Aachen - Aachener Heimattheater: Wenn „Olchis“ Weihnacht feiern

Aachener Heimattheater: Wenn „Olchis“ Weihnacht feiern

Von: Günther Sander
Letzte Aktualisierung:
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Frohes Fest auch für Faulpelze: Das Aachener Heimattheater verzückte mit seiner Adaption von Erhard Dietls Kinderbuch „Olchige Weihnachten“ im Eurogress.

Aachen. „Es war einmal...“ – das ist vorbei. „Die goldene Gans“ und „Des Kaisers neue Kleider“ haben ausgedient, die Gebrüder Grimm und Hans Christian Andersen sind passé. Das Aachener Heimattheater schlägt moderne Wege ein, wie von der neuen Spielleiterin Judith Knisch (sie löst Bernd Dreyer ab) angekündigt.

Bei der Premiere im Brüssel-Saal des Eurogress wurde deutlich: Der neu eingeschlagene Weg endete nach rund 90 Minuten in einer Erfolgsspur.

„O Grätenbaum, o Grätenbaum!“

„Alles Müll oder was“? Auf keinen Fall, aber eine Müllkippe stand im Mittelpunkt des Geschehens bei „Olchige Weihnachten“ von Kinderbuchautor Erhard Dietl. Das „standesgerechte“ Domizil von Schmuddelfing, auf dem die Olchis sich austoben, war genau passend, um Flüche am laufenden Band zu versprühen. „Muffel-Furz und Teufel“, „Dreimal krötiger Schlamm und Hühnerich“ passten zu Schmuddelfing wie die drei Hörhörner, Knubbelnasen und scharfen Zähne zu den frechen Fabelwesen, den Olchis.

Steckt nicht in jedem Kind manchmal auch ein keiner Olchi? Die kleinen Premierenbesucher jedenfalls kannten die Olchis bestens, waren begeistert, spendeten Beifall, gingen so richtig mit. Kein klassisches Märchen, aber eine „klassisch-schmuddelige“ Geschichte. Da war es der Drache Feuerstuhl, der die Kinder vor jedem Akt auf das kommende Olchi-Spektakel einstimmte und zum Mitmachen animierte: „Muffel-Furz und Krötenschleim, der Vorhang soll geöffnet sein.“ Das funktionierte dann auch vorzüglich.

Die Olchi-Familie ist auf dem Müll zu Hause, stinkfaul und träge. Bis der Weihnachtsmann mit vier Engeln auftaucht und kundtut, dass er zu einem Weihnachtsmarkt unterwegs sei. Weihnachten? Total „olchifremd“. Aber basteln wollen sie, mit den Sachen zum Weihnachtsmarkt, um sie dort verkaufen zu können. „Langweiliges“ Geld wollen sie nicht, wohl aber Schuhsohlen und rattige Fischgräten, die munden so richtig, wenn Mama sie würzig zubereitet. „O Grätenbaum, o Grätenbaum“, so schmettern sie vor dem Abmarsch zum Weihnachtsmarkt.

Dort angekommen, finden sie eine „feine Gesellschaft“ vor: Öcher Prente und zwei Polizeibeamte, die den Olchis das Leben schwer machen. Um auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen zu können, bedarf es einer Genehmigung. Die ist nicht vorhanden. „Spottiger Käsefuß“, auch das noch, denken sie. Der Olchi-Papa wird in Handschellen gelegt, der Olchi-Rest wehrt sich, der Clan luchst den Polizisten ihre Schuhe ab, die Olchis verduften stinkend wieder nach Schmuddelfing.

Da feiern sie ihre Weihnacht doch lieber auf der Müllkippe. Mit selbstgebackenen Stinkeplätzchen, mit einem Weihnachtsbaum, geschmückt mit Fischgräten, Klopapierrollen und natürlich alten Schuhen. Damit nicht genug, der Weihnachtsmann erscheint erneut mit einem Sack voller Gaben: einer kaputten Luftpumpe, oberolchigen Glühbirnen, Fischgräten und einem alten Lampenschirm. „O, du fröhliche...“ Da wird es heiter und olchig-gemütlich.

Weitere Vorstellungen

Im Foyer, bei der Olchi-Autogrammstunde, waren Fischgräten passé, auch die Flüche hatten ausgedient, dafür schrieb sich das Ensemble die Finger wund. Die Darsteller überzeugten allesamt: Olchi-Mama (Kathrin Schnitker), Olchi-Papa (Ralf Leesmeister), Olchi-Junge (Sarah Mickisch), Olchi-Mädchen (Emma Schnitker), Drache Feuerstuhl (Stefanie Mockel), Weihnachtsmann (Wolfgang Lohbusch), Weihnachtsengel (Canan Kafadar, Simon Leesmeister, Lilli Knisch, Zoe Winden), Frau Fröschel (Gerlinde Geurten), Frau Susemann (Heike Mickisch), Polizist Schimanski (Jörg Dreyer), Polizist Hempel (Henrik Ringens).

Judith Knisch konnte aufatmen, ihr Sprung zu neuen Ufern war geschafft. Weitere Vorstellungen gibt es am 30. November und 7. Dezember, jeweils 15 Uhr, im Eurogress.

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