Aachen - 80-Jährige spendiert Stripper zur „Ladies Night“ im Pfarrsaal

80-Jährige spendiert Stripper zur „Ladies Night“ im Pfarrsaal

Von: Robert Esser
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Dann ließ er die Hüllen fallen: Ein Stripper „betanzte“ eine Frau bei der Damensitzung der KG Schwarz Grüne Funken e.V. 1951. Foto: privat

Aachen. Der geschmacklose Auftritt eines Striptease-Tänzers bei einer Karnevalssitzung in der Offenen Tür (OT) Kronenberg dürfte jetzt ein ernstes Nachspiel haben. Die OT gehört zum Kinder- und Jugendzentrum der katholischen Gemeinde St. Hubertus und war zur „Ladies Night 2013“ am 5. Januar von der KG Schwarz Grüne Funken e.V. 1951 angemietet worden.

Die Räume befinden sich in der Trägerschaft der Pfarre St. Jakob. Deren Pastor Andreas Mauritz zeigte sich am Montag empört: „Was sich da offenbar abgespielt hat, ist eine Unverschämtheit. Das geht so nicht“, sagte er auf Anfrage der Aachener Zeitung. „Ich werde mit den Verantwortlichen der KG Kontakt aufnehmen und die Vorwürfe klären. Sollte sich der Sachverhalt bewahrheiten, werden wir Konsequenzen ziehen. Dann waren die das letzte Mal Mieter bei uns“, kündigte der Geistliche an.

Mauritz betonte dennoch: „Wir als Vermieter kannten das Programm nicht und sind dafür auch in keiner Weise verantwortlich.“Die Plakate, mit denen die KG für ihre „Ladies Night“ in der OT an der Händelstraße zum Eintrittspreis von 15 Euro warb, habe die Pfarre nie gesehen, erklärte der Pastor.

Gegenüber der AZ sprach die 1. Vorsitzende der KG Schwarz Grüne Funken, Roswitha Bütgens, am Montag von einem „riesigen Fehler“. Die Striptease-Show, bei der sich ein muskulöser Mann nahezu komplett nackt ausgezogen und in eindeutig anzüglichen Posen und Bewegungen mit einer Frau aus dem Publikum „getanzt“ habe, sei ursprünglich nicht im Programm vorgesehen gewesen, sagte Bütgens. „Das war ein Überraschungsgeschenk einer 80-jährigen Freundin unseres Karnevalsvereins“, erläuterte sie. „Die wollte uns eine Freude machen.“
 
Die Vereinsvorsitzende räumte ein, wohl etwas naiv reagiert zu haben: „Ich habe gedacht, nicht so schlimm, der tanzt ja nur. Aber als der sich ausgezogen hatte, war ja schon alles zu spät.“ Große Teile des rund 50-köpfigen weiblichen Publikums seien kaum noch zu bändigen gewesen – deswegen habe sie die „Show“ nicht abbrechen können. Sie beteuerte, alle Anwesenden seien volljährig gewesen, zwischen 30 und 80 Jahre alt. Alle anderen Programmpunkte – etwa eine Playback-Show der Geschwister des Vereinspräsidenten, ein Stimmungssänger und Auftritte befreundeter Karnevalisten aus Haaren – seien absolut einwandfrei verlaufen, erklärte Bütgens. 
 
Der Stripper sei „ein einmaliger Ausrutscher“, das komme nie wieder vor, versprach die Vorsitzende. Und fügte hinzu: „Es tut mir wirklich schrecklich Leid. Ich entschuldige mich in aller Form für diesen schlimmen Fehler.“
Ob die KG Schwarz Grüne Funken künftig noch Veranstaltungen in pfarreigenen Räumen über die Bühne bringen darf, ist offen. Unklar ist auch, ob Sanktionen vom Festausschuss Aachener Karneval (AAK) drohen. Der führt die Funken als „Ordentliche Gesellschaft“ in seinem Vereinsregister.
 
AAK-Präsident Wilm Lürken  hat den Funken bereits eine „Abmahnung“ geschickt und eine ausführliche Stellungnahme des Vorstands eingefordert. „Dann werden wir weitersehen“, sagte er am Montag.  Auswüchse in der fastnachtlichen Brauchtumspflege – etwa Oben-ohne-Darbietungen, Striptease und extrem geschmacklose Zoten – gelten als Ausschlussgründe.
 
Erst vor wenigen Tagen hatte der Auftritt eines frivolen „Nummernboys“ auf der Damensitzung der KG Fidele Jonge in Nörvenich einen Eklat ausgelöst. Die Strafe für den Verein: Rauswurf aus dem Regionalverband Düren. 
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