Aachen - „Aachen Ost” erobert die Nation

„Aachen Ost” erobert die Nation

Von: Christoph Classen
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„Romeo und Julia” als Paradebeispiel für Kreative: ZDF-Mitarbeiter Wolfgang Buschfort interviewte Darstellerin Pinar Camkiran und Regisseur Martin Goltsch vom „Theater ausbruch”. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. Hinter den Kulissen kommt der Zucker direkt aus der Tüte. Umgerührt wird mit viel zu großen Plastiklöffeln, die Kaffeebecher gleichen einem Ensemble aus Individualisten. Vieles wirkt improvisiert in der ehemaligen Rheinnadelfabrik am Reichsweg. Und trotzdem wird Wolfgang Buschfort einem später zuflüstern, dass er noch nie einen Dreh hatte, der so gut vorbereitet war.

Die Industriebrache ist die Spielstätte des „Theater ausbruch”, Buschfort ist freier Mitarbeiter des ZDF. Er möchte einen Beitrag drehen über das Projekt Aachen-Ost. So nennt sich die Kooperation zwischen „Theater ausbruch” und Stadttheater, die derzeit sehr erfolgreich „Romeo und Julia” in einer aktualisierten Fassung präsentieren.

„Ein bisschen rumlaufen”

Das ZDF möchte den Beitrag zum Auftakt einer Aktionswoche zum Thema Integration ausstrahlen. Fünf Minuten wird er lang sein, das sei vergleichsweise viel, sagt Buschfort. Der Dreh nimmt fast den ganzen Tag in Anspruch. Gerade ist das TV-Team im Kennedypark unterwegs, wo einige Ensemblemitglieder interviewt werden. Er möchte keinen statischen Beitrag, die Leute sollten ein bisschen rumlaufen, begründet Buschfort.

Hinter den Kulissen der Spielstätte treffen derweil weitere Schauspieler ein. Sie trinken Kaffee, flachsen. Alexander Milz, der den Romeo gibt, hat sich einen Döner mitgebracht. Er spricht über Bewerbungen an Schauspielschulen. „Da muss ich mir aber noch einige Monologe reinhauen”, sagt Milz und beißt in seinen Döner. Irgendjemand fragt nach Nervosität. Die jungen Schauspieler nicken stumm, mit Kameras haben sie wenig Erfahrung.

Buschfort ist mit Kameramann und Tontechniker mittlerweile auch wieder eingetroffen. Das Trio vom Zweiten schlägt zu, es gibt Kartoffelsalat und Brötchen. Buschfort sitzt gegenüber der Pinnwand, auf der die Schauspieler die Zeitungsberichte über ihre Inszenierungen gesammelt haben. Die Kritiken waren glänzend, sogar das ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin hat vom Projekt Wind bekommen. Das hat den Dreh nämlich in Auftrag gegeben.

Buschfort entsorgt Teller und Besteck in einen Müllsack und reibt sich die Hände. Es geht weiter. Jetzt soll Hedda Schieren, die Benvolio spielt, interviewt werden, während sie in der Maske sitzt. Die Aufnahme läuft, und Buschfort fragt, was ihr das Stück neben einer Menge Arbeit denn bringe. Viel Spaß und viele neue Freunde, sagt Hedda Schieren.

Die Maske ist jetzt fast perfekt. Mazdak Tavassoli wird interviewt, während er sich für die Bühne umzieht. Das wirkt authentisch. Ob sich sein Verhältnis zu Deutschen durch das Stück verändert habe, fragt Buchfort aus dem Off. „Ein wenig”, sagt Tavassoli, der als Gregoris auf der Bühne steht.

Zum Schluss möchte das ZDF noch einige Aufnahmen aus dem Stück. Weil das erst abends beginnt, geben die Schauspieler eine Extravorstellung. Stadttheater-Dramaturg Lukas Popovic und „Ausbruch”-Regisseur Martin Goltsch machen dem TV-Team gestenreich Vorschläge, wie das Ganze am besten ins Bild gesetzt werden kann.

Die Fernsehleute hören sich das mit verschränkten Armen an, und das ist der Moment, in dem Buschfort flüstert, dass er noch nie einen so gut vorbereiteten Dreh hatte. Martin Goltsch gibt seinem Ensemble noch einen Tipp: „Spielt so, als ob es eine echte Aufführung wäre.”
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