„Aachen, Städteregion“: Was Rankings aussagen

Von: Albrecht Peltzer
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Aachen. Bekanntlich soll man keiner Statistik trauen, die man nicht selbst gefälscht hat. Und so wird auch dieses Zahlenwerk bei der Stadt Aachen wohl eher mit Skepsis registriert – nicht nur, weil die Stadt Aachen nicht sonderlich gut wegkommt. „Die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“ (ISNM) hat 50 Städte unter die Lupe genommen und ökonomische und strukturelle Indikatoren wie Einkommen, Wirtschaftsleistung und Bildung untersucht. Ergebnis: Platz 27 für Aachen – oder eigentlich doch nicht Aachen.

Denn wie schon bei zahlreichen Rankings, wurden auch bei dieser Untersuchung Daten der gesamten Städteregion zu Rate gezogen. Weil seit Gründung der Städteregion Aachen im Jahr 2009 keine für den ehemaligen Kreis Aachen und die kreisfreie Stadt Aachen getrennten Zahlen von den statistischen Landesämtern herausgegeben werden. In der Tabelle des aktuellen Rankings steht dann auch unter Platz 27 nicht Aachen, sondern „Aachen, Städteregion“.

Das hätte eigentlich schon längst repariert sein sollen. Als imageschädigend wird seit langem im Oberzentrum Aachen gewertet, wenn gute Aachener Daten durch schlechtere Werte aus ehemaligen Kreiskommunen verwässert werden. Es gab sogar schon ein in Aachen entworfenes Schreiben von Stadt und Städteregion an das Innenministerium, diesen Zustand rückgängig zu machen. Doch nach AZ-Informationen wurde der Brief nicht von Städteregionsrat Helmut Etschenberg unterschrieben und somit auch nicht abgeschickt. Konsequenz: Der Datensalat bleibt bestehen.

Politik und Verwaltung werden also die ISNM-Studie mit größter Zurückhaltung studieren. weniger Bedeutung beimessen. Selbst wenn es Ausreißer nach oben gibt. Ja sogar einen ersten Platz! Der Anteil an Ingenieuren pro 100 Beschäftigten stieg in „Aachen, Städteregion“ im Zeitraum von 2006 bis 2011 um 0,6 Prozentpunkte. Im Durchschnitt der anderen Städte stagniert er. Spitzenreiter! Und auch was den Anteil der aufgeklärten Straftaten anbelangt, schneidet „Aachen, Städteregion“ ganz gut ab. Die Steigerungsquote von 2,5 Prozentpunkten sichert immerhin Platz zwölf. Nicht unattraktiv erscheint „Aachen, Städteregion“ für Unternehmen zu sein. In Sachen Gewerbesteuer übt sich die Stadt eher in Bescheidenheit und kommt in der Unternehmergunst so auf Platz elf.

So richtig in den Keller zieht es „Aachen, Städteregion“ dann aber unter anderem in diesen Bereichen: Nur 41,4 Prozent aller Frauen zwischen 15 und 64 Jahren haben laut „ISNM“ einen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplatz. Das beschert im Ranking Platz 43 von 50 Städten. Bei der Zahl der gemeldeten Straftaten findet sich „Aachen, Städteregion“ sogar nur auf Platz 48 wieder. Der Grund: Laut Statistik ist die Kriminalitätsrate von 2006 bis 2011 bezogen auf 100.000 Einwohner um 21,1 Prozent gestiegen.

Und wer es noch nicht wusste: Aachen ist eine „alte“ Stadt – trotz der rund 50.000 Studierenden. Aachen ist alt, weil die Stadt in ihrer Erscheinungsform als „Aachen, Städteregion“ einen deutlich verschlechterten Altersquotienten haben soll. Der Quotient gibt in der Studie das Verhältnis zwischen der Altersgruppe der 20- bis 59-Jährigen und denjenigen, die 60 Jahre und älter sind. Platz 45 für die Stadt Aachen als „Aachen, Städteregion“. So kann man sich täuschen ...

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