Aachen - Aachener Einwohnerzahl schrumpft immer schneller

Aachener Einwohnerzahl schrumpft immer schneller

Von: Robert Esser
Letzte Aktualisierung:

Aachen. Rein rechnerisch stirbt Aachen in 52 Jahren aus, wenn der Bevölkerungsschwund sein Tempo hält.

Die neue Melderegisterauswertung für 2008 offenbart nämlich einen beschleunigten Negativtrend: Innerhalb eines Jahres ist die Bevölkerung um 4725 Personen auf nur noch 245.942 geschrumpft (2007: 250.667).

2006 zählte man im hiesigen Einwohnermeldeamt noch 252.512 Bürger. Die statistischen Zahlen hat die Stadt am Dienstag mitgeteilt.

Bundesweit sinken die Einwohnerzahlen seit 2003. Allerdings verzeichnete die Kaiserstadt zuletzt einen Rückgang um 1,88 Prozent - das ist mehr als neun Mal so viel wie im deutschlandweiten Durchschnitt (minus 0,2 Prozent).

Man ist somit meilenweit von der wohlwollenden Bevölkerungsprognose entfernt, die 2006 als „Wegweiser Demographischer Wandel 2020” von der Bertelsmann-Stiftung publiziert worden war. Diese hatte Aachen einen Anstieg der Einwohnerzahlen von 2003 bis 2020 um 10,4 Prozent (26.705 Personen) vorausgesagt.

Um das Ruder herumzureißen, steht im Westzipfel ein ganzes Maßnahmenpaket auf der Tagesordnung von Politik und Verwaltung: „Positiv an den Bevölkerungsdaten ist, dass wir als Hochschulstadt fast 50.000 Einwohner zwischen 20 und 29 Jahren aufweisen”, erklärt Axel Costard vom städtischen Presseamt.

„Jetzt geht es natürlich darum, die Absolventen der Hochschulen in der Region zu halten.” Auch wenn sie eigentlich nur wegen ihres Studienfachs von auswärts den Weg nach Aachen gefunden haben.

Deswegen sei die Realisierung der Campus-Projekte Melaten und Westbahnhof mit rund 10.000 neuen Arbeitsplätzen an den Schnittstellen von Wissenschaft und Wirtschaft in den kommenden Jahren so außerordentlich wichtig, bekräftigt Costard.

Parallel gelte es, die vielen speziell für Familien ins Leben gerufenen Angebote der Kommune noch weiter in den Vordergrund zu rücken. „Junge Akademiker sollen im Idealfall hier vor Ort attraktive Jobs annehmen und dann Familien gründen können.”

Ungeachtet der rückläufigen Einwohnerzahlen hat der Umbau des Ratssaals begonnen. Nach den Kommunalwahlen im Juni müssen dort 65 statt bislang 59 Ratsmitglieder Platz finden.

Vorgesehen sind für Städte oberhalb der 250.000-Marke bis zu 67 Mandate inklusive OB. „Die Erhöhung wurde notwendig, weil die Bevölkerungszahl in Aachen gestiegen ist und die Wahlbezirke neu aufgeteilt werden mussten”, heißt es in einer Mitteilung des städtischen Presseamts - obwohl das städtische Einwohnermeldeamt seit Jahren das Gegenteil verkündet.

Der Grund für die dubiose Lage: Bei der Festlegung der Zahl der Ratssitze richten sich Kommunen nach den Bevölkerungszahlen, die beim Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik (LDS) in Düsseldorf verzeichnet sind.

Und diese LDS-Rechenmodelle weichen nicht nur für Aachen seit der Volkszählung 1987 Jahr für Jahr von den Daten der örtlichen Melderegister ab. An dem tatsächlichen Einwohnerschwund in Aachen ändert das freilich nichts...
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