Aachen kann symbolisch den Schalter umlegen

Von: Tyrone Schwark
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Haben den Schalter umgelegt: Rolf Jägersberg, Marcel Philipp und Lars Harmens (von rechts) an dem neuen, interaktiven Objekt vor dem Verwaltungsgebäude am Katschhof. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Viele Aachener werden sich in diesem Jahr wohl das Gleiche zu Weihnachten wünschen: dass das belgische Atomkraftwerk Tihange endlich abgeschaltet wird. Ab sofort kann vor dem städtischen Bürgerservice am Katschhof der Schalter schon einmal symbolisch umgelegt werden. Oberbürgermeister Marcel Philipp nahm die neue Protestsäule gestern mit den Initiatoren des interaktiven Projekts „Tihange AUS-schalten“ in Betrieb.

Die Säule in der Innenstadt ist bereits die dritte ihrer Art in der Region. Getragen werden die „sozialen Skulpturen“, wie die Ideengeber Rolf Jägersberg und Lars Harmens sie nennen, von Sponsoren. In Aachen übernimmt das Software-Unternehmen KSL-Team die Finanzierung. „Natürlich mussten wir uns bei diesem Projekt beteiligen. Ich kann nicht verstehen, wie die Betreiber des Reaktors so unverantwortlich handeln können“, erzählt Geschäftsführer Daniel Müllers.

Ziel der Initiatoren ist es, in möglichst vielen Städten und Orten der Region mit ihrem Projekt ein Zeichen des Protests zu setzen. Durch das Umlegen eines großen Schalters können Bürgerinnen und Bürger das Kernkraftwerk in Belgien ausschalten. „Entstanden ist die Idee aus einem Gespräch. Ich meinte, dass man eigentlich den Hebel von Tihange umlegen sollte. Das sprachliche Bild war die Ideengrundlage für das Projekt“, erinnert sich Jägersberg. Weiter erklärt er: „Jeder im öffentlichen Raum kann hiermit seine Besorgnis ausdrücken.“

In Monschau-Imgenbroich und Simmerath stehen bereits zwei der Protestsäulen. Die hohe Benutzungsrate der beiden Vorgänger lässt die Erwartung für die neue Säule in der Aachener Innenstadt für Jägersberg immer weiter wachsen: „Wir haben in Simmerath bereits über 22 000 Umschaltbewegungen gehabt. Hier kommen ja noch einmal viel mehr Leute vorbei, und der Standpunkt ist viel präsenter. Meine persönlichen Erwartungen liegen schon beim 100-fachen.“

Für Philipp sind solche Projekte besonders wichtig: „Es ist eine Form von Protest, die die Meinung der hier lebenden Menschen zeigt. Es wird eine symbolische Breite gezeigt.“ Außerdem sieht Philipp bereits erste positive Fortschritte: „Der Druck und die Präsenz rund um Tihange werden stetig erhöht. Sogar in Belgien wird mehr berichtet. Der Weg, der gegangen wird, ist der Richtige. Auch wenn die Entscheidung auf einer anderen Ebene getroffen wird, glaube ich, dass wir vorwärts kommen.“

Jede Ausschaltbewegung wird an den Objekt-Säulen gezählt und auf einem kleinen Display sichtbar gemacht. Um dem gezeigten Protest entsprechend zu platzieren, werden die Zahlen wöchentlich an die belgische Regierung weitergeleitet. Die Aktion hat sich auch schon in den Nachbarländern rumgesprochen. „Wir haben sogar schon Anfragen aus Grenzstädten in Belgien und aus Heerlen bekommen. Fest steht zwar noch nicht, ob wir dort demnächst etwas aufstellen, aber erste Gespräche haben stattgefunden“, so Jägersberg.

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