Aachen - Aachener Kulturinitiative feiert 30 Jahre Theater 99

Aachener Kulturinitiative feiert 30 Jahre Theater 99

Von: Matthias Hinrichs
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Herzlichen Glückwunsch, Theater 99: Die erste unabhängige Bühne im Herzen der Stadt feiert ihren 30. Geburtstag. Die Truppe der Aachener Kultur- und Theaterinitiative (hier nur einige Vertreter des „harten Kerns“) geht mit ungebrochenem Enthusiasmus, vielen neuen Ideen und Inszenierungen in die „runde“ Spielzeit, die Donnerstag im Keller des Hauses Gasborn 9-11 eingeläutet wird. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Im Allgemeinen sagt man den Aachenern ja nicht nach, dass sie zum Lachen in den Keller gehen. Die aufregendste Ausnahme von der rheinischen Regel findet sich allerdings seit gefühlten Ewigkeiten ein gutes Dutzend Treppenstufen unterm beschaulichen Foyer des Hauses am Gasborn 9-11.

Genauer: Seit exakt drei Jahrzehnten grassiert der kreative Virus im kleinen, aber feinen Kellertheater der Aachener Kultur- und Theaterinitiative nahe dem Bushof so erfrischend und rasant wie eh und je. 30 Jahre Akut – und noch immer steht das knackige Kürzel für unverdrossenen Wandel im beständigen Bestreben, die Bühnenbretter zwischen kantigem Kabarett und kolossalem Klassiker, zwischen heiterer Tanz- und hochkarätiger Tonkunst permanent neu zu erfinden.

Dafür sorgen etliche freie Ensembles und Solisten, welche den wahrhaft multikulturellen Musenhort mitten im schmuddeligen Kleinkiez-Milieu zwischen Spielhöllen, Sexshops und Szenekneipen zu dem gemacht habe, was er heute ist: das älteste „freie“ Theaterhaus der Stadt.

„Nachdem sich die ersten Kulturschaffenden 1986 – drei Jahre nach der Gründung des Vereins – hier eine eigene Spielstätte geschaffen haben, liegen wahrlich wilde Zeiten hinter uns“, weiß nicht nur Jutta Kröhnert, seit 18 Jahren und damit ebenfalls inzwischen quasi volljährige Vorsitzende der Initiative. Mit seinen 99 Sitzplätzen im schummrig-schlichten, schwarzgetünchten Untergrund ist das Haus am Gasborn seither zwar nicht größer geworden – erwachsen ist es längst im besten Sinne.

„Wir sind gereift und sicher auch ein wenig seriöser geworden“, meint Kröhnert. „Heute ist es für uns besonders wichtig, dass wir professionelle Künstler und Amateure im besten Sinne des Wortes – nämlich engagierte Liebhaber der Bühnenkunst – in unseren Reihen zusammenbringen.“

Von Mario Barth bis Volker Pispers

In der Tat: Markante Berühmtheiten der „Branche“ – wie Top-Comedian Mario Barth, das preisgekrönte Magier-Gespann Andreas und Chris Ehrich oder Kabarett-Altmeister Volker Pispers – sind einst von hier aus in die Blockbuster-Bastionen der großen TV-Sender durchgestartet. Rund 20 Programme gehen am Gasborn inzwischen in rund 120 Vorstellungen pro Jahr über die Bretter.

Nur auf allzu glatte Etikette verzichten die Akut-Macher ganz gern. Neben renommierten Ensembles wie Blackout-Theater, Theater Bohème, Wall Street Theatre, Jurakowa Projekt, Theater Ausbruch oder Phosphor Theater, um nur einige zu nennen, findet auch der (noch) nicht so (semi-)professionell agierende Nachwuchs reichlich Gelegenheit, sich auszuprobieren und zu profilieren. Das Spektrum des neuen Spielplans (siehe Info) reicht vom blutjungen Theater Wolkenbruch, das als Nesthäkchen der großen Künstlerfamilie demnächst die Kulissen mit seiner ersten Inszenierung „Alice im Wunderland“ stürmt, bis zum Theater „KlartAIXt“, gegründet von Absolventen der Theaterschule Aachen, das im Frühjahr mit seiner vierten Produktion an den Start geht (und sich über jeden und jede freut, der oder die Lust hat, sich anzuschließen).

So zahlt sich nicht zuletzt das beachtliche Engagement des Vereins bei der Organisation der inzwischen bestens etablierten Schultheatertage allemal aus, betont Jutta Kröhnert. Auch jenseits des alle zwei Jahre stattfindenden Pennäler-Spektakels sind die Akut-Aktiven längst als professionelle Workshop-Dozenten unterwegs, gestalten Ferienwerkstätten, präsentieren das feine kleine Theater als außerschulischen Lernort mit dem ganz besonderem praktischem Charme eines waschechten Mehrspartenhauses.

Denn neben bekannten Musikern wie Flötistin Ricarda Schumann, die mit ihrem Mann, dem Regisseur und Schauspieler Thorsten Schumann (und nun auch Tochter Kyra) seit etlichen Jahren zur quasi „festen Besetzung“ gehört, geben sich seit einiger Zeit auch professionelle Tanzkünstler wie Choreographin Yvonne Eibig mit ihren jungen Parkett-Ensembles ein Stelldichein im vielseitigen Bühnenteam.

Trotzdem und von wegen „wild“: Ohne reichlich Spontaneität soll es bei Akut natürlich auch in Zukunft nicht zugehen. Im Herbst haben sich – zum Beispiel – etliche renommierte Stand-up-Künstler beim großen „Improtheaterfestival“ angesagt. Keine Frage also, dass die Aussichten auf dem heiklen Terrain der freien Bühnenkunst trotz mancher zuweilen tiefen Löcher im Vereins-Etat schöner kaum sein könnten. Und dass auch nach 30 Jahren gilt: Akut bleibt akut.

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