Aachen wirft Plakate auf den Müll

Von: Robert Esser
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Ausgeklebt: Alle Verteilerkästen sollen gesäubert, Werbung soll nur noch auf 160 – kostenpflichtigen – Flächen erlaubt werden. Foto: Jaspers
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Star-Discjockey Antoine landet jetzt auf dem Müll, zumindest sein Konterfei.

Aachen. Star-Discjockey Antoine landet jetzt auf dem Müll, zumindest sein Konterfei. Kolonnen des Stadtbetriebs entsorgen in diesen Tagen im Stadtgebiet flächendeckend illegale Plakate, die aufwendig an Laternenpfähle montiert wurden.

 Zwischen den – legalen – Dreiecksständern mit der Werbung „Ja zur Campusbahn“ und den – ebenso genehmigten – 500 Plakaten „Aachen zieht die Notbremse“ tauchten nämlich immer mehr Poster mit dem Schweizer DJ auf, der am Wochenende im „REC – Royal Event Center“ auftreten soll.

Bis Ende Mai will die Stadt zudem sämtliche Verteilerkästen von allen Postern, Plakaten und Aufklebern befreien lassen. Dies hat Stadtsprecher Hans Poth gestern auf AZ-Anfrage bestätigt. Danach darf nur noch auf 160 Kästen – gegen Gebühr – mit Plakaten geworben werden.

Veranstalter der Party mit DJ Antoine in der erst 2012 eingeweihten Würselener Konzerthalle REC, die immerhin 2500 Besucher fasst, ist Christoph Bettag. Er beteuert: „Ich habe die Plakatierung in Aachen nicht in Auftrag gegeben, das ging vom REC aus.“ Dieses spielt den Ball zurück. „Dafür ist der Veranstalter verantwortlich“, heißt es auf AZ-Anfrage. Ein typischer Fall, deswegen fällt dem Ordnungsamt der Kampf gegen die Wildplakatierer seit Jahren so schwer.

Nur wenn der Verursacher überführt werden kann, drohen empfindliche Strafen: „Das beginnt mit den Entsorgungskosten für die Demontage und Vernichtung der Plakate inklusive Halteplatten und kann dann in ein Ordnungswidrigkeitenverfahren münden“, erläutert Poth. Weil der Nachweis in der Praxis fast nie gelingt, hat die Stadt vergangenes Jahr ihre Strategie geändert.

Denn: Je schneller die Hochglanzplakate samt Halterung abgerissen werden, desto unwirtschaftlicher wird‘s für den Konzertveranstalter. „Nachkleben lohnt sich kaum, schließlich kostet solch eine Werbekampagne dann erneut Geld – und landet womöglich wieder auf dem Müll, bevor sie jemand gesehen hat“, sagt Poth. Die Erfahrungen der vergangenen Monate zeigten, dass Aachener Veranstalter ähnlich denken. Der Wildwuchs an Laternen, Ampeln etc. ging spürbar zurück.

Nur bis Würselen scheint sich das – bislang – noch nicht herumgesprochen zu haben. Konzertveranstalter Bettag versteht die Aufregung nicht: „Wir müssen doch irgendwie die Leute zum Konzert kriegen“, sagt er. „Ohne Plakate in der Stadt geht das nicht. Wir brauchen diese Form der Werbung unbedingt, sonst kommt keiner. Dann trocknet die lokale Kulturlandschaft aus“, warnt Bettag.

Ein Publikum für Stars wie den von ihm verpflichteten DJ Antoine zu finden, sei ohnehin schwierig. Dabei habe der 2011 mit seinem Titel „Welcome to St. Tropez“ einen internationalen Hit gelandet und über drei Millionen Tonträger verkauft. Das Interesse an Tickets für sein Würselener Gastspiel blieb weit unter Bettags Erwartungen – trotz wilder Plakatierung.

Wenn die Stadt nun durchgreift und – wie angekündigt – in wenigen Tagen der exklusive Vermarktungsvertrag mit einer Werbefirma für hunderte Stromkästen unterschrieben ist, dürfte es für Wildplakatierer eng werden. 160 ausgesuchte Verteilerkästen am Straßenrand wird die Firma in einer ersten Pilotphase mit Wechselrahmen ausstatten und als Werbeflächen anbieten. Alle anderen Kästen will sie konsequent sauber halten. Illegale Konkurrenz landet im Müll – egal ob Star-DJ oder nicht.

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