Aachen - Aachen gegen den Schlaganfall: 6000 Freiwillige gesucht

Aachen gegen den Schlaganfall: 6000 Freiwillige gesucht

Von: Rauke Xenia Bornefeld
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Aachen. Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, Sehstörungen – das können Hinweise auf einen Schlaganfall sein. Eine absolut lebensgefährliche Situation, in der sofort die Notrufnummer 112 gewählt werden muss.

270.000 Mal passiert das deutschlandweit pro Jahr. „Die Mehrzahl der Patienten stirbt im ersten Jahr nach dem Schlaganfall, die anderen sind häufig auf Pflege angewiesen“, verdeutlichte Professor Dr. Nikolaus Marx, Direktor für Kardiologie, Pneumologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizin Medizin am Uniklinikum, die Dramatik solch einer Situation.

Mit einer groß angelegten Studie wollen Marx und seine Kollegen der Klinik für Neurologie und dem Lehrgebiet Allgemeinmedizin nun dem Phänomen des Vorhofflimmerns auf die Schliche kommen. Denn diese bei vielen Menschen unerkannte Unregelmäßigkeit im Herzschlag erhöht das Risiko eines Schlaganfalls um das Fünffache. Allerdings merken ein Drittel der Betroffenen nichts von ihren Herzrhythmusstörungen.

„Wir wollen herausfinden, ob ein Screening aller 65-Jährigen sinnvoll sein kann, um mehr Vorhofflimmern zu entdecken und die Schlaganfallzahlen so zu senken“, erläuterte Marx das Ziel der in Deutschland bislang ersten Studie dieser Art. „Denn ab dem Alter lässt sich Vorhofflimmern sehr gut durch medikamentöse Blutverdünnung therapieren.“ Screening bedeutet in diesem Fall das Prüfen des Pulses mit einem sogenannten EKG-Stick.

Um etwa 6000 Probanden ab 65 Jahren testen zu können, suchten die Ärzte des Uniklinikums deshalb vor rund einem Jahr den Kontakt zum Apothekerverband Aachen. Dessen Vorsitzende, Gabriele Neumann, konnte 43 Apotheken in Aachen und 45 in der Städteregion gewinnen, ihren Kunden in den kommenden vier Wochen den Test mit dem EKG-Stick unter dem werbewirksamen Namen „Aachen gegen den Schlaganfall“ anzubieten und so die studienrelevanten Daten zu erheben. „Im Stadtgebiet sind das etwa zwei Drittel aller Apotheken.“, meinte Neumann.

Der Oberbürgermeister stieg zudem als Schirmherr ein, „denn wenn sich durch die Studie das Risiko für Schlaganfall in der Region minimieren lässt, bin ich gern dabei“, sagte Marcel Philipp und überwand deshalb auch gern seine Scheu, seinen Puls via EKG-Stick zu testen, auch wenn er noch nicht zur relevanten Zielgruppe gehört. Er konnte beruhigt sein: Bei ihm leuchtete das Lämpchen nach einer Minute ruhigen Haltens grün auf: Mit seinem Puls ist alles in Ordnung.

Auch beim roten Lämpchen müssten Probanden nicht sofort in die Notaufnahme, beruhigte Marx vorsorglich, denn ein unregelmäßiger Puls kann verschiedene, manchmal ganz harmlose Ursachen haben. „Wir legen den Menschen aber nahe, zeitnah ihren Hausarzt aufzusuchen, um der Sache auf den Grund zu gehen“, beschrieb Neumann die Vorgehensweise ihrer Apotheker-Kollegen beim Test. „Zudem wird bei Rot nach acht Wochen nachgehakt, ob der Kunde bereits medizinisch untersucht wurde und welches Ergebnis es gab.“

Auch die Testteilnehmer mit grünem Ergebnis werden noch einmal angerufen – nach einem Jahr. Haben Sie dennoch einen Schlaganfall erlitten? „Aus allen Daten können wir dann ableiten, ob es sinnvoll ist, ein Puls-Screening der 65-Jährigen ins Gesundheitssystem einzuführen oder nicht“, sagte Marx.

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