Aachen ist in der Tat steinreich

Von: Carolin Cremer-Kruff
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Führt auf ganz neue Weise durch die Stadt: „Aachener Naturwerksteine“ hat Autor Prof. Roland Walter in seinem Band erfasst und erklärt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Fast könnte man meinen, dass Aachen die Stadt der Steine und nicht die der Quellen ist, wenn man Professor Roland Walter zuhört. Denn er behauptet: Aachen ist „steinreich“, und damit meint er nicht den Finanzhaushalt der Kaiserstadt. Der emeritierte Geologie-Professor verfolgt eine ganz andere Spur.

Mit seinem frisch erschienenen Buch „Aachener Naturwerksteine“ hat er einen außergewöhnlichen Stadtführer vorgelegt – und gleichzeitig den zahlreichen Steinen der Stadt eine Stimme gegeben. „Diese erzählen erstaunlich viel über die Stadtgeschichte, aber auch über die Bürger der Stadt“, bemerkt Walter.

Er möchte die Menschen dazu anregen, bei ihrem nächsten Spaziergang durch die City einmal die Perspektive zu wechseln und ein Auge auf Rahmen, Fassaden und Mauern zu riskieren. Denn viele Bauten, oder vielmehr seine Steine, aus denen sie errichtet wurden, spiegeln eindrucksvoll und durchaus ästhetisch die 2000 Jahre alte Bau- und Kulturgeschichte Aachens wider.

Walter wurde im Jahr 1973 als Professor an das Geologische Institut der RWTH Aachen berufen. Seitdem kann er nicht von den Steinen in Aachen und Umgebung lassen und hat auf seinen Entdeckungstouren unzählige Bauten, darunter das RWTH-Hauptgebäude, das Rathaus, die Barbarossamauer oder das Couven-Museum genauer unter die Lupe genommen.

„Das Interesse für dieses Thema ist da. Viele Menschen haben schon hundert Mal ein bestimmtes Gebäude betreten und wissen nicht, aus welchen Steinen es erbaut wurde“, erklärt Walter. Ob Blaustein, Herzogenrather Sandstein oder Vetschauer Kalkstein, in Aachen wurden von der Römerzeit bis heute unzählige verschiedene Naturwerksteine verbaut – je nach Materialeigenschaft, Verfügbarkeit und Geschmack.

Bis in die frühe Neuzeit wurden hauptsächlich Natursteine aus der hiesigen Gegend verwendet, mit Aachens Eisenbahnanschluss und damit besseren Transportmöglichkeiten in preußischer Zeit auch Naturbausteine aus dem gesamten Rheinland und dem Moselgebiet. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden Steine aus der ganzen Welt ihren Weg in die Kaiserstadt. Man muss also nur genau hinsehen.

Zum Beispiel beim nächsten Päuschen am Karlsbrunnen. Wer sich schon immer gefragt hat, woher die vereinzelt auftretenden weißen Flecken auf den Brunnenstufen stammen, erhält in Walters Führer die Antwort: Es handelt sich um Fossilienanschnitte von Seelilien, Muschelschalen oder Korallen, da Blausteine als Kalkriffe und aus Kalkschlämmen entstanden sind.

Walters Stadtführer enthält nicht nur eine kleine Einführung in die Welt der Natursteine und Naturwerksteine sowie eine Reise durch 2000 Jahre Aachener „Steingeschichte“, sondern auch ganz praktisch fünf Naturwerkstein-Routen durch die Innenstadt vom Ponttor über den Markt bis zum Dom und von dort aus weiter über den Friedrich-Wilhelm-Platz zur Theater- und Bahnhofstraße bis hin zum Hauptbahnhof.

Ergänzt wird der Stadtführer durch detaillierte Karten, Abbildungen und Fotos der Gebäude und Fassaden, die das Entdecken der richtigen Stellen erleichtern.

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