Aachen altert und die Schulen schrumpfen

Von: Stefan Herrmann
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SchülerInnen
Im Primarbereich drücken aktuell 7556 Kinder die Schulbank. Das bedeutet im Vergleich zum Jahr 2001/02 ein Rückgang von 1077 Schüler (19 Prozent). Überraschend: Noch in den letzten Prognosen (Schulentwicklungsplan 2008 sowie Masterplan 2030) waren die Experten davon ausgegangen, dass die Einschulungsjahrgänge bis 2013/14 leicht ansteigen. Foto: dpa

Aachen. „Immer in Bewegung“ – Der beliebte Wahl- und Werbespruch trifft den Nagel mit Blick auf Aachens Schullandschaft sprichwörtlich auf den Kopf. Was die absoluten Schülerzahlen angeht, zeigt die Kurve in den vergangenen Jahren dabei vor allem in eine Richtung: nach unten.

Entwicklung der Gesamtschülerzahlen: Seit dem Jahr 2005/06 brechen die Auswirkungen des demografischen Wandels in Aachens Schullandschaft richtig durch. Lag die Gesamtzahl der Schüler an allen allgemeinbildenden Schulen in den fünf vorhergehenden Jahren konstant zwischen 27.000 und 27.500, rutschten sie in der Folge kontinuierlich auf gut 24.000 im laufenden Schuljahr 2013/14 ab.

Grundschulen: Im Primarbereich drücken aktuell 7556 Kinder die Schulbank. Das bedeutet im Vergleich zum Jahr 2001/02 ein Rückgang von 1077 Schüler (19 Prozent). Überraschend: Noch in den letzten Prognosen (Schulentwicklungsplan 2008 sowie Masterplan 2030) waren die Experten davon ausgegangen, dass die Einschulungsjahrgänge bis 2013/14 leicht ansteigen. Großstädte wie Aachen, so die damalige Vermutung, würden vom Rückgang der Geburtenzahl weniger getroffen, mehr junge Familien blieben dem großstädtischen Flair treu. Doch diese Annahme hat sich nicht bestätigt: Die Anzahl der eingeschulten Kinder sank von 2154 im Jahr 2007/08 auf 1828 im aktuellen Schuljahr.

Gymnasien: Der ganz klare Gewinner im hart umkämpften Schuldschungel. Die Nachfrage hat in den vergangenen 13 Jahren enorm zugenommen – 530 Schüler mehr als noch 2001/02 streben das Abitur an. Durch G8 und den doppelten Abiturjahrgang im vergangenen Jahr hat sich der Anteil der Sekundarstufe-II-Schüler mit Ablauf des Schuljahres 2012/13 zwar stark reduziert (minus 25 Prozent bzw. 905 Schüler weniger), am generellen Zulauf ändert dies aber nichts. Aktuell besuchen 9396 Kinder und Jugendliche Aachens Gymnasien (Sek I und Sek II).

Gesamtschulen: 4012 Schüler gehen auf die vier Aachener Gesamtschulen. Die Nachfrage steigt seit Jahren kontinuierlich an, verteilt sich allerdings sehr unterschiedlich auf die Standorte. Für das kommende Schuljahr mussten insgesamt sogar 90 Schüler abgelehnt werden. Allein der Zuspruch für die Heinrich-Heine-Gesamtschule hat in jüngerer Vergangenheit nachgelassen. Eigentlich sechszügig angelegt, werden 2014/15 erneut nur vier Eingangsklassen gebildet. Die Verwaltung erklärt die geringere Nachfrage mit der „randständigen Lage“ der HHG am Hander Weg in Laurensberg.

Realschulen: An den vier Realschulen (inklusive der auslaufenden David-Hansemann-Realschule) sind die Schülerzahlen im Erhebungszeitraum ebenfalls um ein Drittel (minus 846) auf 1744 Schüler gesunken.

Hauptschulen: Die Hauptschule bleibt das Sorgenkind, zumindest wenn man die nackten Zahlen betrachtet. Seit Beginn des Beobachtungszeitraums 2001/02 verzeichnet die Verwaltung einen dramatischen Rückgang von 1099 Schülern (minus 43 Prozent) auf aktuell 1440.

Die Politik hat in den vergangenen Jahren reagiert: Drei Hauptschulen (GHS Eilendorf, Sekundarschule am Dreiländereck, KGS Klaus-Hemmerle-Schule) werden auslaufend geschlossen. Allerdings hat dies nicht zu einer Stärkung der verbliebenen drei Standorte (GHS Drimborn, GHS Aretzstraße, GHS Burtscheid) geführt. Die Aufnahmezahlen dort sinken weiter kontinuierlich.

Auswärtige Schüler: Insgesamt 340 Jugendliche aus umliegenden Kommunen besuchen im laufenden Schuljahr die 5. Klassen einer der städtischen oder privaten Aachener Schulen. Allein 224 davon haben sich für ein Gymnasium entschieden. Die Spitzenposition nimmt dabei das Inda-Gymnasium mit 51 Aufnahmen ein. Vor allem für Schüler aus Roetgen ist das Inda beliebt, schließlich hat die Eifel-Kommune keine eigene weiterführende Schule – der Weg ins nahe Kornelimünster bietet sich da an. Der Trend ist über die Jahre relativ stabil, allein im Gesamtschulbereich sinken die Zahlen kontinuierlich. Das erklärt sich unter anderem damit, dass zum Beispiel die Nachbarstädte Stolberg und Herzogenrath in den vergangenen Jahren eigene Gesamtschulen errichtet haben.

Ausblick: Ob demografischer Wandel, der gesetzliche Anspruch auf einen Platz an einer Regelschule (Inklusion) oder die hohe Mobilität und somit Flexibilität von Eltern und Schülern – eine weitsichtige Planung im Bildungsbereich wird für Politik und Verwaltung immer schwieriger. Das Motto „Kurze Beine – kurze Wege“ im Grundschulbereich trifft da zum Beispiel vermehrt auf die harte Realität, dass Standorte in einzelnen Stadtquartieren kaum noch nachgefragt werden und verantwortungsvoll aufrechterhalten werden können.

Bei den weiterführenden Schulen steht vor allem das System Hauptschule auf dem Prüfstand. Die Anmeldezahlen brechen zum Teil dramatisch ein. Somit wird in den kommenden Jahren ein Motto für Aachens Schullandschaft weiterhin gelten: Immer in Bewegung.

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