Aachen - Aachen ist für die Ferres London

Aachen ist für die Ferres London

Von: Thorsten Karbach
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Kamera läuft: Der Domhof biet
Kamera läuft: Der Domhof bietet eine schmucke Kulisse für den Dreh des Kinofilms „Rubinrot” - auch wenn er kurzerhand von den Machern nach London verlegt wird. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Wenn im Aachener Domhof eine rote Telefonzelle steht und der Union Jack - die Flagge Großbritanniens - weht, dann kommt das den französischen Touristen spanisch vor. Doch keine bange, Mesdames und Messieurs.

Dies ist tatsächlich das Aachener Münster, auch wenn der Platz an diesem Vormittag als „Essex Court” ausgewiesen wird. So ist das eben, wenn Kameras aufgebaut sind, Scheinwerfer montiert wurden und hektische Produktionsleiter „Ruhe, wir drehen” brüllen. Dann ist Aachen London und Manfred Beissel zufrieden.

Die Filmstadt Aachen hatte am Donnerstag eine Kinoproduktion zu Gast. Und die Ferres. Aus einer dunklen Luxuslimousine mit Ingolstädter Kennzeichen trat die deutsche Starschauspielerin Veronica Ferres ins Scheinwerferlicht. Fotografiert werden darf sie nicht, ihr ungewöhnliches Erscheinungsbild soll ein Geheimnis bleiben. Dass sie lange rote Locken unter einer Strickmütze und einen langen biederen Rock trägt, soll nicht verraten werden.

„Rubinrot” heißt die Produktion (Regie Felix Fuchssteiner), für die Beissel, verantwortlich für solche Filmprojekte bei der Stadt Aachen, im letzten Jahr angefragt wurde. Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Jugendromans von Kerstin Gier, der Auftakt der „Liebe geht durch alle Zeiten”-Trilogie, die eine Million Mal verkauft und in 19 Sprachen übersetzt wurde. Und die Harald Beckers Tochter begeistert verschlungen hat, wie der Mann vom Presseamt quasi als Zaungast verrät. Mit Beißel hat er den Besuch in den letzten Wochen vorbereitet. Für Beissel ist es quasi der Abschiedsfilm, er geht in den Ruhestand, und Beckers übernimmt die Aufgabe, Filmteams nach Aachen zu lotsen. Und damit Stars wie Veronica Ferres.

Es ist kurz nach 11, die Kamera läuft, und die Ferres geht. Sie spielt Grace, die Mutter von Gwendolyn Shepherd (gespielt von Laura Berlin), die als Zeitreisende geboren wurde. Auf dem Domhof, sorry, also auf dem Essex Court redet sie gestenreich auf das Mädchen in der Schuluniform (Karorock und Blazer mit Wappen) ein. Ihr Weg führt bis zur Taufkapelle. Dann kommt ein Schnitt. Ein paar Meter weiter steht dabei Roland Wenzler, Sprecher des Domkapitels, und sagt: „Die Filmleute waren ganz begeistert von der Kulisse.” Sie wurde nur noch geringfügig „verlondont”. Es parken Autos mit englischen Kennzeichen, ein paar Laternen wurden errichtet, Schilder angebracht, auf denen „No dogs” (keine Hunde) steht, und Fensterläden und Türen verändert: So schnell wird aus Aachen London.

Zuletzt, als Jan Josef Liefers in Aachen den Fernsehfilm „Der Mann auf dem Baum” drehte, war Aachen noch Aachen. Das ist werbetechnisch ideal. Nun ist Aachen London, der Werbewert ein anderer. Wichtiger ist wohl, dass die Kaiserstadt als Kulisse für großes Kino kein kleines Licht mehr ist. „Aachen hat sich als Filmstadt mehr als etabliert”, sagt Beissel, denkt dabei nicht nur an solche gewaltigen Produktionen wie „Rubinrot”, sondern auch an kleinere Arbeiten von Studenten oder die Dokumentarfilmer aus Russland und aller Herren Länder, die in den letzten Monaten bei ihm anfragten.

Eigentlich sollte im Hof des Stadtarchivs gedreht werden. Doch wegen des Umzugs war dies unmöglich. Zudem hätte eine Laterne entfernt werden müssen. Und so rückte der Domhof ins Rampenlicht. Nachmittags wurden die Kameras in Kornelimünster aufgebaut, am Freitagabend wird in der Sternwarte gedreht, Montag und Dienstag laufen die Kameras am Katschhof, in der Ritter-Chorus-Straße, an der Rennbahn, am Münsterplatz, am Fischmarkt und in der Bendelstraße. Dann werden auch im Quadrum Schüsse fallen. Ein rasantes Spektakel verspricht dieser „Rubinrot” zu werden.

Der Aufwand dafür ist enorm. Knapp 200 Meter Wagenpark wurden auf Katschhof, Fischmarkt und Jakobstraße nur für den Vormittagsdreh verteilt. Gefilmt wird bis Ende April darüber hinaus in Mühlhausen, auf der Wartburg, in Weimar, Köln, Jülich, Coburg, Bayreuth und im richtigen London. Die Produktion (Kinostart Ostern 2013) der Lieblingsfilm GmbH, mem film GmbH, Tele München/Concorde und Geißendörfer Film- und Fernsehproduktion konnte als Darsteller neben Veronica Ferres auch Katharina Thalbach, Uwe Kockisch, Axel Milberg (der am Donnerstag in Kiel noch einen neuen Tatort drehte), Kostja Ullmann und Gottfried John gewinnen. In Aachen ist aber zunächst nur Veronica Ferres. Noch einmal wird die Szene Richtung Taufkapelle gedreht.

Im Hintergrund bewegen sich Komparsen, die Karnevalssonntag in Aachen gecastet wurden. Wer genau hinschaut, sieht Wolfram Graf-Rudolf mit ungewohntem Mantel und Hut durch die Kulisse laufen. Ein tierisches Vergnügen für den Euregiozoo-Direktor. Und für die französischen Touristen. Aachen und London so rasch nacheinander zu entdecken - das gelingt sonst wohl nur Zeitreisenden.

Staraufgebot für die Romanverfilmung

Veronika Ferres führt das Staraufgebot an, das Ostern 2013 im Kino in „Rubinrot” zu sehen sein wird. Hauptrollen spielen Maria Ehrich und Laura Berlin, zu sehen sind zudem Jannis Niewöhner, Kostja Ullmann, Axel Milberg, Uwe Kockisch, Katharina Thalbach, Gottfried John. Regie Felix Fuchssteiner, das Drehbuch verfasste Katharina Schöde.
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