Aachener Dom: Aufwendige Reinigungsarbeiten gestartet

Von: Stefan Herrmann
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Mit Hochdruck und noch mehr Know-how: Die 540 Jahre alte Fassade der Hubertus- und Karlskapelle ist von Moosen und Flechten überzogen. Nun findet eine denkmalgerechte Reinigung des Weltkulturerbes statt. Eine Fachjury der Unesco hat den Aachener Dom hierfür ausgewählt. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Sie ist eine Schönheit, die meist im Schatten von Oktogon und Chorhalle steht. Und auch sprichwörtlich steht sie ständig im Schatten mit ihrem Standort an der nördlichen Dom-Seite zum Katschhof hin: die Hubertus- und Karlskapelle. Nun rückt sie, wenn auch verkleidet in Baugerüstplanen, in den kommenden beiden Monaten in den Mittelpunkt. Denn die 540 Jahre alte Kapelle erhält ein „Peeling“ der besonderen Art.

Auf flapsige Sprüche musste Helmut Maintz im Dezember 2014 nicht lange warten. „Jetzt lässt er den Dom auch noch kärchern“, bekam der Dombaumeister damals zu hören, als bekannt geworden war, dass das Aachener Münster von einer hochkarätigen Jury ausgewählt wurde, im Rahmen eines Unesco-Modellprojekts eine aufwendige Reinigung spendiert zu bekommen. Doch hat die Aktion wenig mit dem samstäglichen Abspritzen der heimischen Terrasse gemein. Und die übernimmt auch nicht Vati, bevor er sich der Bundesliga-Konferenz im Radio widmet, sondern ein Experten-Team der Firma Kärcher. Anfang Mai haben die Vorbereitungsarbeiten begonnen, seit wenigen Tagen läuft die Reinigungsaktion auf Hochtouren. Oder genauer gesagt: mit Hochdruck.

Denn auch drei Heißwasser-Hochdruckreiniger kommen zum Einsatz, um in einem ersten Schritt dem biologischen Bewuchs – Moose, Algen, Flechten und auch Taubenkot – zu Leibe zu rücken. In 18 Metern Höhe sprüht Nick Heydn die Fassade ab. Der Reinigungsexperte von Kärcher lässt keinen Stein und keine Fuge aus. Rund 90 Grad ist das Wasser heiß, das aus der „Pistole“ schießt. „Die Besonderheit in Aachen ist die Vielfalt der Steine“, erklärt unterdessen Frank Schad. Er ist in dem weltbekannten Unternehmen als Leiter für das Kultursponsoring unterwegs. Die Liste der Bauwerke, die die Reinigungsprofis bereits von witterungsbedingtem Schmutz befreit haben, liest sich wie das „Who is who“ der globalen Sehenswürdigkeiten. So hat Kärcher unter anderem bereits der Jesusstatue in Rio de Janeiro, dem Sockel der Freiheitsstatue in New York und dem Brandenburger Tor in Berlin zu neuem Glanz verholfen. In Aachen nun kostet die aufwendige Reinigungsaktion das Domkapitel keinen Cent. Denn das Weltkulturerbe Aachener Dom hatte beim Modellprojekt der Deutschen Unesco-Kommission am Ende die Nase vorn. Der Gewinn ist die sogenannte restauratorische Reinigung der Hubertus- und Karlskapelle – die ohne die Unterstützung mit einem sechsstelligen Betrag zu Buche geschlagen wäre. „Uns ist es sehr wichtig, solch ein Meisterwerk karolingischer Baukunst zu erhalten“, freut sich Domkapitular Rolf-Peter Cremer daher sichtlich über den Zuschlag der Fachjury.

Katja Römer, Pressesprecherin der Deutschen Unesco-Kommission, ist nicht nur der Erhalt eine Herzensangelegenheit. „Wir wollen das Welterbe lebendig halten“, betont sie. Der Aachener Dom, der als erstes deutsches Bauwerk auf die berühmte Unesco-Liste gesetzt wurde, sei dafür ein wunderbares Symbol. So wird das Reinigungsprojekt durch wissenschaftliche Untersuchungen unter der Federführung der Hochschule für Technik in Stuttgart begleitet. Zudem spielt der Bildungsaspekt eine wichtige Rolle. Schüler des Inda-Gymnasiums drehen derzeit einen Kurzfilm über „ihren“ Dom und setzen sich darüber hinaus intensiv mit dem historisch bedeutsamsten Gebäude der Region auseinander.

Erfolg bedeutet: Man sieht nichts

Dass dieses noch unzählige kommende Generationen in den Bann zieht, dafür sind Dombaumeister Helmut Maintz und sein Team täglich im Einsatz. 1986, Maintz war gerade frisch dabei, starteten die ersten Reinigungsarbeiten am Aachener Dom: Ungarnkapelle, Chorhalle, Oktogon und, und, und. Zuletzt packte man im Jahr 2013 die Nikolauskapelle an. „Nun sind wir fast einmal rum“, kommentiert Maintz launisch. Nun ja, bis auf die Hubertus- und Karlskapelle eben. Die aktuelle Reinigung hat er genau im Blick, schließlich verlangen der hauptsächlich verbaute Aachener Blaustein und der Herzogenrather Sandstein jeweils eine ganz eigene Behandlung. Falsche Erwartungen der Öcher möchte Maintz derweil im Keim ersticken. „Wer meint, in zwei Monaten eine strahlende Kapelle vor sich zu sehen, der liegt leider falsch.“ Denkmalpflege zeichne sich nämlich dadurch aus, dass man möglichst nichts an Veränderungen in der baulichen Struktur bemerke. „Okay, ein bisschen heller wird der Stein schon“, fügt Maintz an. So lässt der Dombaumeister die Kapellenfassade guten Gewissens kärchern. Und die flapsigen Sprüche? Die perlen an ihm ab. Schließlich soll die Schönheit im Schatten alle Aufmerksamkeit erhalten. Und bald wieder strahlen. Zumindest ein bisschen.

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