Aachen - Aachen steigt ein ins Altkleider-Geschäft

Aachen steigt ein ins Altkleider-Geschäft

Von: Oliver Schmetz und Christiane Chmel
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Neue Wege für alte Kleider: Die Stadt will das lukrative Sammelgeschäft künftig in Eigenregie betreiben. Damit sollen der hässliche Container-Wildwuchs gestoppt und gemeinnützige Sammler vor gewerblicher Konkurrenz besser geschützt werden. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Das Sammeln von alten Kleidungsstücken ist ein einträgliches Geschäft. In der Regel werden pro Tonne Preise zwischen 300 und 400 Euro erzielt. Kein Wunder, dass sich auf diesem Markt viele tummeln wollen: Laut Verwaltung gibt es in Aachen aktuell 101 genehmigte Altkleidercontainer-Standorte für karitative Organisationen wie beispielsweise das Deutsche Rote Kreuz oder die Malteser – und zwischen 90 und 120 illegal aufgestellte Container von gewerblichen Sammlern.

Diesen oftmals hässlichen Wildwuchs auf Aachens Straßen und Plätzen will man jetzt stoppen und gleichzeitig die gemeinnützigen Sammler schützen, indem die Stadt selbst einsteigt ins lukrative Altkleider-Geschäft: Einstimmig hat der zuständige Betriebsausschuss den Aachener Stadtbetrieb jetzt damit beauftragt, ein Konzept dafür zu erarbeiten, wie die Stadt die Altkleidersammlung künftig in Eigenregie – also mit eigenen Containern und eigenem Personal – betreiben kann. Im März kommenden Jahres soll das Konzept der Politik vorgestellt werden, im Oktober könnte das System dann anlaufen – und alle illegalen Container im öffentlichen Straßenraum würden dann entfernt werden.

Stadt belegt 100 Standorte

Ausdrücklich schützen will man damit die karitativen Organisationen. Denn der Stadtbetrieb soll nur 100 Container auf städtischen Grundstücken aufstellen, obwohl in einer Stadt wie Aachen rund 250 Standorte rentierlich sind. „Das reicht uns zur Refinanzierung“, sagt der Betriebsausschussvorsitzender Michael Servos (SPD). Die übrigen Kapazitäten will man den gemeinnützigen Sammlern überlassen. Diese sollen von der Stadt bei der Suche nach Containerstandorten auf Privatgrundstücken – etwa an Tankstellen oder auf Supermarktparkplätzen – unterstützt werden. Außerdem will man auf den eigenen Containern darauf hinweisen, dass besonders gut erhaltene Kleidung bei den karitativen Organisationen abgegeben werden kann. Zwar landen auch dort nur etwa zwei Prozent der Altkleider in Kleiderkammern, doch werden aus dem Altkleiderverkauf viele andere gemeinnützige Angebote finanziert.

Bislang wurden die gemeinnützigen Sammler von der Stadt bei der Standortzuweisung bevorzugt behandelt. Doch weil das nach dem neuen Kreislaufwirtschaftsgesetz nicht mehr möglich ist, schlägt man nun diesen neuen Weg ein – zumal laut Servos Anträge von gewerblichen Sammlern vorliegen und Klagen drohen. Dass diese nun wiederum den Karitativen auf Privatgrundstücken Konkurrenz machen, glaubt man in Aachen nicht. Den überregional agierenden Unternehmen dürfte der Abschluss vieler kleiner Privatverträge „zu mühsam“ sein, meint Servos – und fügt an, dass auch die hiesigen gemeinnützigen Sammler das neue Konzept für praktikabel halten. Außerdem hätten andere Städte – beispielsweise Köln – mit ähnlichen Konzepten bereits gute Erfahrungen gemacht. Dass sich das Ganze rechnet, davon ist man beim Stadtbetrieb überzeugt. „Vielleicht bleibt sogar ein kleiner Gewinn übrig“, sagt Servos. Und möglicherweise führe der städtische Einstieg ins lukrative Altkleider-Geschäft sogar zu Neueinstellungen.

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