Aachen wächst, doch der Wohnungsbau hält nicht mit

Von: Annika Kasties
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Die Nachfrage nach günstigem Wohnraum steigt: Im Rahmen des Bauprojekts „Guter Freund“ entstehen insgesamt 183 öffentlich geförderte Wohnungen. Die werden auch dringend benötigt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wer in Aachen eine neue Bleibe sucht, kann sich eigentlich getrost zurücklehnen und in Ruhe die Optionen sichten – zumindest dann, wenn er oder sie sich in der glücklichen Lage befindet, seine neuen vier Wände im oberen Preissegment abgreifen zu können.

Als „entspannt“ gilt dort der Wohnungsmarkt. Ganz anders sieht das hingegen am unteren Ende der Preisspanne aus. Denn Aachen wächst, doch der Wohnungsbau hält nicht mit. Genau 254.782 Menschen zählte die Statistik zum 31. Dezember 2016, wie Manfred Sicking, Dezernent für Wirtschaftsförderung, Soziales und Wohnen, am Dienstag bei der offiziellen Präsentation des Wohnungsmarktberichts 2016 mitteilte.

Das entspricht einem Zuwachs von rund 350 Haushalten. Hintergrund der steigenden Einwohnerzahl sind zum einen die florierenden Hochschulen, die immer mehr Studenten nach Aachen locken. Andererseits treibt auch die steigende Anzahl an Flüchtlingen die Statistik in die Höhe. Was den Statistiker freut, treibt der Stadt aber auch die Sorgenfalten auf die Stirn.

Denn in Kombination mit einer anhaltend hohen Anteil von Bürgern, die Transferleistungen erhalten, nämlich knapp zwölf Prozent, befeuert diese Bevölkerungsstruktur vor allem eins: den Konkurrenzkampf um günstigen Wohnraum. Denn die durchschnittliche Wohnungsmiete ist 2016 auf 7,81 Euro pro Quadratmeter (2015: 7,40 Euro) gestiegen.

Entsprechend ernüchternd sieht die Vermittlungsquote am öffentlich geförderten Wohnungsmarkt aus. Nur jedem dritten Antragsteller – 2016 waren es 3390 Haushalte – konnte der Fachbereich Wohnen, Soziales und Integration 2016 den Wunsch nach einer günstigen Wohnung erfüllen. Zum Vergleich: 2004 lag die Vermittlungsquote noch bei rund 80 Prozent.

„Von den 140.000 Wohnungen in Aachen sind 9944 öffentlich gefördert“, sagte Rolf Frankenberger, Leiter des neu gegründeten Fachbereichs Wohnen, Soziales und Integration, am Dienstag. „Das sind meiner Meinung nach viel zu wenig.“ Im Vorjahr waren es noch 10.006 Wohnungen.

Eine zeitnahe Entspannung der Situation ist indes nicht zu erwarten. Zwar sorgt die städtische Vorgabe, dass 30 Prozent der Wohnungen beim Neubau öffentlich gefördert sein sollen, dafür, dass nach jahrelangem Stillstand wieder mehr bezahlbarer Wohnbau entsteht. Als positives Beispiel nannte Frankenberger das Bauvorhaben „Guter Freund“ in der Nähe der Aachen-Arkaden, wo von 248 neu entstehenden Wohnungen sogar 70 Prozent öffentlich gefördert werden.

Doch zwischen 2017 und 2026 werden nach Berechnungen der Stadt rund 4400 Wohnungen wegen Ablauf der Nachwirkungsfrist nach Mittelrückzahlung oder durch planmäßige Tilgung der öffentlichen Mittel den Status einer öffentlich geförderten Wohnung verlieren. Und Bauland in Aachen – ob nun für öffentlich geförderte Wohnungen oder nicht – ist rar.

Die Lage ist so angespannt, dass Sicking eine „Willkommenskultur für Bagger und Neubau“ forderte. Ein Appell, den Bürgermeister Norbert Plum unterstützte. In den 20 Jahren, die er nun schon als Planungspolitiker tätig sei, habe er nur wenige Bauvorhaben erlebt, die von den unmittelbar betroffenen Anwohnern begrüßt worden seien. „Prinzipiell heißt es bei vielen Menschen: ‚Neuer Wohnraum – Ja. Aber bitte nicht vor meiner Haustür.‘“

Dabei könne Aachen ein lautes „Ja“ zum Wohnungsbau eindeutig gebrauchen. Nach einer Prognose von 2016 müssten bis 2020 rund 4000 neue Wohnungen gebaut werden, um dem Bedarf gerecht zu werden, so Frankenberger. Das sind 1000 pro Jahr. Mit 731 Wohneinheiten, die im vergangenen Jahr fertiggestellt wurden (2015: 560) und 835 Baugenehmigungen (2015: 1334) sei man davon zwar gar nicht so weit entfernt. Der nüchternen Einschätzung der NRW-Bank im jüngsten Wohnungsmarktbericht für Nordrhein-Westfalen musste Sicking dennoch zustimmen.

Die Experten hatten bereits im Frühjahr prognostiziert, dass Städte wie Aachen aufgrund der Baulandknappheit kaum in der Lage sein werden, den erwarteten Bedarf an Wohnraum auf ihrem Stadtgebiet zu decken. „Allein werden wir das nicht schaffen. Da sind auf interkommunale Kooperation angewiesen“, sagte Dezernent Manfred Sicking mit Blick auf die Gemeinden in der Städteregion Aachen.

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