Politik etwas ändern. Foto: Jaspers
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Auch im Centre Charlemagne sind die Besucherzahlen kein Grund zur Freude. Foto: Jaspers

Aachen. Das Sterben scheint dem Betrachter aus den ausgehöhlten Augen direkt ins Gesicht zu starren, so intensiv ist das Bild, mit dem der gebürtige Aachener Malerpriester Herbert Falken den Tod seines Freundes Heinrich Böll verarbeitet hat. Zu sehen sind die eindrucksvollen Bilder aus dem Lazarus-Zyklus noch bis Ende Oktober im Suermondt-Ludwig-Museum.

Das Problem: Nur wenige Aachener sehen sich die Ausstellung auch tatsächlich an. Nicht, weil die Darstellungen des bedeutenden Schriftstellers Böll nicht qualitativ hochwertig sind. Sondern weil viele Aachener an dem Museum an der Wilhelmstraße vor allem vorbeigehen, statt einen Blick ins Innere zu wagen.

Das große Sorgenkind

Das Suermondt-Ludwig-Museum gehört in der Aachener Kulturlandschaft zu den großen Sorgenkindern. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ging die Besucheranzahl in den ersten sechs Monaten des Jahres um 20 Prozent zurück. Das ergibt die erste Evaluation der geänderten Öffnungszeiten und Eintrittsgelder der Museen durch die Verwaltung, die Dienstagabend im Kulturausschuss präsentiert wurde. Und für ordentlich Gesprächsstoff in den Fraktionen sorgte.

Der positiven Einschätzung von Kulturdezernentin Susanne Schwier, dass „viele Maßnahmen gegriffen haben“, konnten sich die Ausschussmitglieder nicht ohne weiteres anschließen. Denn fast alle Museen haben herbe Verluste bei den Besucherzahlen zu vermelden. Selbst das Centre Charlemagne lockte trotz attraktiver Lage am Katschhof rund 24 Prozent weniger Besucher als noch 2015. Einzige Ausnahme bildet das Ludwig Forum, in dem dank einer Finanzspritze der Firma Zentis donnerstags freier Eintritt gilt – und das dadurch ein Plus von 151 Prozent verzeichnet.

Laut Verwaltung lassen sich die rückläufigen Besucherzahlen nicht mit den verkürzten Öffnungszeiten begründen. Somit stand im Kulturausschuss auch ein anderer Punkt zur Debatte: nämlich das Angebot selbst. „Wir haben es nicht erreicht, die Attraktivität für alle Aachener Häuser zu erhöhen“, resümierte Hermann Josef Pilgram (Grüne). „Nun müssen wir darüber nachdenken, ob die Formate stimmen.“ Für Ruth Crumbach-Trommler ist diese Frage bereits beantwortet. „Die Verdrossenheit der Besucher liegt am einseitigen Angebot“, lautete das deutliche Urteil der FDP-Politikerin.

Auch die Außenwirkung der Gebäude selbst wird angesichts der dramatischen Zahlen seitens der Politik zunehmend in Zweifel gezogen. „Weder beim Internationalen Zeitungsmuseum noch beim Suermondt-Ludwig-Museum sieht man beim Vorbeigehen, ob geöffnet ist“, gab Gunter von Hayn (Piraten) zu bedenken.

In diesem Punkt ist die Verwaltung indes bereits tätig geworden. So soll in Zukunft eine graue, im Dunkeln beleuchtete Stele vor dem Suermondt-Ludwig-Museum für mehr Sichtbarkeit sorgen. Als „elektrische Werbetafel“ werde diese kleine Säule voraussichtlich ab Frühjahr 2018 auf die wechselnden Ausstellungen aufmerksam machen, hieß es am Mittwoch seitens der Verwaltung auf AZ-Anfrage.

Möglicherweise ist der Eintritt dann auch im Suermondt-Ludwig-Forum zumindest an einem Tag frei. Der Kulturausschuss beauftragte einstimmig die Verwaltung damit, sich auf Sponsorensuche zu begeben, um dies analog zum freien Donnerstag im Ludwig Forum zu ermöglichen. Im Internationalen Zeitungsmuseum müssen Besucher in Zukunft gar nicht mehr das Portemonnaie zücken. Ob die Stadt an den geänderten Öffnungszeiten der Museen von 10 bis 17 Uhr festhält, wird nächstes Jahr entschieden. Im Januar soll der Kulturbetrieb die Situation mit frischen Zahlen erneut evaluieren.

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