Aachener Friedenspreis: Mutige Gäste und ein Ausflug ins Absurde

Von: Kathrin Albrecht
Letzte Aktualisierung:
10754747.jpg
Traditioneller Marsch durch die Altstadt: Die Vertreter des Friedenspreis-Vereins geleiteten die Preisträger aus Marokko und Zentralafrika nach der Kundgebung zum Antikriegstag am Elisenbrunnen Richtung Aula Carolina, wo die feierliche Auszeichnung alljährlich am 1. September erfolgt. Foto: Andreas Schmitter
10754742.jpg
Engagierte Geistliche im Austausch: Die renommierte evangelische Theologin Margot Käßmann, hier im Gespräch mit Imam Oumar Kobine Layama und Erzbischof Dieudonné Nzapalainga, hielt in die Laudatio.

Aachen. Selten kommentierte eine Preisverleihung das Weltgeschehen so aktuell: eine studentische Initiative, die Flüchtlingen in Marokko hilft, ein Erzbischof und ein Imam, die gemeinsam Friedens- und Versöhnungsarbeit in der vom Bürgerkrieg zerrissenen Zentralafrikanischen Republik leisten, wurden mit dem Aachener Friedenspreis 2015 ausgezeichnet.

Die Studenten Rakotonirina Mandimbihery Anjaralova, Lumbela Azarias Zacarias und Balorbey Théophilius Oklu nahmen den Preis für ihre Initiative an, die sich in der Region Oujda in der Flüchtlingsarbeit engagieren. Seit 2005 versorgen sie in Marokko gestrandete Flüchtlinge, bringen ihnen warme Kleidung, Wasser, eine Suppe, sorgen auch für ärztliche Versorgung. Mit ihrer Arbeit riskieren sie ihre Existenz: In Marokko ist es strafbar, Menschen zu helfen, die sich illegal im Land aufhalten.

Unter Bedrohung des eigenen Lebens arbeiten auch Erzbischof Dieudonné Nzapalainga und Imam Oumar Kobine Layama für die „Plattform der Religionen in Zentralafrika“. Die fünf Preisträger nahmen zuvor an einer Kundgebung am Elisenbrunnen teil und zogen dann mit einem von Sambarhythmen begleiteten Demozug in die vollbesetzte Aula Carolina ein. Wie brennend aktuell ihr Anliegen ist, zeigten auch die Grußworte von Bürgermeister Björn Jansen und Ralf Woelk, dem Vorsitzenden des Aachener Friedenspreises, sowie die Laudatio von Margot Käßmann, die immer wieder Bezug zur politischen Diskussion herstellten. Jansen dankte den Verantwortlichen des Friedenspreises zu Beginn ausdrücklich für ihre Arbeit – allen kritischen Tönen zum Trotz: „Der Friedenspreis ist ein wichtiges Zeichen, das die Stadt braucht.“ Er betonte, wie wichtig es sei, auch in Aachen an einer Willkommenskultur zu arbeiten, und dankte sowohl den Aachener Bürgern als auch den im Rat vertretenen Fraktionen für ihre bisherige Arbeit.

Dies nahm Woelk zum Anlass für ein ausdrückliches Lob der Stadt, deren Flüchtlingsarbeit beispielhaft sei. Dann lud er das Publikum zu einem Ausflug ins Absurde ein: Die afrikanischen Länder haben ihre Fischgründe bis an die europäischen Grenzen ausgeweitet, gleichzeitig überschwemmen sie den europäischen Markt mit stark subventionierten Lebensmitteln und entziehen damit den europäischen Erzeugern ihre Lebensgrundlage, die mit den billigen Preisen nicht mithalten könnten. Für den afrikanischen Kontinent, stellte er zum Schluss klar, sei dieser Ausflug genau umgekehrt bittere Realität. Woelk machte deutlich, dass Menschen die hungern, ebenso in ihrer Existenz bedroht seien wie Menschen, die vor Krieg flüchten. In diesem Zusammenhang sei die Ignoranz, mit der Flüchtlinge in der politischen Diskussion in „echte“ und „falsche“ Flüchtlinge unterteilt würden, unerträglich. Das Schicksal der meisten sei jedoch untrennbar mit Krieg verbunden. Kriege verhindern und den Menschen helfen, die unter ihm leiden, sei daher eine vordringliche Aufgabe: „Wir sind stolz und glücklich, dass wir in diesem Jahr Menschen und Organisationen auszeichnen, die genau das tun.“

Ein Zeichen von Weltbedeutung

Theologin Margot Käßmann sah in der Tatsache, dass ein Christ und ein Muslim gemeinsam ausgezeichnet würden, ein Zeichen von Weltbedeutung, denn gerne würde immer wieder betont, dass Christen und Muslime nicht zusammenarbeiten könnten. „Dass wir so hervorgehoben werden, erwärmt unser Herz“, sagte Lumbela Azarias Zacarias in seiner Dankesrede, fragte aber weiter: „Ist es nicht auch beunruhigend, dass Menschen ausgezeichnet werden, weil sie Gutes tun?“ Auch Erzbischof Nzapalainga und Imam Oumar Kobine Layama zeigten sich tief bewegt „von der ehrenvollen Auszeichnung“. Wie ihr Vorredner schlossen sie mit einer Mahnung: Es bleibe noch viel zu tun. Wichtig sei dabei vor allem die finanzielle Unterstützung. Der Friedenspreis ist mit 1000 Euro dotiert. Moderatorin Halice Kreß-Vannahme rief zum Abschluss zu Spenden auf.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert