Aachen vergisst die Armen nicht

Von: Andreas Gabbert
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Vorzeitige Bescherung im Ballsaal des Alten Kurhauses: Nicht nur dieser Teddy, sondern insgesamt rund 2000 „Weihnachtskisten” warteten gestern auf ihre Abholung. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Dicht gedrängt stehen die Menschen vor der Tür des Alten Kurhauses. Alte und junge, Einheimische und Zugezogene aus aller Welt stehen in der Kälte und warten. Leichte Nervosität macht sich unter ihnen breit. Ihre Gedanken lassen sich förmlich von den Gesichtern ablesen: „Hoffentlich bekomme ich auch eine Weihnachtskiste.”

In der Tür steht Renate Lindner. An ihr kommt man nicht ohne weiteres vorbei. Sie lenkt den Ansturm der Tafel-Kunden in die richtige Bahn. Energisch geht sie dabei zu Werke und wird - wenn nötig - auch schon mal etwas lauter. Als hart, aber herzlich könnte man sie bezeichnen. Sie weiß, wie sie mit ihren Kunden umzugehen hat, und die Kunden kennen sie. Schließlich organisiert sie auch den Einlass in dem Laden der Tafel.

Zuerst sind die Familien dran

Sorgen bei der „Weihnachtskisten”-Aktion der AZ, des WDR-Aachen und der Aachener Tafel leer auszugehen, muss sich niemand machen, zumindest diejenigen nicht, die eine gelbe, blaue oder violette Karte der Tafel vorweisen können. Auf jeden wartet im festlich geschmückten Ballsaal eine von rund 2000 prall mit Lebensmitteln gefüllten Weihnachtskisten.

„Zuerst sind die Familien dran, damit sie auch die größten Pakete erhalten”, erklärt die Leiterin der Aachener Tafel, Jutta Schlockermann. Sie kontrolliert die farbigen Karten und stanzt dann ein Loch hinein. „Damit keiner zweimal kommen kann.”

Beim Blick auf das Meer von Geschenken weiten sich plötzlich die Augen und ein Lächeln huscht über die Gesichter. In diesen Momenten erahnt man, woher die Helfer der Tafel ihre Motivation beziehen. Rund 30 von ihnen gehen den Menschen zur Hand, führen sie an einen der Gabentische, helfen bei der Auswahl und beim Tragen. „Was haben Sie denn gerne? Hier ist zum Beispiel Kaffee mit drin, oder hier eine Menge Obst”, sagt einer der Helfer zu einer älteren Dame mit grauen Haaren, die ein Wägelchen hinter sich her zieht. Die rückt ihre Brille auf der Nase zurecht und entscheidet sich spontan für eine liebevoll dekorierte Kiste.

Die Auswahl fällt nicht immer leicht - die Spender haben eben nicht gespart. An manchen Kisten hängt auch ein Zettel. „Wo Kinder sind”, steht auf einem geschrieben. „Für eine junge Mutter mit Säugling oder eine Hochschwangere”, steht auf einem anderen.

Arne Hückelheim ist einer der Helfer. Der Maschinenbaustudent ist noch nicht lange bei der Tafel tätig. Sein Bruder Jan hat ihn überzeugt, sich dort zu engagieren. „Mich interessiert das Leben außerhalb der heilen Uni-Welt. Es ist wichtig, auch die andere Seite zu sehen”, sagt der 25-Jährige, packt sich eine Kiste und hilft einem Rentnerehepaar, sie aus dem Ballsaal zu schaffen.

„Haste jett Leckeres jekriescht?”

Hinter dem Ballsaal geht es hoch her. Dort werden die Kisten umgepackt in Tüten, Rucksäcke oder Bollerwagen. Und auch der ein oder andere Tausch geht über die Bühne. Dabei entsteht so manches Gespräch. „Haste jett Leckeres gekriescht?”, fragt eine Seniorin eine Bekannte. Die Menschen erzählen von ihren Familien und wie sie das Weihnachtsfest erleben. Man wünscht sich gegenseitig Glück, bedankt sich herzlich bei den Helfern der Tafel und geht mit einem guten Gefühl nach Hause - dank der Aachener Tafel und ihren Helfern.
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