Aachener Engel: Anstatt in die Förderschule geht es zur FH

Von: Hans-Peter Leisten
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Ein Ausschnitt aus dem Wirken der Engel: Dazu gehören die Volleyballerinnen. Foto: Steindl
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Auch dazu gehört das MLK-Team. Foto: Aachener Engel
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Ein weiterer Ausschnitt der Engel: Die Unterstützung durch den Lehrstuhl für technische Thermodynamik. Foto: Aachener Engel
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Wichtig: Das Aushängeschild des Engel-Laufs. Foto: Aachener Engel
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Ebenso Engel: Nachhilfe in BWL, die Martin Lücker einem Schüler gibt. Foto: Aachener Engel

Aachen. Zu den sozialen Lautsprechern gehören die Aachener Engel gewiss nicht. Das liegt nicht daran, dass sie im Verborgenen arbeiten. Aber die leisen Töne erscheinen den Verantwortlichen in vielen Fällen angebracht. Zum Beispiel wenn es um Hilfe für Menschen geht, die von Krebs betroffen sind.

„Damit geht man nicht nach draußen“, erklärt Martin Lücker, Vereinsgründer und Vorsitzender, ganz klar. Zumal die betreuten Menschen oft auch sterben. Diskreter Umgang mit Schicksalen ist hier genauso gefragt wie bei Fällen, in denen durchaus ein gutes Ende zu erwarten ist. Wie zum Beispiel im Tutorenprojekt, in dem Jugendliche durch Nachhilfe für einen erfolgreichen Berufsweg fit gemacht werden. Jugendliche, die ansonsten statt auf der Karriereleiter auf der schiefen Bahn landen könnten. Das Aufgaben- und Arbeitsfeld der Aachener Engel ist immer breiter und offensichtlich auch notwendiger geworden.

Seit 2005 gibt es den gemeinnützigen Hilfsverein, den Martin Lücker nach einem eigenen schweren Gesundheitsschlag gründete – nicht ahnend was aus der kleinen Initiative werden sollte. Heute zählen die Aachener Engel rund 900 Mitglieder, hinzu kommen 200 weitere in der MLK (Martin Lücker Kampfsport Akademie). Der Kampf gegen Krebs war sozusagen die Keimzelle, aus der das breite Sozialengagement entstanden ist. Heute bilden die Komponenten Sport, Bildung und Gesundheit die tragenden Elemente des Engel-Konstruktes.

Dabei ist vor allem der Netzwerkcharakter des Angebotes ein Element des Erfolgsrezeptes. Und eines, mit dem der Verein keineswegs die Öffentlichkeit scheut. Es gibt die Kampfsport-Akademie, die längst unter dem Vorzeichen der Gewaltprävention firmiert. Ein eigenes Studio an der Kleinköln-straße bietet ideale Bedingungen für das Training im physischen und mentalen Bereich. Hier treffen sich junge Menschen aus zahlreichen Nationen, um gemeinsam Sport zu treiben, aber auch um Disziplin und ein ressentimentfreies Miteinander zu verwirklichen.

Von den Erfolgen erzählt Martin Lücker in der Tat sehr gerne: „Die jungen Leute kommen zu uns, um Sport zu treiben. Dabei kommen oft die schulischen Probleme zur Sprache – oft dann ein Fall für unser Tutorenprojekt.“ In den Räumen der Engel an der Borngasse 63 arbeiten zurzeit 56 Tutoren – vom Studenten bis zum Rentner – ehrenamtlich mit den jungen Menschen, um sie schulisch fit zu machen.

Lücker erzählt gerne von dem Jungen, der eine Förderschul-Prognose hatte, sich dann auf der Hauptschule stabilisierte und jetzt sein Fachabitur macht. Prognose: Fachhochschulstudium. Die Verantwortlichen sprechen von einem „offenen Internat“, das die Engel bieten.

20 im Intensivangebot

Die jungen Leute kommen von der Schule, essen gemeinsam, machen die Hausaufgaben – wenn nötig mit Unterstützung – und gehen dann zum Training. 20 Mädchen und Jungen nutzen dieses so genannte Intensivangebot, ungefähr 70 werden nur schulisch betreut. Einen Wunsch hat der Vorsitzende an dieser Stelle: Wenn sich ein Tutor für Berufsschüler, zum Beispiel mit Schwerpunkt Rechnungswesen, fände, könnte eine weitere Lücke geschlossen werden.

Die Sportgruppen sind Aushängeschilder des Hilfsvereins. Beispielsweise die Boxer, die in der MLK-Sportakademie als Sportverein inzwischen in der Oberliga boxen. „Wer bei Wettkämpfen mitmachen will, muss allerdings in der Schule besser als befriedigend stehen...“, schmunzelt Lücker. Die derzeit 20 Kämpfer erlebten Disziplin, gegenseitigen Respekt und Empathie. Auch die Volleyballerinnen sind in jüngerer Vergangenheit zweimal aufgestiegen.

Für den organisatorischen Gesamtablauf sorgen derzeit auch vier Umschüler, die im Büro eine von der IHK anerkannte Ausbildung im Bürowesen absolvieren.

Das Paket kann nicht nur über Mitgliederbeiträge finanziert werden. Und daher sind die Aachener Engel für jede Spende dankbar. Gerade am Mittwoch kam die Unterstützung des Lehrstuhls für technische Thermodynamik an der RWTH. Der spendet nicht nur jedes Jahr Geld, sondern macht auch Werbung für das Tutorenprojekt. Für 2017 versprechen die Vereinsverantwortlichen: „Auch im neuen Jahr werden die Aachener Engel dafür sorgen, dass jeder gespendete Euro seinen Zweck erfüllt!

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