Aachen - Aachener fragen sich: Wo schlummern Potenziale?

Aachener fragen sich: Wo schlummern Potenziale?

Von: Carolin Cremer-Cruff
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Aachener Know-how bei der Untersuchung, wie Baukultur und Tourismus einander beeinflussen: Tina Hörmann und Dr. Frank Pflüger vom Stadtplanungs- und Architekturbüros „HJPplaner“. Foto: MIchael Jaspers

Aachen. Wenn Dr. Frank Pflüger von Vorarlberg spricht, gerät er fast ein bisschen ins Schwärmen. Klar, das österreichische Bundesland ist ja auch ein Traumziel für passionierte Skifahrer. Darum geht es Pflüger aber gar nicht. Denn er ist Architekt und Stadtplaner.

Ihn fasziniert viel mehr die Baukultur, die in dieser Region gelebt wird. Denn traditionelle Gebäude bilden hier neben moderner Architektur nicht selten gelungene Ensembles inmitten der Landschaft. „Man hat in Vorarlberg schon vor Jahren erkannt, dass Baukultur auch im ländlich geprägten Raum ein wichtiger Bestandteil des Tourismus ist und dass sich beides wechselseitig beeinflusst“, so Pflüger.

Eine Ausnahmeerscheinung oder gibt es weitere solcher Beispiele? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Studie „Regionale Baukultur und Tourismus“, die Pflüger als ein Partner des Aachener Stadtplanungs- und Architekturbüros „HJPplaner“ über einen Zeitraum von einem Jahr leitete und die Anfang 2015 veröffentlicht wurde. Initiiert wurde die Studie vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, wobei das dreiköpfige Aachener Team von drei Mitarbeitern der Kölner Tourismusberatung „Compass GmbH“ unterstützt wurde. Ziel der Studie war es, ausgehend von guten Beispielen in Europa, deutschlandweit ländlich geprägte Regionen zu finden, die beispielhaft den Bereich Baukultur in ihr Tourismuskonzept integrieren.

Um diese aufzuspüren, hat das Aachener Team zunächst viele Webseiten von Gemeinden und Kommunen durchforstet sowie vor Ort und auf der Internationalen Tourismusmesse ITB in Berlin Expertengespräche und Interviews geführt. Mit Erfolg! Im Rahmen der Untersuchung konnten acht Regionen identifiziert werden wie die Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, das Weinland Franken oder das Altmühltal in Bayern. „Mutige und zukunftsorientierte Regionen, die es trotz zeitgenössischer Bauten schaffen, ihren Charakter zu bewahren, gibt es wirklich nicht so oft. Dabei steckt in dieser Kombination jede Menge Potenzial“, erklärt Tina Hörmann von den HJPplanern.

Know-how aus Aachen gefragt

Daher gehen die Untersuchungen nach der Studie, die eine erste Bestandsaufnahme darstellte, auch weiter. Denn die Ergebnisse haben unter dem Dach des Forschungsprogramms „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit das Forschungsfeld „Baukultur und Tourismus – Kooperation in der Region“ hervorgebracht. Die grundlegende Frage: Wo schlummern speziell in Deutschland solche Potenziale? Um dies herauszufinden, wurden Gemeinden aufgefordert, sich mit ihren Konzepten zu bewerben.

Über 70 Regionen haben die Chance genutzt und ihre Vorschläge eingereicht. Acht von ihnen, u. a. die Region Elbe-Weser, der Tourismusverband Mecklenburgische Seenplatte, der Sauerland Tourismus und die Stadt Weißwasser wurden letztlich ausgewählt. Diese Modellregionen starten nun damit, die Baukultur fest in ihrem Tourismuskonzept zu etablieren. Pflüger persönlich bedauert es ein bisschen, dass die nahe gelegene Eifel ganz knapp den Einzug verpasst hat. „Die Bewerbungen waren jedoch allesamt sehr hochwertig, die Entscheidung fiel oft nicht leicht“, so Pflüger.

Die Auftaktveranstaltung mit allen beteiligten Akteuren hat bereits im Sauerland stattgefunden. Nun heißt es: An die Arbeit! Rund zwei Jahre haben die acht Modellregionen Zeit, Tourismus und qualitätsvolles Bauen und Planen zum Wohle der regionalen Entwicklung stärker zu verflechten.

Immer an ihrer Seite ist dann das Forschungsteam „Arbeitsgemeinschaft Baukultour“, dem neben den Aachener HJPplanern auch wieder die Tourismusexperten der Compass GmbH angehören.

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