Aachen - Aachener Hackathon bringt Studenten zum Grübeln

Aachener Hackathon bringt Studenten zum Grübeln

Von: Katharina Menne
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Die Teilnehmer des Hackathons sollen im Laufe der Nacht einen Roboter mit einem Logiksystem ausstatten. Foto: Menne
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Die beiden RWTH-Studenten Johanna Lauwigi (2. v.r.) und Marius Gürtler (3. v. r.) stecken die Köpfe zusammen und versuchen, sich in die Aufgabe des Hackathons einzudenken. Foto: Menne
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Der 28-jährige Mathematik-Doktorand Sebastian Schönitz (3. v. r. sitzend) hat den Hackathon, eine Wortschöpfung aus „hacken“ und „Marathon“, organisiert Foto: Menne

Aachen. Es ist Freitagabend, 20 Uhr. In einem großen, hell beleuchteten Raum in der Aachener Dennewartstraße huschen 120 Hände über die Tastaturen der an mehreren runden Tischen aufgebauten Laptops. Weiße Buchstaben und Zahlen flimmern über schwarze Bildschirme.

Überall blinkt und summt es. Hier und da wird auch mal leise gemurmelt. Zwischen unzähligen Pizzatellern stehen Kaffeebecher, Colaflaschen und andere koffeinhaltige Getränke herum. Kein Wunder – die 60 Teilnehmer des Hackathons, denen die Hände gehören, müssen bis fünf Uhr wachbleiben.

So auch Johanna Lauwigi und Marius Gürtler. Während ihre Kommilitonen wahrscheinlich irgendwo tanzen und feiern oder gemütlich zu Hause auf der Couch liegen, stecken die beiden RWTH-Studenten die Köpfe zusammen und versuchen, sich in die Aufgabe einzudenken. Sie sollen im Laufe der Nacht einen Roboter mit einem Logiksystem ausstatten, das diesen dazu befähigt, in möglichst kurzer Zeit drei Getränke an einer Theke abzuholen und in der richtigen Reihenfolge den Gästen zu bringen.

Da immer ein Roboter gegen einen zweiten antritt, müssen die beiden sich gegenseitig ausweichen und aufeinander reagieren. Die Steuerung sollen die Studenten programmieren. Wessen Roboter am Ende die Aufgabe am schnellsten bewältigt, gewinnt.

Gar nicht so leicht. „Aber nicht unlösbar“, sagt Sebastian Schönitz. Der 28-jährige Mathematik-Doktorand hat den Hackathon, eine Wortschöpfung aus „hacken“ und „Marathon“, organisiert. In erster Linie sollen die Teilnehmer zwar Spaß haben und etwas lernen, doch dahinter steckt noch mehr: Das Robotik-Team „Carologistics“ von der RWTH und der FH Aachen sucht Nachwuchs. „Wir brauchen immer wieder neue gute und kreative Köpfe, die uns voranbringen und neue Ideen entwickeln“, sagt Schönitz.

Zum vierten Mal in Folge hat das Team auch in diesem Jahr wieder die Weltmeisterschaft der RoboCup Logistics League gewonnen. „Zurzeit setzen wir die Maßstäbe“, sagt er. „Und das soll nach Möglichkeit auch so bleiben.“ Um auf sich aufmerksam zu machen, veranstaltet „Carologistics“ deshalb zusammen mit der Studenteninitiative Bonding bereits zum fünften Mal einen solchen Hackathon. Ziel ist, sich die Talente herauszupicken.

Das Symstem hakt

Doch zunächst läuft nichts. Das System hakt. Der Roboter macht keinen einzigen Schritt, nicht mal in der Simulation. Aber kein Grund zur Panik: Johanna Lauwigi und Marius Gürtler sind es gewohnt, dass beim Programmieren nicht alles sofort klappt. Beide arbeiten als wissenschaftliche Mitarbeiter am Institut für Getriebetechnik, Maschinendynamik und Robotik – sie kennen das Problem. „Man drückt immer wieder auf Enter und bekommt immer wieder einen Fehler“, erzählt die 26-jährige Maschinenbaustudentin. „Aber irgendwann wacht der Roboter plötzlich auf und macht das, was man ihm gesagt hat – das ist dann pure Euphorie.“

Schon die Programmiersprache, die die Studenten verwenden sollen, ist eine Herausforderung. „Clips“ wurde von der NASA entwickelt, um Raumfahrtmissionen zu koordinieren, und ist nahezu unbekannt. Doch sie ist besonders gut geeignet, um intelligente Logiksysteme zu programmieren. „Die Studenten müssen sich in den Roboter hineinversetzen und Regeln aufstellen, was er wann unter welcher Bedingung tun soll“, erklärt Sebastian Schönitz.

Ohne ihr Zutun kann er bereits fahren, sich ausrichten, greifen und ablegen. Aber wie soll er reagieren, wenn die Theke durch den anderen Roboter besetzt ist? Und was soll er tun, wenn das Getränk an Position eins bereits vergriffen ist? Gewinnen kann nur, wer keine Regel vergisst.

Mittlerweile ist es 22 Uhr. Marius Gürtler hat eine erste Idee. „Lass uns versuchen, den Weg des gegnerischen Roboters anhand seiner verschiedenen Positionen vorherzusagen und darauf zu reagieren“, sagt er zu seiner Teamkollegin. Johanna Lauwigi nickt. Eine Strategie ist doch schon mal ein Anfang. Eifrig machen die beiden sich an die Umsetzung. Auch um sie herum werden erste Ideen getestet. Langsam wird es ruhiger im Raum. Jetzt herrscht volle Konzentration.

Bis zwei Uhr wird es noch dauern, bis das erste Team eine vollständige Lösung entwickelt hat. Nur drei weitere Teams sind am Ende ebenfalls davon überzeugt, den Roboter ans Arbeiten zu bekommen. Marius Gürtler und Johanna Lauwigi sind nicht dabei. Sie mussten irgendwann aufgeben, weil die Laptops nicht so wollten wie sie. Um fünf Uhr ist es dann so weit: Show-down.

Gespannt scharen sich alle um das Spielfeld. Wessen Roboter bringt am schnellsten die Getränke zu den Gästen? Jubeln dürfen Lars Göttgens, Paul Rennecke, Luca Frenk und Niklas Herff. In drei Minuten und 24 Sekunden erledigt der Roboter mit dem von ihnen geschriebenen Logikprogramm die Aufgabe, zwei Sekunden schneller als die Zweitplatzierten.

Und auch „Carologistics“ darf jubeln. „Etwa 12 bis dreizehn Leute haben gesagt, dass sie beim nächsten Teammeeting mal vorbeischauen wollen“, sagt Sebastian Schönitz. Doch darum kümmert er sich später. Es war eine lange Nacht. Zufrieden lächelnd machen sich alle auf den Heimweg.

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