Aachen - Aachen soll sich als Wissenschaftsstadt bundesweit durchsetzen

Aachen soll sich als Wissenschaftsstadt bundesweit durchsetzen

Von: Stefan Herrmann
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Mehr als Printen und Karl, der Große: Schwarz-Rot möchte Aachen als Wissenschaftsstadt sowohl bei ihren Bürgern als auch bei auswärtigen Gästen viel stärker im Bewusstsein verankern. Dafür sollen neben klassischen Hochschulthemen auch Mobilität, Kultur und viele weitere politische und planerische Bereiche in den kommenden Jahren unter dem Aspekt Wissenschaftsstadt behandelt werden. Foto: Michael Jaspers, Andreas Schmitter

Aachen. Die harten Fakten sprechen eine klare Sprache. Eigentlich. Aktuell über 41 000 Studierende an der RWTH. Rekord. Über 12 500 an der FH. Ebenfalls Rekord. Neben den insgesamt über 50 000 Studenten arbeiten zudem 9200 Menschen an den vier Aachener Hochschulen (RWTH, FH, Katholische Hochschule und Hochschule für Musik und Tanz).

In der so genannten Wissenswirtschaft sind laut Wirtschaftsförderung der Stadt sogar rund 48 000 Menschen beschäftigt. Die Reihe beeindruckender Zahlen ließe sich beliebig fortsetzen: Rund 330 Millionen Euro Drittmittel akquirieren die Hochschulen. Und die Unilandschaft wächst im wahren Wortsinn rasant – Stichwort Campus Melaten und der geplante Campus West. Aachen ist eine Wissenschaftsstadt. Und doch bekommt das nicht jeder mit. Zumindest zu wenige, finden CDU und SPD. Daher hat die Koalition nun ein massives Maßnahmenpaket geschnürt. Das Ziel: Aachen soll nach innen und vor allem auch nach außen für mehr als „nur“ Printen, CHIO, Karl und Dom stehen.

Klotzen statt kleckern: Deswegen startet Schwarz-Rot eine regelrechte „Ratsantrags-Initiative“, wie es CDU-Chefin Ulla Thönnissen formuliert. Stolze sieben Anträge zum Thema „Wissenschaftsstadt Aachen“ sollen in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause am 24. Juni verabschiedet werden. Sie behandeln so ziemlich alles, was kommunale Politik ausmacht: Planung, Mobilität und ÖPNV, Wohnen, Kultur, Stadtmarketing und somit letztlich auch Finanzen. Die Einzelanträge sollen dann ab Herbst in die Fachausschüsse gehen. Das Projekt soll nach langer Beratung nun zügig auf die Schiene gesetzt werden – und dann vor allem einen langen Atem beweisen.

Karlsjahr als Vorbild

„Das Karlsjahr hat uns gezeigt, wie erfolgreich eine Kampagne sein kann, wenn man sie professionell angeht“, verweist Thönnissen auf das bundesweit beachtete Aachener Jubiläumsjahr 2014. Mit derselben Professionalität soll nun das etabliert werden, was Marketingstrategen „city branding“ nennen. Sprich: Neben den klassischen Punkten, für die Aachen seit jeher bekannt ist, soll die Marke Wissenschaftsstadt etabliert werden. Dass es dabei um mehr geht als ein paar Werbeslogans, stellt CDU-Fraktionschef Harald Baal klar: „Das ist eine der großen Aufgaben, der wir uns in dieser Ratsperiode stellen.“ Das Projekt Wissenschaftsstadt stufen die Politiker als Thema mit höchster Priorität ein. „Und wir werden dafür auch entsprechend Finanzen zur Verfügung stellen“, so Baal.

Die Bereitschaft bei den Hochschulen, im Schulterschluss mit der Stadt die selbstbewusste Positionierung voranzutreiben, sei da und in Vorgesprächen ausgelotet worden, sagt der SPD-Chef Karl Schultheis. „Von dieser Zusage versprechen wir uns einiges“, fügt SPD-Fraktionschef Michael Servos an.

Nicht zuletzt das Nein zur Campusbahn von der Mehrheit der Bürger im Frühjahr 2013 hat gezeigt, dass die Identifikation der Menschen in Aachen mit Begriffen wie Exzellenz, Campus und Elite vorsichtig formuliert ausbaufähig ist. Bereits im Mai vergangenen Jahres wurde daher unter anderem eine so genannte Wissenschaftsallianz zwischen Stadt und den Hochschulen angepriesen. Allein: Bisher fehlen die verbindlichen Strukturen und Gremien hiefür. Auch dies soll mit dem schwarz-roten Vorstoß nun endgültig festgezurrt werden.

Die Konkurrenz ist groß

Längst ist klar: Aachen konkurriert mit vielen anderen Städten um Fachkräfte, Gewerbeansiedlungen, Touristen, Fördergelder. Für Thönnissen sind die vorhandenen Standortvorteile durch die Hochschulen so etwas wie der „Rohstoff der Zukunft“ für die gesamte Region. Diese Karte, so erhoffen es sich die Politiker, soll in den kommenden Jahren unter dem Label „Wissenschaftsstadt“ viel besser ausgespielt werden. Dazu gehört auch, dass es in Sachen Campus West zügig vorangeht. Bis spätestens 2018 möchte Schwarz-Rot einen rechtssicheren Bebauungsplan für das circa 3,2 Hektar große Areal entlang der Bahnlinie verabschiedet. „Dort entsteht dann ein völlig neues Stadtviertel“, verweist Baal auf den Mix aus Wohnen, Forschen und Arbeiten, der dort in Zukunft weitere Menschen in die Wissenschaftsstadt Aachen locken soll.

Die Verwaltung kann sich nach der Ratssitzung Ende Juni jedenfalls auf eine lange Hausaufgabenliste für die Sommerferien freuen. Denn auch der ÖPNV soll unter den besonderen Herausforderungen, die die wachsenden Universitäten verursachen, auf etwaige Veränderungen abgeklopft werden. Ebenso ist eine enge Verzahnung der Hochschulen mit allen kulturellen Einrichtungen ausdrücklicher politischer Wille. Wohnraum, Kinderbetreuung. . . die Liste ließe sich locker fortführen. Alles für eine neue Marke: die Wissenschaftsstadt.

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