Aachen - Aachen rüstet sich für die nächste große WM-Party

Aachen rüstet sich für die nächste große WM-Party

Von: Stefan Herrmann
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Steht heute Nacht der nächste Autokorso an? Was sicher ist: Erneut werden Tausende zu den Public-Viewing-Stätten in der City pilgern. Foto: Roeger (1), Herrmann (2)

Aachen. Die gute Nachricht für alle Ruhe-Liebhaber: Die Tröten bleiben diesmal im Schrank. Einen Vuvuzela-Nachfolger haben die WM-Fans bisher nicht im Gepäck, wenn sie sich zu den zahlreichen Public-Viewing-Partys in der City aufmachen.

Der Krachmacher galt 2010 während des Turniers in Südafrika noch als Pflicht-Utensilie, um das DFB-Team zu unterstützen – auch in Aachen. Dieses Jahr geht es insgesamt geräuschärmer zu, wie Wirte und Ordnungsamt unisono feststellen.

Eine ruhige Nacht ist heute aber trotzdem nicht zu erwarten. Um 22 Uhr kommt es bei der WM am Zuckerhut zum Halbfinalkracher Brasilien gegen Deutschland. Und das bedeutet: Tausende Fans werden wieder zu den Public Viewings in die Stadt strömen, um ihr Team auf dem (erhofften) Weg zum Titel anzufeuern.

Voll wird es sicherlich in der Party-Hochburg Pontstraße. Dennis Polychroniou (Café Madrid) ist schon vor dem vorletzten Spiel der Deutschen bei dieser WM rundum zufrieden mit dem bisherigen Besucherandrang. 5000 bis 7000 Leute, schätzt er, haben jedes Mal die Deutschlandspiele in den Bars und Kneipen vor Ort verfolgt. „Die Menschen feiern friedlich zusammen. Es macht richtig Spaß“, stellt Polychroniou keine feststellbare Abwanderungsbewegung des Public-Viewing-Publikums in den nahen Tivoli fest. Dort werden in diesem Jahr erstmalig die Spiele der Nationalmannschaft im Stadion übertragen. Beim größten Public Viewing in der Region strömten am vergangenen Freitag 6100 Zuschauer an die Krefelder Straße – macht nach den fünf bisherigen DFB-Partien insgesamt gut 27.000 Fans, die die Stehplatztribüne einem Sitzplatz in der Kneipe vorziehen. Heute öffnet der Tivoli seine Tore um 20 Uhr.

Für Dennis Polychroniou und seine Wirte-Kollegen in der Pont-straße stellt die neue Konkurrenz kein Problem dar: Gemeinsam mit den Kollegen der Tangente und des Sowiso/Ocean hat der Café-Madrid-Chef das „WM-Quartier“ ausgerufen und auf Flyern und Plakaten beworben. Auf rund 30 Großbildschirmen und mehreren Leinwänden kann das schwarz-rot-goldene Feiervolk dort die Spiele verfolgen. Einen Wettbewerbsvorteil pro Pontstraße hat Polychroniou ebenfalls ausgemacht: Anders als im Stadion bekomme der Fan das Bier bis auf den Deckel serviert. „So verpasst er keine Sekunde des Spiels.“

Jubeln auf der Bierkasten-Tribüne

So kommt in Aachen beinahe jeder auf seine Kosten: Ob im Kino oder in der kleinen Eckkneipe, ob Open-Air wie zum Beispiel beim großen Public Viewing des Bésitos im Cinekarree oder exotisch wie auf der eigens erbauten Bierkasten-Tribüne im Last Exit an der Krakaustraße – der Fan hat die Qual der Wahl.

Siegen Jogis Jungs, dann rollt der Rubel bei den Gastronomen. Auf 30 bis 40 Prozent beziffert „Last Exit“-Chef Marcus Loos das Umsatzplus während der WM. Allerdings: „Bei den vergangenen Turnieren war noch mehr los, die Stimmung insgesamt euphorischer“, so Loos. Rund 200 Zuschauer verfolgten bisher die Deutschlandspiele draußen vor dem Last Exit, 80 (davon 40 auf der in Aachen einzigartigen Bierkasten-Tribüne) fieberten jeweils in der Bar mit. „Aus Sicht eines Wirts darf es daher heute nur einen Sieger geben – Deutschland“, sagt Loos mit einem Augenzwinkern.

Was unterdessen Ordnungsamtchef Detlev Fröhlke am meisten freut, ist, dass das Miteinander von mitfieberndem Fußballvolk und den Bürgern, denen der Ballsport in Brasilien den Buckel runterrutschen kann, bisher gut klappe. „Toleranz und Rücksichtsnahme halten sich absolut die Waage“, zieht Fröhlke eine erste positive Bilanz. In der Vorrunde habe es lediglich einmal im Umfeld einer Gaststätte in der City Beschwerden wegen Lärmbelästigung gegeben. Ansonsten herrsche im Großen und Ganzen Harmonie in Sachen Public Viewing. Und das trotz der zum Teil späten Anstoßzeiten. Das Ordnungsamt erlaubt allen Aachener Gastwirten für die WM-Zeit, dass sie alle Spiele – egal zu welcher Uhrzeit – draußen zeigen dürfen. Und zwar auch dann, wenn normalerweise der Außenausschank um 22 Uhr eingestellt werden muss. 20 Minuten nach Abpfiff muss dann aber der Ton abgedreht sein. Die Stadt fährt dieses Konzept gemeinsam mit den Gastronomen seit der EM 2008. „Es hat sich bewährt“, findet Fröhlke.

Am Spielort Belo Horizonte muss sich das Team um Kapitän Lahm darauf einstellen, dass Zehntausende Brasilianer ihre Seleção zum Sieg peitschen wollen. In Aachen sieht das Kräfteverhältnis derweil ein wenig anders aus: Gerade einmal 340 Brasilianer sind laut Stadt in der Kaiserstadt gemeldet. Ob nun sie am Ende den Sieger-Samba tanzen dürfen oder schwarz-rot-goldene Autokorso dominieren, Aachen kann sich in jedem Fall auf eine heiße Fußballnacht einstellen.

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