Aachen - „Aachen goes electro“: Im ersten Hybrid-Gelenkbus durch die Stadt gleiten

„Aachen goes electro“: Im ersten Hybrid-Gelenkbus durch die Stadt gleiten

Von: Kathrin Albrecht
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Zukunftsmodell: Beim Informationstag gab es auch zahlreiche Mitmachaktionen, die den kommenden Generationen Elektromobilität nächer bringen sollten.

Aachen. Auf den ersten Blick ist ein Unterschied nicht zu sehen, doch der knapp 18 Meter lange Bus ist schon eine kleine Innovation. Am Samstag stellte die Aseag ihren ersten reinen Elektro-Gelenkbus auf der Ausstellung „Aachen goes Electro“ vor.

Ein Jahr lang hatten die Umrüstungsarbeiten des Hybridbusses gedauert. Eigentlich wollte man den Bus schon im vergangenen Herbst präsentieren, doch da fehlte eine Lizenz. In diesem Jahr klappte es auch damit, und so durften Fahrgäste einmal eine Runde um die Innenstadt drehen.

Die Aseag rüstete den Bus in ihren eigenen Werkstätten in Kooperation mit der Futavis GmbH um. Die Kosten in Höhe von 700.000 Euro finanzierte zu 75 Prozent der Aachener Verkehrsverbund durch Fördermittel. Außerdem ist der Bus Teil des europäischen „Civitas-Dynamo“-Projektes. „Für uns war der Ansatz interessant, wie wir alternativ betriebene Fahrzeuge auf die Straße bringen können“, erklärte Aseag-Sprecherin Anne Linden.

Zurzeit läuft der Bus im Testbetrieb auf der Linie 43, da an den Werkstätten die einzige Ladestation für den Bus vorhanden ist. Mit dem Fraunhofer Institut erforscht man derzeit, wie eine Lade-Infrastruktur für den Linienbus aufgebaut werden kann, denn „natürlich interessiert uns der Einsatz im innerstädtischen Bereich“. Die rund 1100 Batteriezellen sind im Dach des Busses verbaut, auch so konnte die Kapazität mit 118 Fahrgästen erhalten bleiben. Kennt man das laute Rappeln der Dieselbetriebenen Busse, gleitet man im E-Bus fast lautlos durch die Innenstadt, ein bisschen ist es wie Straßenbahnfahren.

Doch der E-Bus war nicht das einzige, was Besucher der Messe testen konnten. Die TEMA Technologie Marketing AG hatte elf Aussteller zusammengebracht, die ihre Produkte zum Thema Elektromobilität am Elisenbrunnen und in der Elisengalerie präsentierten. Bürgermeisterin Hilde Scheidt zeigte sich in ihrer Begrüßung beeindruckt: „Da werden auch viele Skeptiker staunen, wie viele Möglichkeiten es gibt, elektromobil unterwegs zu sein.“

Die Frage, wie wir uns in der Zukunft fortbewegen, sei neben dem demografischen Wandel, dem Klima- und dem Umweltschutz ein wichtiges politisches Thema der Zukunft lobte Ministerialdirigent Karl-Uwe Bütow die Vorreiterstellung, die Aachen in der Elektromobilität einnimmt. Auch Hans-Josef Hilsenbeck, erster stellvertretender Städteregionsrat, lobte die Zuverlässigkeit der Elektrofahrzeuge, mit denen Mitarbeiter der Verwaltung in der Städteregion unterwegs sind. Dennoch räumte er ein, dass die Region bei den Neuzulassungen noch 99 Prozent herkömmliche Fahrzeuge verzeichne.

Aachen folgt damit dem allgemeinen Bundestrend, Verbraucher tun sich nach wie vor schwer mit der Anschaffung eines E-Mobils. „Man muss die Menschen an die Technik heranführen, weiß auch Roland Jahn, Geschäftsführer des Car-Sharing-Unternehmens Cambio. Zehn Prozent der Fahrzeugflotte haben einen Elektromotor. Bei den elektromobilen Fahrrädern ist die Hemmschwelle bei den privaten Kunden geringer. Hier steht das Leihsystem Velocity, einStart-Up-Unternehmen aus der RWTH, in den Startlöchern. „Bis zum Ende des Jahres wollen wir fünf Teststationen in Aachen einrichten. Am Betrieb wollen wir auch die Aachener Bürger beteiligen“, erzählt Julian Winking.

Diskussion unter Politikern

Emissionsfreie Fortbewegung ist für Aachen nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Diskussion um die Umweltzone ein Thema. Die Messe griff das Thema auf und ließ Peter Blum, für die FDP im Mobilitätsausschuss, Sabine Göddenhenrich, für die Grünen im Umweltausschuss, Martin Christfreund vom ADFC, Ulrich Bierwisch vom VDC und Jörg Hamel vom Einzelhandelsverband miteinander diskutieren. Für die Umweltzone argumentierten Christfreund, Göddenhenrich und Bierwisch.

Die Schadstoffbelastung, vor allem bei Feinstaub und Stickoxiden, zeige dringenden Handlungsbedarf. „Aachen hat kaum etwas gemacht, und dort, wo es Einschränkungen gab, nicht kontrolliert“, bilanzierte Bierwisch. Gegen eine Umweltzone sprachen sich Hamel und Blum aus. Der hält den bestehenden Luftreinhalteplan für effizienter und weitreichender als eine Umweltzone, „weil der Plan nicht an den Stadtgrenzen aufhört.“

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