Aachener Bündnis für Flüchtlinge startet offiziell durch

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Das Aachener Bündnis für Flüchtlinge will die Neuankömmlinge bei der Integration und Alltagsbewältigung unterstützen. Symbolfoto: Armin Weigel/dpa

Aachen. „Kippt die Stimmung?“, fragte Bernd Büttgens, Sprecher der Stadt Aachen. „Nein, nicht hier in der Region“, beteuerten einmütig die Rathaus-Chefs der Städteregion und die Regierungspräsidentin aus Köln. Damit sich das nicht ändert, gibt es jetzt das Aachener Bündnis für Flüchtlinge, in dem verschiedene Initiativen und Runde Tische von Kommunen oder Bundespolizei gebündelt werden.

Die Schirmherrschaft haben Oberbürgermeister Marcel Philipp, Städteregionsrat Helmut Etschenberg und der Sprecher der Bürgermeisterkonferenz, der Simmerather Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns, übernommen. Der offizielle Startschuss fiel am Montagabend in der Nadelfabrik in Aachen, obwohl die AGs bereits ihre Arbeit aufgenommen haben.

So konnten die Leiter und Leiterinnen der Arbeitsgruppen schon von Ergebnissen berichten. Bernhard Verholen vom Caritasverband Aachen leitet die erste AG, die sich Netzwerkarbeit und Koordination von ehrenamtlichem Engagement und der Sachspenden auf die Fahnen geschrieben hat. Auf Anregung der AG erweiterte die Kathy-Beys-Stiftung ihre Plattform www.unserac.de um die Rubrik „Flüchtlingshilfe“. Dort finden gleichermaßen Flüchtlinge und Menschen, die sich für Neuankömmlinge engagieren wollen, Informationen und Anlaufstellen.

Auch eine Liste von 250 Dolmetschern ist dort hinterlegt. „Es sollten sich noch mehr Initiativen dort anmelden“, wünschte sich Verholen. „Wir dürfen die Motivation der Menschen nicht sauer werden lassen.“

Die zweite Arbeitsgemeinschaft bewegt sich im Feld Bildung und Sprache sowie im Übergang von Schule, Beruf und Studium und ist in den Kommunalen Integrationszentren der Stadt und der Städteregion angesiedelt.

„Wir pflegen den interdisziplinären Blick. Eine Ausbildung steht erst am Ende einer langen Kette. Erfolgreich kann der Bildungsweg der jungen Flüchtlinge nur sein, wenn auch die Unterbringung stimmt und die Aufenthaltsfragen geklärt sind“, erläuterte Andrea Genten vom Kommunalen Integrationsbüro der Städteregion. Am Tisch der AG sitzen alle, die irgendwie mit jungen Flüchtlingen und deren Bildung zu tun haben: Schulaufsicht, Schulen, Jugendamt, Ausländeramt, aber auch die Polizei, die Kammern und nichtstaatliche Fachberatungsstellen wie das Café Zuflucht.

Die dritte Arbeitsgemeinschaft ist aus einer Initiative der Bundespolizei entstanden, die oft den ersten Kontakt mit Flüchtlingen hat und sie teilweise aus lebensgefährlichen Situationen befreit. „Die rund 700 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge, die jetzt in Aachen sind, sind nicht nur durch unsere Dienststelle, sondern auch durch unsere Seelen gegangen“, meinte AG-Leiter Knut Paul von der Bundespolizei.

Gesundheit, psychosoziale Notfallversorgung, Traumaberatung und -betreuung sowie Sprachmittlung sind dementsprechend die Themen der AG. Um die schnelle Versorgung mit Traumabehandlungen zu gewährleisten, erstellt die AG eine Liste mit Praxen, Kliniken, Psychologen, Psychiatern und Therapeuten, die hier aktiv werden wollen. Auch die körperliche Gesundheit der Flüchtlinge wird hier thematisiert.

Alle AG-Sprecher mahnten an, die Flüchtlinge nicht zu lange im Ungewissen zu lassen. Das sei Gift für die Integration. Hier kam Regierungspräsidentin Gisela Walsken ins Spiel. „Die Registrierung muss schneller gehen“, meinte auch sie. Da ihre Behörde diese Aufgabe aber gerade erst für den Bezirk Köln übernommen habe, habe es Anlaufschwierigkeiten gegeben.

Die Kommunen zeichneten sich hingegen durch eine besondere Nähe zu ihren Bürgern aus und könnten so das Willkommenheißen der Flüchtlinge deutlich besser organisieren. „Wir brauchen alle Ebenen. Und ohne Ehrenamt wäre das alles nicht zu stemmen“, lobte Walsken damit auch die Initiative des Aachener Bündnisses für Flüchtlinge.

„Die Enden fügen sich zusammen“, meinte Büttgens. Doch Verholen bremste zu viel Euphorie: „Wir haben noch viel Arbeit vor uns. Wir müssen sehen, was städteregional organisiert werden kann und was lieber in den einzelnen Kommunen bleibt. Besonders Beschäftigung für diejenigen zu organisieren, deren Aufenthaltsstatus noch nicht geklärt ist, steht noch vor uns.“

Und Sevim Dogan vom Kommunalen Integrationszentrum der Stadt Aachen ergänzte: „Wir brauchen Integrationsstrukturen in die Gesellschaft hinein.“

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