Städteregion - Aachener Modell fördert seit 13 Jahren erfolgreich Grundschüler

Aachener Modell fördert seit 13 Jahren erfolgreich Grundschüler

Von: Martina Stöhr
Letzte Aktualisierung:

Städteregion. „Die Kinder sollen einen eigenen Blick auf ihre Stärken und Schwächen bekommen“, meint Monika Wallbrecht von der Grundschule Pannesheide und benennt damit eines der wichtigsten Ziele des „Aachener Modells“ für Grundschulen.

Das „Aachener Modell“ wurde vor 13 Jahren von der Bürgerstiftung der Sparkasse Aachen in Kooperation mit den Aachener Hochschulen und dem Ludwig Forum ins Leben gerufen.

Ging es am Anfang vor allem um die Förderung besonders begabter Grundschulkinder, hat sich der Fokus im Laufe der Jahre erweitert.„Denn jedes Kind ist begabt, wir müssen nur herausfinden, wo seine Begabung liegt“, sagt Monika Wallbrecht. Demnach stehen heute die individuelle Begleitung der Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit der Begleitung der Schule im Mittelpunkt des „Aachener Modells“.

Und das hat laut Prof. Dr. Willi Stadelmann – Hirnforscher, Entwicklungspsychologe und ehemaliger Rektor der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz – auch international einen guten Ruf. „Ich bin begeistert davon, was hier in 13 Jahren geleistet wurde“, sagte er im Gespräch mit den Organisatoren.

Seiner Meinung nach muss es gleichermaßen um Begabten- und um Begabungsförderung gehen. Denn kein Kind werde begabt geboren, sondern mit gewissen Potenzialen. Es komme darauf an, was das soziale Umfeld daraus mache.

„Jedes Kind muss zeigen können, dass es in irgendeinem Bereich gut ist“, sagte Stadelmann. Und dann fügte er noch einen Satz hinzu, der ihm ganz besonders am Herzen liegt: „Kinder sind dann motiviert, wenn die Hoffnung auf Erfolg größer ist, als die Angst vor dem Versagen.“ Unterforderung und Überforderung würden zu den selben Stressreaktionen führen.

„In diesem Sinne ist es eben wichtig, jedes Kind und seine Begabungen zu erkennen“, meinen die Organisatoren des „Aachener Modells“. Dass auch die Schulen dabei begleitet werden und sich entsprechend entwickeln, hält Stadelmann für eine Grundvoraussetzung. „In Aachen ist das sehr gut gelungen“, sagte er. Bei einer Fortbildungsmaßnahme für Lehrer des „Aachener Modells“ sprach er später zum Thema „Emotionen und Gefühl als Schlüssel zu Lernen und Begabungsförderung“.

Monika Wallbrecht hat festgestellt, dass auch die Kinder dank der Teilnahme am „Aachener Modell“ untereinander aufmerksamer werden. „Sie erkennen Begabungen oft früher als ich“, sagte sie. Zum Beispiel dann, wenn ein Kind die besondere Fähigkeit hat, bei Streitigkeiten für Ruhe zu sorgen, oder wenn sich ein Kind, dass sich beim Lesen und Schreiben schwer tut, plötzlich als „findungsbegabt“ erweist – ein Begriff, den sich seine Mitschüler ausgedacht haben.

Denn der Junge hat laut Wallbrecht eine besondere Gabe, Dinge aufzuspüren, die beispielsweise verloren gegangen waren. „Wir müssen eine breite Sicht der Begabung haben“, meinte dann auch Maria Schiefer, Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Oberforstbach.

In einem weiteren Schritt sind laut Renate Katz, Schulamtsdirektorin der Städteregion, die entsprechenden Strukturen notwendig. Schulen, die am „Aachener Modell“ teilnehmen, müssen sich zur Weiterbildung verpflichten. Sie müssen schulintern Strukturen entwickeln, die gewissen Qualitätsstandards entsprechen. Und mit der FH, der RWTH und dem Ludwig Forum stehen Kooperationspartner bereit, die entsprechende Kurse zur Förderung von besonderen Begabungen anbieten.

Klassengefüge ändert sich

Laut Monika Wallbrecht führt die Teilnahme am „Aachener Modell“ dazu, dass sich erst der Blick auf die Kinder und dann das Klassengefüge verändert. Und damit ist nach Meinung aller Beteiligter ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung getan. „Wir sprechen sonst so viel über Defizite. Dabei ist es viel besser, den Blick auf die Begabungen zu richten“, meint Martin Tenholt, Schulleiter der Grundschule Alsdorf-Ofden.

26 Grundschulen aus der Städteregion nehmen am „Aachener Modell“ teil. Sie treffen sich auch in kleinen Gruppen, um Erfahrungen auszutauschen und sich Tipps für den Unterricht zu geben.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert