Aachen: Ulla Schmidt über die Landesliste in den Bundestag

Von: Stephan Mohne
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„Ulla, Ulla“-Rufe für die SPD-Kandidatin Ulla Schmidt: Sie hat deutlich hinzugewinnen können und wurde wie eine Siegerin gefeiert. Doch für den Bundestag muss die Liste ziehen. Foto: Harald Krömer

Aachen. Nur für Ulla Schmidt war es eine lange Nacht des Bangens. Es war bereits früher Morgen, als sie sich freuen konnte. Über die NRW-Landesliste zog die langjährige SPD-Abgeordnete doch noch in den Bundestag.

Direktkandidaten: Für Rudolf Henke war es mit 40,79 Prozent eine klare Angelegenheit, wenn auch – angesichts des CDU-Bundestrends – kein „Überflieger“-Sieg. Mit rund 54 Prozent hob ihn die CDU-Hochburg Steinebrück auf den Schild – bei den dortigen Briefwählern waren es sogar über 60 Prozent. Nichts zu gewinnen gab es für ihn am Adalbertsteinweg, aber auch im Frankenberger Viertel mit je rund 27 Prozent.

Deutlich aufgeholt hat Ulla Schmidt. Mit 35,25 Prozent lag sie diesmal nur rund fünf Punkte hinter Henke, 2009 war der Abstand doppelt so groß. In zehn Kommunalwahlbezirken ließ sie Henke hinter sich, 2009 waren es nur drei. Panneschopp, Rothe Erde, Hanbruch, Adalbertsteinweg – das waren gute Pflaster für Schmidt. Und das Frankenberger Viertel, in dem sie mit rund 40 Prozent (2009: 33 Prozent) alle Konkurrenten abhängte. In Steinebrück gab es logischerweise nichts zu holen – bei rund 27 Prozent.

Für die Grünen trat mit Andreas Mittelstädt ein Neuling an. Die 8,93 Prozent, die er holte, sind ausbaufähig, wenn man das Ergebnis von Jochen Luczak 2009 (13,4 Prozent) zum Maßstab nimmt. Doch zum einen waren die Grünen da generell stärker, zum anderen ist Luczak ein arrivierter Kommunalpolitiker. Augenscheinlich haben diesmal viele Grünen-Wähler ihre Erststimme Ulla Schmidt gegeben.

Ein bitterer Abend war es für FDP-Kandidatin Birgit Haveneth, die mit 2,18 Prozent ein enttäuschendes Ergebnis hinnehmen musste. Offensichtlich gingen auch hier viele Erststimmen an die Konkurrenz – in diesem Fall Rudolf Henke. Da sind die Wähler der ganz Kleinen treuer. So verbuchte Marc Salgert von den Piraten mit 3,42 Prozent annähernd das gleiche Ergebnis wie seine Partei (3,51). Das gilt auch für Uwe Bahmann (2,22) im Vergleich zu seiner „Alternative für Deutschland“ (3,12). Salgert und Bahmann lagen so noch vor der FDP-Kandidatin.

CDU: Für die CDU wird es wohl noch einiges zu besprechen geben. Zwar sind 36,62 Prozent bei den Zweitstimmen deutlich besser als die 31,89 im Jahr 2009. Aber das Ergebnis hinkt deutlich hinter dem im Bund zurück. Der Süden mit Brand, Walheim, Kornelimünster, das Südviertel und der (Nord-)Westen mit Vaalserquartier, Orsbach, Vetschau sind Hochburgen. Im Osten wartet der Wähler darauf, von der CDU überzeugt zu werden. Wenn die CDU wie bei der letzten Kommunalwahl annähernd alle Direktmandate holen will, gibt es noch einiges zu tun.

SPD: Die SPD wird das Ergebnis auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehen. 27,34 Prozent bei den Zweitstimmen sind deutlich mehr als 2009 (22,43). Und das Ergebnis liegt über dem der Kommunalwahl 2009 (26,44). An frühere Ergebnisse mit der 30 vor dem Komma reicht das aber nicht heran. Da wird man sich mit Blick auf den städtischen Urnengang im Mai 2014 noch ins Zeug legen müssen.

Grüne: 13 Prozent und damit fünf Prozentpunkte über dem Bundesschnitt – ist doch toll. Sollte man meinen, gilt aber nicht für die Aachener Grünen. 19, 19, 19, 21 – das sind Prozentzahlen vergangener Landtags-, Europa- und Kommunalwahlen. Bei der Bundestagswahl 2009 waren es immerhin über 16 Prozent. Hat also diesmal nur der Bundestrend die Aachener Grünen gedrückt? Oder hat sich auch die verkorkste Ex-Koalition mit der CDU ausgewirkt? Die Grünen werden sich diese Frage schnell stellen müssen mit Blick auf die Kommunalwahl. Um dann auch wieder mindestens in einem Bezirk die „Großen“ abzuhängen, wie es sogar bei der Bundestagswahl 2009 der Fall war – seinerzeit im Frankenberger Viertel mit über 26 Prozent. Diesmal landeten sie dort mit knapp 22 Prozent nur auf Rang drei.

FDP: Es kann nur besser werden. Mit Blick auf die Bundes-FDP mag das stimmen. Und sicher auch mit Blick auf die Bundestagswahl in Aachen 2009 – da landeten die hiesigen Gelben mit 15 Prozent einen großen Coup. Doch war auch das eher dem seinerzeitigen Bundestrend zu danken. Mit jetzt 6,32 Prozent stehen die Liberalen bei den Zweitstimmen im Vergleich zu anderen Wahlergebnissen nicht so schlecht da. Bei der letzten Kommunalwahl holten sie 7,5 Prozent, was für sechs Ratssitze reichte. Die Fraktion war damit schon deutlich größer als 2004, wo es bei 5,25 Prozent zu drei Sitzen reichte. So muss die FDP die kommenden Monate nutzen, das liberale Potenzial in Aachen auszuschöpfen. In Steinebrück holte man auch diesmal elf Prozent, am Ponttor und am Hangeweiher rund neun Prozent. In anderen Vierteln ist deutlich Luft nach oben.

Die Linke: Sie pendelt sich in Sachen Bundestagswahl ungefähr bei acht Prozent ein – 2009 knapp drüber, 2013 knapp drunter. Das auch in der Stadt zu schaffen, dürfte das Ziel sein. Bei acht Prozent würde wohl Jubel ausbrechen, denn bei der letzten Kommunalwahl landete man bei knapp über vier Prozent und freute sich dennoch über eine dreiköpfige Fraktion im Aachener Rat. Zuvor war es peu à peu aufwärts gegangen. Den Trend wird man fortsetzen wollen.

Piraten: Auch sie haben sich bei Bundestagswahlen eingependelt – bei rund dreieinhalb Prozent. Auch sie dürfen sich Hoffnungen in Sachen Kommunalwahl machen. Bei der letzten Ratswahl landeten sie bei 1,7 Prozent und haben damit einen Ratssitz inne. Gerade schnellen allerdings die Studierendenzahlen in die Höhe – und da könnte noch einiges Wählerpotenzial zu aktivieren sein.

FWG: Die Freien Wähler, im Rat mit einem Sitz vertreten, werden die Bundestagswahl bei 555 Stimmen (0,42 Prozent) schnell abhaken. Auf städtischer Ebene hätte das nicht für einen Sitz gereicht. Aber die Wählergemeinschaften kommen von der lokalen Ebene, das wird die FWG hoffen lassen. 2009 reichten 0,78 Prozent für einen Sitz, das waren 771 Stimmen.

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