Aachen auf dem Weg in die Neuzeit: Neuer Band über die Stadtgeschichte

Von: Hans-Peter Leisten
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Sind froh, dass ein weiterer Schritt in der Darstellung der Geschichte Aachens getan ist: Erich Timmermanns (Sparkasse), Buchhändler Helmut Falter, OB Marcel Philipp, Herausgeber und Autor Dr. Thomas Kraus, Olaf Müller (Kulturbetrieb) und Dezernentin Susanne Schwier. Foto: Michael Jaspers

Aachen. Im emotionalen Zwiespalt zwischen Erleichterung, Freude über das Geschaffene und Respekt vor den kommenden Aufgaben bewegte sich am Montag eine durchaus illustre Schar von Geschichtskennern, -forscher und -förderern im Weißen Saal des Rathauses.

Natürlich überwog die Freude über die Fertigstellung des vierten Teiles des ingesamt acht Bände umfassenden Gesamtwerkes zur Geschichte unserer Stadt. Band 3/2 ist faktisch der vierte Band, „da es einfach zu viel Material für einen Band gab“, wie Herausgeber und Autor Dr. Thomas Kraus erklärte. Auf 536 Seiten werden jetzt die „Lebensbereiche“ der mittelalterlichen Aachener bis 1500 beleuchtet.

Nach 140 Jahren

Die Forschung ist damit in der Neuzeit angekommen. 140 Jahre sind seit der letzten Darstellung der Aachener Historie ins Land gegangen, und niemand stellt die Notwendigkeit der neuen Zusammenfassung der Ereignisse in Frage. Man darf getrost von einem Grundlagenwerk ausgehen, das die Aachener Geschichte in bisher noch nicht da gewesener Vielfalt und Tiefe darstellt. Dabei haben die Macher einerseits darauf geachtet, wissenschaftlichen Ansprüchen zu genügen, andererseits ein wirklich lesbares Buch zu erstellen.

Teil 3/2 widmet sich den Lebensbereichen der Menschen im Hoch- und Spätmittelalter. In zehn Kapiteln geht es um „Die Stadt und ihre Organe“, „Das Gerichtswesen“, „Demographische und soziale Befunde“, „Die Stadt als Wirtschaftsstandort“, „Das Aachener Reich als Lebens- und Wirtschaftsraum“, „Bäder und Badewesen“, „Frömmigkeit – Stifte – Klöster – Kirchen“, „Die Wallfahrt nach Aachen“, „Das Wehrwesen“ und die „Topographie der Innenstadt“. In einem Sonderkapitel hat der Herausgeber Dr. Thomas Kraus einen Überblick über Aachen im hohen und späten Mittelalter erarbeitet. Literatur- und Quellenverzeichnisse sowie Personen-, Orts- und Sachregister machen das Auffinden einzelner Personen und Aspekte wirklich handlich.

Kraus, viele Jahrzehnte lang Aachens Archivdirektor, ist aber auch Autor des neuen Bandes. Er hatte versprochen, für die ersten drei beziehungsweise vier Bände als Herausgeber zu fungieren und den dritten Band auch selbst zu verfassen. Und er hat Wort gehalten. Offensichtlich hat ihm vor allem die Erfüllung der letzten Pflicht richtig Freude bereitet. Begeistert berichtete er von den 88 Abbildungen, die – größtenteils farbig – die Texte illustrieren.

Dabei sind oft kleine Details aufschlussreich. Wie jenes aus der Ebstorfer Weltkarte, das nicht nur Aachen im 13. Jahrhundert zeigt, sondern auch eine kleine Wanne mit zwei Badenden. Dieses Detail liefert den Beweis dafür, dass Aachen bereits im 13. Jahrhundert weltweit als Badeort bekannt war. Aachen hatte schon 1346 einen geregelten Feuerschutz und offensichtlich ein verzweigtes Netz an Handelswegen. Dies alles hat Kraus jetzt erarbeitet – dank der Unterstützung von Stadt Aachen, Aachener Geschichtsverein, Sparkasse Aachen, Club Aachener Casino, IHK und Stiftung Rathaus Aachen.

Der Buchhändler Helmut Falter gehörte von Beginn an zu den Wegbereitern des Buchprojektes. So begeistert er sich über das Erscheinen der ersten vier Bände zeigte, so sehr mahnte er am Montag auch an, den Weg konsequent weiter zu gehen. „Für Band 4 und 5 fehlen noch die Honorar- und Sachkosten – ich bin aber optimistisch, dass dies zu stemmen ist. Große Sorgen machen mir aber die Bände 6 und 7.“ Während bisher auf vorhandene Editionen und Quellenanalysen zurückgegriffen werden konnte, müsse ab jetzt alles von Grund auf neu erarbeitet werden. Jetzt müssten aber mit Forschern und Autoren Verträge geschlossen werden, die diesen auch Planungssicherheit gäben. Er kalkuliert dafür 400.000 bis 500.000 Euro. Es müssten sich Institutionen finden, die die Summe über drei Jahre verteilt übernähmen. Falter: „Jetzt müssen die Weichengestellt werden. Denn wenn der Weg nicht zu Ende gegangen wird, war alles für die Katz‘.“

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