Aachener halten Erinnerung an Walter Hasenclever lebendig

Von: Katharina Menne
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Spannende Einblicke in eine fesselnde Künstlerbiografie: Vertreter der Walter-Hasenclever-Gesellschaft würdigten Leben und Werk des Aachener Schriftstellers Walter Hasenclever. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Geburtstage begeht man mit einem Toast. Deshalb erhebe ich mein Glas zum Andenken an Walter Hasenclever, einen bedeutenden Aachener und unvergessenen Schriftsteller des frühen 20. Jahrhunderts.“ Mit diesen Worten leitete Jürgen Lauer, Ehrenvorsitzender und Gründungsmitglied der Walter-Hasenclever-Gesellschaft (WHG), den literarischen Abend anlässlich des 125. Geburtstags des einst so berühmten Dichters aus der Kaiserstadt ein.

Der Gartensaal des Institut Française war bis auf den letzten Platz besetzt mit Literaturinteressierten, die gebannt den Vorträgen und Lesungen lauschten und an den richtigen Stellen auch mal laut lachten.

„Um 1930 war Walter Hasenclever in ganz Deutschland bekannt und gehörte zu den meistgespielten Theaterautoren seiner Zeit, heute ist er nicht einmal mehr in Aachen weltberühmt“, brachte es Klaus Mackowiak, einer der Vortragenden, lakonisch auf den Punkt. Und genau das zu ändern, hat sich die Walter-Hasenclever-Gesellschaft zur Aufgabe gemacht. Seit diese am 25. April 1996 gegründet wurde, setzen sich die Mitglieder mit Leseabenden und Vorträgen dafür ein, dass das Werk Hasenclevers nicht völlig in Vergessenheit gerät.

„Walter Hasenclever war ein äußerst facettenreicher Schriftsteller – ein Mann des expressionistischen Dramas, Satiriker, Komödienschreiber, aber auch Journalist und Filmemacher“, berichtete Dr. Walter Vennen, Buchhändler und zweiter Vorsitzender der WHG. Für ihn haben die Werke Hasenclevers nach wie vor eine hohe politische Aktualität, etwa in seiner ideologiekritischen Haltung und seinem scharfen Blick auf die Gesellschaft. Auch für die erste Vorsitzende der Gesellschaft, Dr. Barbara Schommers, liegt es nicht am Werk, dass Hasenclever heute nur noch wenig gelesen wird, sondern an der Rezeptionsgeschichte und vor allem daran, dass viele seiner Texte heute nur schwer erhältlich sind.

Denn Walter Hasenclever gehört aufgrund seiner teils jüdischen Wurzeln, die auf seine Großeltern zurückgehen, und seiner mutigen Haltung gegen Hass, Rassismus und Krieg zu den deutschen Autoren, deren Werke von den Nationalsozialisten mit als erste überhaupt verboten wurden und nach der berüchtigten Bücherverbrennung aus den Bibliotheken entfernt wurden.

Hasenclever – weitgereister Intellektueller von früh an – ging daraufhin ins Exil nach Nizza, was seine weiteren Texte nachhaltig prägte. „Er bekämpfte die Missstände seiner Zeit, indem er sie lächerlich machte, und wurde zum bissigen Satiriker, der kein Blatt vor den Mund nahm“, so Lauer in seiner Ansprache.

Und genau das gefällt zum Beispiel Amelie Williams. Die Studentin der Theater-, Film und Medienwissenschaften war mit ihren 21 Jahren mit Abstand der jüngste Gast des Abends. Sie sei zum ersten Mal mit Hasenclever in Kontakt gekommen und eigentlich nur wegen ihrer Mutter hier, erzählte sie. Die Vorträge hätten sie aber dazu angeregt, mehr über seine Biographie und sein Filmwerk erfahren zu wollen. Verena Roesner (66) dagegen hat allgemein großes Interesse an den Schriftstellern des frühen 20. Jahrhunderts und an kritischen Denkern, wie Hasenclever einer war. So war sie auch schon häufiger Gast bei Veranstaltungen der Hasenclever-Gesellschaft.

Zusammen mit der Stadt Aachen, dem Aachener Buchhandel, dem Einhard-Gymnasium, an dem Hasenclever 1908 sein Abitur machte, und anderen wirkt die WHG an der Verleihung des mit 20.000 Euro dotierten Walter-Hasenclever-Literaturpreises mit. Dieser ging in den vergangenen Jahren schon an bedeutende Persönlichkeiten der deutschen Literatur wie beispielsweise Elfriede Jelinek, Peter Rühmkorf oder Herta Müller.

„Wir möchten sein Andenken so lebendig halten wie es nur geht“, sagte Jürgen Lauer. „Den Triumph, dass Walter Hasenclever vergessen wird, gönnen wir den Nazis nicht.“

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