Aachen - Aachen auf Personalsuche: Man muss das Geld auch ausgeben können

Aachen auf Personalsuche: Man muss das Geld auch ausgeben können

Von: Stephan Mohne
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Personalsuche, E-Mobilität, Digitalisierung (v.l.n.r.): Claudia Plum, Harald Baal (beide CDU), Michael Servos und Boris Linden (beide SPD) erläuterten die Haushaltsschwerpunkte der Ratsmehrheit. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Stell‘ Dir vor, es ist viel Geld da, aber man kann es nicht ausgeben. Kurios, aber genau das beschäftigt die Aachener Stadtverwaltung. Denn es fehlt das Personal, das sich zum Beispiel um die Flut von anstehenden Baumaßnahmen kümmert. Also werden entsprechende Stellen eingerichtet.

Aber da schließt sich direkt die nächste Frage an: Stell‘ Dir vor, es gibt reichlich Stellen, aber man findet keine passenden Fachkräfte dafür. Auch das ist Realität. Weswegen die Ratsmehrheit aus CDU und SPD in ihren Haushaltsberatungen am vergangenen Wochenende darüber gesprochen hat, dass die Verwaltung bei der Personalsuche auch „unkonventionelle Wege“ beschreiten soll, wie die Fraktionsvorsitzenden Harald Baal (CDU) und Michael Servos (SPD sowie die finanzpolitischen Sprecher Claudia Plum (CDU) und Boris Linden (SPD) am Donnerstag erläuterten.

Spannende Jobs

In ihrer Haushaltsrede im Rat hatte Kämmerin Annekathrin Grehling das Problem schon thematisiert. So gibt es eine ganze Reihe neuer Förderprogramme des Bundes und des Landes wie etwa „Gute Schule 2020“, über die Millionenzuschüsse abgerufen werden können. Doch die damit verbundenen Planungen und Ausschreibungen der Maßnahmen müssen auch gestemmt werden können – zum Beispiel eine Vielzahl von dringend notwendigen Toilettensanierungen in Schulen und Kitas.

Alles eher kleine Maßnahmen, aber eben eine ganze Masse davon auf einmal. Damit es da schneller gehen kann, sollen im Gebäudemanagement Planer eingestellt werden. Nur: Die sind auf dem Arbeitsmarkt kaum zu finden. Sie sollen nun verstärkt gelockt werden. Zulagen zum Gehalt sind laut CDU und SPD denkbar. Flexiblere Arbeitszeiten und Stundenkontingente ebenso. Oder auch Sozialräume in Verwaltungsneubauten. Außerdem soll den potenziellen Kandidaten deutlich gemacht werden, dass der Job attraktiv ist.

„Das sind keine Stellen, die dem überkommenen Klischee eines angestaubten Amtsstubenjobs entsprechen. Man kann zum Beispiel komplette Projekte vom Start bis zum Abschluss managen“ – was in Ingenieurbüros nicht immer der Fall sei, sagen die Koalitionspolitiker. Mit der Attraktivität der Aufgabe könnte vielleicht auch die in der freien Wirtschaft höhere Bezahlung kompensiert werden.

Die Verwaltung arbeite bereits an derlei unkonventionellen Maßnahmen. Die Ratsmehrheit will die kommenden Ideen dann auch finanziell unterstützen. Denn klar sei: Bessert sich das nicht, können keine weiteren Förderprogramme in Anspruch genommen werden, was natürlich ebenfalls fatal wäre.

Zumal sich das Personalproblem zum Beispiel auch bei der Feuerwehr mit zehn Prozent unbesetzten Stellen und in den Kitas, wo ungefähr jeder 20. Posten mit den entsprechenden Folgen auf die Betreuung vakant sei. Bei der Feuerwehr bilde man nun selber aus. Das soll verstärkt auch im Bereich der Erzieherinnen passieren, wie Claudia Plum unterstreicht.

Ein ausgewiesener Experte muss auch für eine neue Aufgabe gefunden werden, in die die Große Koalition investieren will. Es soll eine Art Stabsstelle zum Thema Digitalisierung eingerichtet werden. „Wenn wir da nichts tun, werden wir überrollt“, meint Michael Servos. Da gehe es auch um Vernetzungen weit über die Kernverwaltung hinaus bis in die Eigenbetriebe oder auch in die Aseag und die Stawag oder gar in die Sparkasse hinein.

Gäbe es diese Koordination bereits, wäre es nach Ansicht von Servos auch nicht zu den aktuellen Pannen bei der Aseag gekommen, denn bei der städtischen RegioIT gebe es für so etwas fertige Lösungen. Die Digitalisierung soll bis ins Bürgerforum hineinspielen, mit dem CDU und SPD im jetzigen Zustand unzufrieden sind.

Das soll auf neue Beine gestellt werden, „die diese Plattform zu dem machen, was sie eigentlich sein sollte“. Außerdem wird der Verein „Freifunk“ mit 20.000 Euro unterstützt, der sich um den Ausbau kostenfreier WLAN-Netze kümmert. Beispiele sind die Marktplätze Brand und Haaren oder auch Gewoge-Gebäude.

42 Änderungen

Ein weiterer Themenblock der insgesamt 42 Änderungsanträge zum Etatentwurf ist der Bereich E-Mobilität. Im Mittelpunkt stehen dabei Investitionen in den geplanten und elektrisch angetriebenen „Marktliner“. Aber auch hier gibt es kleinere Maßnahmen. So soll es Anreize für Firmen geben, Transportfahrzeuge durch elektrische Lastenfahrräder zu ersetzen. Der Bereich E-Mobilität passe auch bestens zum Thema Wissenschaftsstadt, das CDU und SPD weiterhin mit 75.000 Euro pro Jahr versehen wollen. Schließlich gehe es 2020 für die RWTH wieder um den Titel der Exzellenz-Uni.

Weitere Haushaltsbeschlüsse drehen sich um Zuschüsse. Die sollen für die Sozialverbände und -vereine um 2,5 Prozent angehoben werden, wie Boris Linden erläutert. Auch die freie Kultur bekommt etwas mehr. Im Bereich der Schulsozialarbeit soll es zwei Vollzeitstellen mehr geben, weil vier Grundschulen Unterstützung benötigen. Investieren will man in die Sanierung des Wohnungsbestands und in Reserveflächen zum Bauen.

Da gab es schon Geld, das – siehe oben – aber nicht vollends ausgegeben werden konnte. Unter dem Strich bleibe der Etat auch mit diesen Änderungen stabil und genehmigungsfähig, betont die Ratsmehrheit. Es habe eben diesmal etwas mehr Spielraum als in den Vorjahren gegeben.

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