Aachen - „Aachen geht schludrig mit seinen Chancen um“

„Aachen geht schludrig mit seinen Chancen um“

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Talk über Tanz, Malerei und Kunst in Aachen (v.l.n.r.): Wolfgang Becker, Susanne Schwier, Rick Takvorian und Eric Peters, dessen Bild „Kaiserwalzer“ in der Halle von Stahlbau Strang hängt. Foto: Andreas Herrmann

Aachen. „Schrittmacher“ – das Tanzfestival, das viele hundert Fans vier Wochen lang in den Stahlbau Strang und nach Heerlen zieht, begann vor 20 Jahren als Experiment vor wenigen Zuschauern in der Mulde des Ludwig-Forums. „Weil sich die Macher nicht von der Müdigkeit der Stadt anstecken lassen wollten“, wie Wolfgang Becker, Gründungsleiter des Ludwig-Forums, meinte.

Dass die „Schrittmacher“-Organisatoren auch mit einsetzendem Erfolg nach wie vor nicht müde sind zu experimentieren, zeigt die Zusammenarbeit mit dem Künstler Eric Peters sowie ein neues Format, das am Samstagabend erstmals Teil des „Schrittmacher“-Festivals wurde: der „Schrittmacher-Talk“ zur neuen Kooperation von Tanz und Malerei im Rahmen des Festivals.

„Kaiserwalzer“ von Eric Peters

Der Aachener Künstler hat für die Tanz-Events im Stahlbau Strang an der Philipsstraße das riesige Gemälde „Kaiserwalzer“ geschaffen, das nun die Fabrikhalle auch in einen Ausstellungsraum umfunktioniert hat. Aber nicht an einer weißen Wand und optimal ausgeleuchtet hängt es, sondern eingerahmt von zwei Stahlträgern und einem Balkongitter, beleuchtet von der blau-roten Lichtchoreografie des Festivals.

„Das Bild fühlt sich beengt auf dieser Wand“, nahm Becker wahr und hoffte, dass es zukünftig einen besseren Platz bekommt. „Die starken Gefühle entsprechen aber genau dem, was die Summe des modernen Tanzes ausmacht.“ Peters selbst war nicht so unglücklich: „Ich finde, es hat die Kraft, sich gegen das Eisen durchzusetzen.“ Generell bewertete die Talk-Runde die Kooperation des Festivals mit anderen Genres der Kunst positiv. Die Malerei ist da vielleicht erst der Anfang.

Einig waren sich Becker, Peters, der Festival-Leiter Rick Takvorian sowie Kulturdezernentin Susanne Schwier, dass die Halle von Stahlbau Strang „eine besondere Energie hat“, die im Rahmen des Festivals oder auch unabhängig davon noch weitere Möglichkeiten bieten könnte: „Es ist ein guter Ort für unkonventionelle Ideen“, meinte Susanne Schwier und hoffte, dass dieser Ort auch für andere Projekte zur Verfügung stehen könnte. „Das würde ich gern mit der Eigentümer-Familie und Künstlern der freien Szene weiter forcieren.“

Auch Festival-Leiter Rick Takvorian weiß um die Besonderheit dieser Halle. „Wir haben in Aachen tatsächlich nur begrenzte räumliche Möglichkeiten, um neue Dinge auszuprobieren.“ Peters vermisste allerdings auch eine angemessen Wahrnehmung der freien Kunst in der Stadt. „Aachen geht schludrig mit seinen Chancen um“, sagte er. „Die Substanz der Museen wird hier nicht durch eigene Künstler geprägt“, bemängelte er.

Die Neuausrichtung des Ludwig-Forums durch Stärkung des Forum-Gedanken könnte das ändern. Statt Ort für museale Gedanken solle die alte Regenschirmfabrik eher der Platz für kontroverse Auseinandersetzungen sein, erklärte Schwier. Takvorian empfahl hingegen, „nicht auf ein Mandat von oben zu warten“. Dann hätte es weder das Festival-Experiment „Tanz trifft Malerei“, noch „Schrittmacher“ selbst gegeben. Für eine Langlebigkeit brauche es dann aber eine Struktur, „die wir den Künstlern anbieten müssen“, betonte Schwier die Verantwortung der Politik.

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