Aachen - „Aachener Erklärung“: Sechs mächtige Minister im Minutentakt

„Aachener Erklärung“: Sechs mächtige Minister im Minutentakt

Von: Thomas Vogel
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Nach 20 Minuten sind alle Willkommen: Ein Minister nach dem anderen trifft am Montagmorgen vor dem Rathaus ein, um im Laufe des Tages die „Aachener Erklärung“ zur intensiveren grenzüberschreitenden Kriminalitätsbekämpfung zu unterzeichnen. Foto: Harald Krömer
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Umzug: der Blumenverkäufer (l.) musste seinen Platz vor der Rathaustreppe für ein paar Stunden für Bundesinnenminister Thomas de Maizière (r.), dessen NRW-Kollegen Ralf Jäger und die anderen Minister räumen. Foto: Harald Krömer
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Umzug: der Blumenverkäufer (l.) musste seinen Platz vor der Rathaustreppe für ein paar Stunden für Bundesinnenminister Thomas de Maizière (r.), dessen NRW-Kollegen Ralf Jäger und die anderen Minister räumen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Ministerdichte: hoch. Passanten: unbeeindruckt. Der Aachener fühlt sich von Bundesinnenminister Thomas de Maizière nicht weiter gestört. Er geht seiner Wege, selbst wenn der Minister – wie am Montagmittag – mit Ministerkollegen aus dem In- und Ausland und einer einigermaßen stattlichen Entourage aus Polizei und Sicherheitskräften mitten auf dem Markt steht und für ein Foto posiert.

Es macht eher den Eindruck, als sehe man das dort so regelmäßig wie den Wochenmarkt. Und als sei es ebenso spektakulär. Dabei ist durchaus bemerkenswert, dass hochrangige Politiker aus Deutschland, den Niederlanden und Belgien an diesem extra für jenen Anlass ausgesuchten Ort eine „Aachener Erklärung“ getaufte Vereinbarung unterzeichnen. Sie soll Basis für eine intensivere grenzüberschreitende Kriminalitätsbekämpfung bei Eigentumsdelikten, ganz besonders Wohnungseinbrüchen sein.

Also rollen um Punkt 9.06 Uhr zwei schwarze Audi A8, augenscheinlich schwer gepanzert, mit Polizeieskorte vor das Rathaus. De Maizière steigt aus, begleitet von einer ganzen Reihe schwarzer Anzüge mit mal mehr, mal weniger groß gewachsenen Herren darin. Schon ein paar Minuten zuvor war NRW-Innenminister Ralf Jäger angekommen. Die schwarzen Limousinen in diesem Fall der Marke BMW, ansonsten identisches Szenario. Die Anzüge schwärmen aus, die Gruppe bewegt sich Richtung Rathaustreppe. Jäger begrüßt seinen Amtskollegen auf Bundesebene.

Es folgt ein kurzes Grußwort der Stadt – „Herzlich Willkommen in Aachen“ – aus dem Munde von Annekathrin Grehling als Stellvertreterin des Oberbürgermeisters. Wo Marcel Philipp ist, möchte man nicht verraten. Nur so viel: er sei wegen dienstlicher Termine verhindert. Immerhin stellt die Stadt hier nur die Kulisse. Gastgeber sind die Innenministerien von Bund (BMI) und Land (MIK). Monate zuvor waren Mitarbeiter beider Ministerien bereits in Aachen, um die Örtlichkeiten in Augenschein zu nehmen.

Aachen bietet sich an: Die Stadt liegt im Dreiländereck und keiner der Minister hat eine zu weite Anreise. Thomas de Maizière kommt zwar aus Berlin, aber er hat sowieso in der Gegend zu tun. Am Nachmittag wird er vor dem „Untersuchungsausschuss Silvesternacht“ des Düsseldorfer Landtags befragt.

9.11 Uhr: Ein Polizeimotorrad nähert sich mit blinkenden Blaulichtern, dahinter ein BMW mit belgischem Kennzeichen. Es ist Johan Van Overtveldt, Minister der Finanzen im Königreich Belgien. Der Wagen ist, wie die Entourage, ein wenig bescheidener als bei den deutschen Kollegen. Allerdings setzen auch die Belgier auf schwarze Anzüge. Obligatorisch ist der berühmte Knopf im Ohr des Sicherheitspersonals. Was auffällt: In jedem Tross versteckt mindestens einer der schwarzen Anzüge seine Augen hinter einer Sonnenbrille. Purer Agentenzauber. Ob das im Protokoll so vorgesehen ist, bleibt unbekannt. Das Klischee ist immerhin perfekt bedient.

9.19 Uhr: Wieder zwei schwarze Audi A8 mit Blaulicht. Kennzeichen: OS für Osnabrück. Boris Pistorius ist da, Minister für Inneres und für Sport in Niedersachsen. Und es geht weiter Schlag auf Schlag. Fast zeitgleich wird Roger Lewentz, Minister des Innern und für Sport in Rheinland-Pfalz, vorgefahren.

9.21 Uhr: Ups. Das ist keine schwarze Limousine, sondern ein Nobis-Laster. Vermutlich Printen. Die Polizei winkt, unterhält sich kurz mit dem Fahrer. Gebackenes kommt hier nicht durch, der Laster muss abdrehen. Direkt auf dem Markt sind am Montag offenbar nur schwarze PKW mit dem richtigen Kennzeichen erlaubt. Die Erfahrung hat auch ein Blumenverkäufer mit seinem Stand gemacht. Seinen Stammplatz vor der Treppe musste er aufgeben. „Um 13 Uhr darf ich wieder zurück an meine alte Stelle“, sagt er. Wenn die schwarzen Limousinen den Takt beibehalten, kann das klappen. Nur einer fehlt noch. Und der biegt ums Eck um genau ...

9.27 Uhr: schwarzer Audi, niederländisches Kennzeichen aber ebenfalls eine ganze Fahrzeugklasse unter den Dickschiffen der Deutschen. Ard van der Steur, Minister für Sicherheit und Justiz in den Niederlanden, steigt aus. Die schwarzen Anzüge sorgen für verdutzte Blicke bei der Journalistenschar. Sie strömen aus einem angerosteten Mercedes Sprinter mit „Taxi“-Aufschrift. Hat der überhaupt eine grüne Plakette? Egal. Heute darf er ausnahmsweise.

Ein paar Minuten später posieren die Herren für Presse-Aufnahmen, dem Thema angemessen vor Polizeiwagen aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Die Sicherheitsvorkehrungen halten sich im Rathaus selbst zumindest augenscheinlich zurück. Durch eine Sicherheitsschleuse müssen allerdings all jene Mitarbeiter der Stadt und Journalisten, die ins Haus Löwenstein möchten. Dort ist das Pressezentrum eingerichtet. Es geht zu wie auf dem Flughafen – alle Gegenstände müssen vor dem Gang durch einen Metalldetektor abgelegt werden. Auch der Gürtel muss raus aus der Hose.

Eine Stunde Pause für die Presse. Die Herren haben sich zu einem Gespräch ins Rathaus zurückgezogen. Dann geht‘s weiter: Unterzeichnung und Pressekonferenz im Krönungssaal. Antiker Stuhl, antiker Schreibtisch, die Fahnen aller beteiligten Länder – alles vor dem Fresko von Alfred Rethel „Die Zerstörung der Irmensäule“. Eine Kulisse wie gemalt für Historisches.

Und dann kommen die Minister und setzen einer nach dem anderen ihre Unterschrift unter die „Aachener Erklärung“.

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