Aachener Firmenlauf: Zum Jubiläum eine Premiere

Von: Hans-Peter Leisten
Letzte Aktualisierung:
13074071.jpg
Will Aachen auf Trag bringen: Firmenlauforganisator Daniel Gier. Foto: Andreas Schmitter

Aachen. Zunächst war der Lauf ein Versuch – auch wenn sich das Modell in anderen Städten bereits bewährt hatte. In seiner fünften Auflage zählt der Aachener Firmenlauf, der mit 2500 Teilnehmern begonnen hatte, 7000 Laufbegeisterte. Eine sensationelle Zahl, die aber am 30. September auch die Verlegung vom Hangeweiher an den Campus Melaten notwendig macht.

Der Lauf ist von Anfang an mit dem Namen Daniel Gier verbunden. Der Geschäftsführer von MedAix engagiert sich ehrenamtlich beim Lauf, der ein Non-Profit-Unternehmen ist. Warum er sich so engagiert, wo der Reiz des Laufes liegt und welchen Benefizcharakter und welche Einbindung in die Sportstadt Aachen das Event hat, erzählt er im Interview.

Eine grundsätzliche Frage zum Beginn: Wieso muss der Lauf den schönen Standort Hangeweiher verlassen?

Gier: Die enormen Zuwachsraten machten ihn dort unmöglich. Mit 7000 Teilnehmern waren wir am Limit angelangt, und wir hätten Probleme mit den Ordnungsbehörden bekommen. Außerdem ist die Gefahr einfach zu groß, dass man sich bei so vielen Teilnehmern bei einer 2,4-Kilometer-Runde in die Hacken läuft.

Wie sind Sie auf die Idee des offensichtlichen Erfolgsmodells Firmenlauf gekommen?

Gier: Das Thema ist ja nicht neu und war bereits in anderen Städten erprobt. Früher gab es in Aachen den Vitallauf als Jedermann-Veranstaltung. Daran haben wir mit 100 Leuten von MedAix teilgenommen und sind offensichtlich aufgefallen. Nach dem Ende des Vital-Laufes fehlte uns etwas – und wir sind auf die Idee gekommen, dieses neue Laufevent in Aachen zu etablieren.

Und sind dabei überall auf offene Ohren gestoßen?

Gier: Bei den Vereinen gab es kurz Bedenken. Die konnte ich aber schnell zerstreuen. Denn es geht um Netzwerkarbeit. Der Lauf war von vornherein als Ergänzung zu den etablierten Vereinsläufen und nicht als Konkurrenz geplant. Wir sind an die Firmen ran, wir wollen – und das ist bis heute unser Grundansatz – Aachen bewegen.

Wie war der erste Zuspruch?

Gier: Enorm. Der erste Lauf hatte direkt 2500 Teilnehmer, dabei bereits viel mehr Interessenten, die wir nicht mehr zulassen konnten. Von vornherein wollten wir allgemein die Lauflandschaft in Aachen stärken – auch kaum Trainierte sollten ihren Lauf bekommen. Ich schätze mal, dass 70 bis 75 Prozent der Firmenläufer zunächst nicht beim ATG-Winterlauf starten könnten, so aber einen Einstieg in die Laufszene finden. Der nächsten Phase steht ja dann nichts im Wege. Auch die Läuferszene braucht Nachwuchs.

Worin sind denn der Reiz und der Erfolg des Firmenlaufes begründet?

Gier: Die Teilnehmer erleben einen tollen Tag mit den Kolleginnen und Kollegen und haben Spaß. Es hat sich gezeigt, dass die Kohäsionsprozesse in den Firmen so erheblich gefördert werden. Und das ist entscheidend: Die Firmen müssen den Lauf zum Thema machen. Ein Beispiel ist das Luisenhospital: Dessen Teilnehmer erhalten von der einheitlichen Laufkleidung über das Training bis zur Betreuung vor Ort das komplette Programm.

Ist der Lauf eine Sportveranstaltung oder ein Event?

Gier: Der Eventcharakter ist zweifelsohne sehr groß. Es nehmen 500 Firmen teil, vom Ein-Mann-Betrieb bis zur RWTH mit mehreren hundert Teilnehmern. Mehr geht nicht. Und viele können sich beim Lauf darstellen. Dafür stehen 90 Pavillons und 120 Zelte als Meeting-Points zur Verfügung.

Wie ist das organisatorisch zu schultern?

Gier: Wir sind drei Partner. Neben uns Intersport Drucks und die Barmer Gesundheitskasse. Insgesamt stellen wir einen Personalstab von 80 Leuten. Dieses Dreier-Team kennt sich, und das ist wichtig. Drucks war auch vom ersten Lauf weg bereit, das finanzielle Risiko – das ja niemand einschätzen konnte – mitzutragen.

Da sind wir beim kommerziellen Aspekt...

Gier: Gerade am Anfang hörten wir oft: ‚Die wollen ja nur Geld verdienen‘. Aber das war absolut nicht der Fall. Natürlich haben ein Gesundheitszentrum, ein Sporthaus und eine laufaffine Krankenkasse indirekt vielleicht irgendwann einen positiven Effekt. Aber ich betone nochmals: Uns geht es darum, Aachen bewegter und gesünder zu machen.

Der fünfte Lauf ist so etwas wie ein kleines Jubiläum. Und das findet auf dem Campus Melaten statt.

