Aachen - 83 Erinnerungen an eine grauenhafte Zeit

83 Erinnerungen an eine grauenhafte Zeit

Von: Kriegsalltag. Der Zweite Weltkrieg in der Erinnerung von Zeitzeugen”, Herausgegeben von Wolfgang Wietzker ist erschienen im Helios-Verlag, ISBN 978-3-86933-008, 2, 22 Euro
Letzte Aktualisierung:

Aachen. „Woran denken Sie als Erstes, wenn Sie an den Krieg zurückdenken?” Diese Frage stellte Wolfgang Wietzker insgesamt 86 Menschen, die am Ende des 2. Weltkrieges mindestens 18 Jahre alt waren.

Der ehemalige Bundeswehroffizier und Historiker hat sein Buch „Kriegsalltag. Der Zweite Weltkrieg in der Erinnerung von Zeitzeugen” bewusst nicht wissenschaftlich aufgearbeitet. „Ich wollte die Menschen sprechen lassen”, sagt er.

83 Äußerungen fanden schließlich Einlass in seine Sammlung. Die Zeitzeugen berichten von Bombenkrieg, Vertreibung und Evakuierungen, aber auch vom Alltag in einer grauenhaften Zeit. Schule und Studium im Dritten Reich sind ebenso Thema wie die Einquartierung von Ausgebombten und der allgegenwärtige Hunger. Viele schildern ihre Kindheit, doch ältere Befragte haben Erfahrungen an der Front und in Gefangenschaft gemacht.

„Fast alle Zeitzeugen sind mir über meinen Bekanntenkreis vermittelt worden”, sagt Wietzker. „Viele haben seit langer Zeit oder noch nie über ihre Erlebnisse gesprochen.” Bei einigen kam das Gespräch schleppend in Gang, verselbständigte sich jedoch nach kurzer Zeit. „Nach der Arbeit an meinem Text habe ich begonnen, alle Stationen meines Lebens aufzuschreiben”, sagt Heinrich Lohmanns, Jahrgang 1923. Der ehemalige Bundeswehrsoldat ist einer von zwölf Zeitzeugen aus Aachen. „Viele haben nach unserem Gespräch angefangen, ihr Leben für ihre Kinder und Enkel zu dokumentieren”, sagt Wietzker.

Bei seiner Recherche stieß Wietzker auf Martin Goldstein, einen der wenigen Zeitzeugen mit jüdischen Vorfahren. Der ehemalige Psychotherapeut und Erziehungsberater war 15 Jahre als „Dr. Sommer” bei „Bravo” tätig. Goldstein blieb als „jüdischer Mischling” das KZ erspart, er musste im Arbeitslager bis zur völligen Erschöpfung dem Dritten Reich dienen. Der ehemalige Nato-Oberbefehlshaber Leopold Chalupa kam als Gefangener nach Italien, England und Schottland und wurde als Sudetendeutscher aus Böhmen vertrieben. „Es wäre schön, wenn das Buch auch jüngere Leser fände und über den Krieg aufklärte”, sagt der ehemalige Präsident von Alemannia Aachen. „So etwas darf nie wieder passieren.”
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