Aachen lässt Pegida im Regen stehen

Von: Stephan Mohne
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„Harmonie statt Hass und Hetze“: Trotz des miserablen Wetters begrüßte OB Marcel Philipp rund 2000 Aachener, die am Elisenbrunnen gegen die fremdenfeindlichen Parolen der Pegida demonstrierten. Foto: Michael Jaspers
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Dort ging es emotional zu, als durch den „Dialog der Religionen“ weiße Rosen als Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit verteilt wurden. Foto: Michael Jaspers
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Die Kundgebung war in erster Linie als vorweihnachtliches Konzert konzipiert, an dem mehrere Chöre – wie zum Beispiel „KataStrophe“ (unten links) teilnahmen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Am Elisenbrunnen lassen die Blechbläser des Instrumentalvereins Richterich sanft „Alle Jahre wieder“ erklingen. Am Tivoli wummert eher unsanft der Anti-Nazi-Song „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten aus den Lautsprechern. Die Art und Weise ist höchst unterschiedlich, der Zweck jedoch derselbe.

Aachen zeigt klare Kante gegen Pegida – und lässt die fremdenfeindlichen Rechtspopulisten im Regen stehen. Was gleich im doppelten Sinne gilt. Einerseits, weil es an diesem Sonntag fast ohne Unterlass schüttet. Andererseits, weil rund 2500 Menschen auf die Straße gegangen sind, um den Pegida-Anhängern die Meinung zu geigen. Die haben am Tivoli nur ein Häufchen von gerade einmal 130 Personen zusammenbekommen, von denen die allermeisten nicht einmal aus Aachen stammen. Der Aachener Pegida-Test geht voll in die Hose.

Kurz vor 13 Uhr sieht es allerdings auch am Elisenbrunnen noch mau aus. In den Gesichtern der Organisatoren dieser zentralen Gegenkundgebung ist da noch Skepsis abzulesen, ob sich denn noch genügend Aachener finden, die den Regen Regen sein lassen und gegen Fremdenfeindlichkeit aufstehen. Doch die Skepsis weicht fast schlagartig, als zu Beginn von „Harmonie statt Hass und Hetze“, konzipiert vom „Runden Tisch gegen Rechts“, doch noch die Aachener in Scharen strömen.

Als Oberbürgermeister Marcel Philipp als Auftaktredner zum Mikrofon greift, schätzt Ordnungsamtsleiter Detlev Fröhlke die Teilnehmerzahl auf etwa 2000 – doppelt so viele wie zuvor erwartet worden waren. Die Moderation hat Gerd Mertens vom Büro der Regonaldekane übernommen, der sich zunächst für die spontane Bereitschaft mehrerer Chöre bedankt, die sich zur Programmgestaltung binnen kurzer Zeit bereiterklärt hatten.

„Schräge Misstöne“

Der OB bekundet, dass die vorweihnachtlichen Melodien bis in die Soers klingen mögen, da, wo es die „schrägen Misstöne, die plumpen Stammtischparolen“ der Pegida-Leute gebe. Die Demonstranten halten Banner und Plakate hoch. „Dumpfbacken sind nicht das Volk“, steht zum Beispiel darauf.

Philipp ruft wie anschließend Städteregionsrat Helmut Etschenberg und Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt dazu auf, klar Stellung zu beziehen und Haltung zu zeigen – für Toleranz, Offenheit und Menschenrechte. In Anlehnung an die Bundeskanzlerin bekundet der OB: „Aachen wird das schaffen.“ Er mahnt jedoch auch, „die Sorgen der Menschen ernst zu nehmen“ und sie „in die Mitte der Gesellschaft zurückzuholen“, damit Parolen von Rechtsextremen nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Das, so Philipp, sei die wahrscheinlich schwierigste Aufgabe.

Eine nicht ganz einfache Aufgabe hat an diesem Nachmittag auch die Polizei, die vornehmlich am und um den Tivoli herum starke Einsatzkräfte aus ganz Nordrhein-Westfalen zusammengezogen hat. Die „Sicherheit der Bürger zu schützen“ und gleichzeitig die Versammlungsfreiheit zu gewährleisten, hatte Polizeipräsident Dirk Weinspach als oberste Losung ausgegeben.

So sind die 130 Pegida-Anhänger von Gattern und Polizisten umringt. Nur wenige Meter entfernt haben sich ebenfalls etliche Gegendemonstranten eingefunden – über 500 sind es, und sie kommen vor allem aus dem linken Spektrum. Aus ihren Reihen gibt es vor Beginn der Pegida-Kundgebung allerdings auch ein paar Misstöne – in Form von Böllern, die gezündet werden. Die Polizei nimmt deswegen ein knappes halbes Dutzend Personen „aus dem linksautonomen Bereich“, wie Polizeisprecher Werner Schneider sagt, in Gewahrsam.

Weiße Rosen verteilt

Am Elisenbrunnen wird es derweil emotional, als Vertreter des „Dialogs der Religionen“ weiße Rosen an die Menschen verteilen. Danach wird gesungen und musiziert. Der Chor „KataStrophe“ ist ebenso dabei wie das Bläserensemble der Musikhochschule, der Chor „InTakt“, die „Tempelsingers“ und „International Christian Fellowship“.

Die mickrige Pegida-Anhängerschaft am Tivoli hat indes offenbar flott erkannt, dass sie in Aachen wenig reißen kann. Schon deutlich vor dem eigentlich anvisierten Ende um 16 Uhr beginnt der Abmarsch. Dann ist die Aachener Pegida-Premiere ziemlich flott beendet. Sang- und klanglos – ganz im Gegensatz zu „Harmonie statt Hass und Hetze“.

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