Gier: Wie eingangs erwähnt, war es am Hangeweiher einfach zu eng geworden. Im Gegensatz zu vielen anderen Ecken unserer Stadt war der Campus noch nicht mit einem Laufevent belegt. Und durch den Wald kann man 7000 Läufer aus verschiedenen Gründen auch nicht schicken. Wir haben dann viele Gespräche geführt. Natürlich gab es zu Beginn viel Gesprächsbedarf, was möglich ist und was nicht. Aber von der Campus GmbH kamen die entscheidenden positiven Signale.

Wo liegen denn die Vor- beziehungsweise Nachteile des neuen Standortes?

Gier: Zunächst haben die Läufer erst einmal ausreichend Platz. Das ist auch für sportlich Ambitionierte ein Anreiz, die Strecke ist so auch erheblich schneller. Der Hangeweiher war natürlich lauschig. Aber wenn man den höchsten Punkt der neuen Laufstrecke erreicht hat, wird man mit einem tollen Blick über das gesamte Gebiet Melaten belohnt. Der Campus hat durchaus auch seinen Charme und wird so als Stadtteil wesentlich bekannter.

Und die Nachteile?

Gier: Es gibt im Grunde keine Parkplatzkapazitäten. Man sollte daher mit dem Bus oder dem Fahrrad kommen oder sich absetzen lassen. Am besten ist es, den kostenlosen Shuttle-Service vom Bendplatz aus zu nutzen (siehe auch Zusatzinfos).

Ist der Campus Ihr Standort für die Zukunft?

Gier: Wir müssen am 30. September jede Menge Erfahrungen sammeln. Wir müssen dann in Gesprächen hinterher klären, ob der Campus auch eine Laufstätte bleibt. Schließlich wird dort auch noch kräftig gebaut. Begrüßen würden wir dies in jedem Fall.

Lässt sich der Arbeitsaufwand für Sie in Zahlen fassen?

Gier: Drei Monate meiner Arbeitszeit gehen für den Lauf drauf. Aber ich mache dies wirklich gerne. Wir sind gebürtige Aachener, sind hier in den Kindergarten und zur Schule gegangen. Und nach einer Zeit im Studium arbeiten wir auch jetzt wieder in Aachen. Wir wollen etwas für die Stadt tun – und der Erfolg macht uns auch ein Stückchen glücklich.

Resultiert daraus auch der Benefizcharakter des Laufes?

Gier: Kann man so sagen. In den bisherigen Jahren sind immerhin rund 70.000 Euro zusammengekommen. Deshalb haben wir auch die gemeinnützige ‚Firmenlauf Unternehmernsgesellschaft‘ gegründet, die die Barmer als Exklusivpartner hat. Wir wollen eingenommene Gelder weitergeben.

Das passiert genau wie?

Gier: Wir bedenken in jedem Jahr drei soziale Einrichtungen mit je 5000 Euro. 2016 sind dies Breakfast4Kids, Tabalingo aus Stolberg und das St. Josefshaus in Eschweiler. Eine unabhängige Jury sucht die jeweiligen Empfänger aus rund 30 Bewerbungen aus. Bewerben kann man sich im übrigen einfach auf unserer Website.

Sie bedenken auch Einrichtungen aus der übrigen Städteregion. Der Firmenlauf ist also keine exklusive Öcher Veranstaltung?

Gier: Nein. Es nehmen sogar Firmen aus Düren, Geilenkirchen, den Niederlanden und Belgien teil. 90 Prozent kommen schon aus dem Aachener Stadtgebiet, aber teilnehmen darf jede Firma.

Wie viel Idealismus steckt im Firmenlauf?

Gier: Ich denke schon eine ganze Menge. Wir wollen die Idee der sportlichen Bewegung noch breiter im Bewusstsein der Aachener und Aachenerinnen verwurzeln. Der Firmenlauf ist dazu ein Ansatz.

Hört sich so an, als hätten Sie noch andere im Blick.

Gier: Es gibt bereits einen anderen, bei dem viele Partner involviert sind. Ich spreche von ‚Sport im Park‘. Die Veranstaltung gab es in diesem Jahr erstmals – und ihr schreibe ich noch ein deutlich höheres Bewegungspotenzial zu als dem Lauf.

Für die Allgemeinheit?

Gier: Wir wollen über diese Aktion die Bevölkerung breit in Bewegung bringen – und das über sechs Wochen. Bei der Organisation sitzen viele Partner an einem Tisch, Konkurrenzdenken gibt es da nicht. Wir von MedAix arbeiten zum Beispiel sehr gut mit den Kollegen vom WOF oder auch freien Personaltrainern zusammen. Aber auch Vereine wie die ATG oder die Aachen Musketeers machen bereits mit. Die Veranstaltung ist auch ein Beispiel dafür, wie professionelle Anbieter im Sinne einer ‚bewegten‘ Stadt aus der kommerziellen Ecke kommen.

Das heißt, der ‚Sport im Park‘ findet seine Fortsetzung 2017?

Gier: Ich will in jedem Fall weitermachen. Man kann die Idee zum Beispiel in die Schulen weitertragen. Ich finde, dass Schulsport in den Aachener Parks eine faszinierende Idee ist. In gewisser Weise kann man so über den Sport Stadtentwicklung betreiben. Wir hoffen, das Angebot 2017 verdoppeln zu können. angepeilt sind 600 Stunden Sport über 6 Wochen in den schönsten Parkanlagen von Aachen und der Umgebung!

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert