75 Kinder müssen sich neue Schule suchen

Von: Stephan Mohne
Letzte Aktualisierung:
11535744.jpg
Seit 2007 in Aachen, seit 2013 im ehemaligen Knappschaftsgebäude an der Monheimsallee, ab August nicht mehr in Aachen: Die private St. George‘s School wird mangels Nachfrage geschlossen. Foto: Michael Jaspers

Aachen. In seinem „Newsletter“ ist der Schuldirektor noch voll der Vorfreude. Viele Verbesserungen habe es im Laufe des Schuljahrs an der St. George‘s School Aachen gegeben. Der Kindergartenbereich sei neu dekoriert, die Aula habe eine neue Licht- und Tonanlage. Es gebe also viele Gründe, sich auf das kommende Schuljahr zu freuen. Das war im Juli 2015.

Einen ähnlich lautenden „Newsletter“ des Schulleiters wird es nicht mehr geben. Denn es wird kein weiteres neues Schuljahr an der Privatschule mehr geben. Die St. George‘s School Aachen wird nach dem laufenden Schuljahr im August geschlossen. Für 75 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwei und 18 Jahren bedeutet das: Sie müssen sich eine neue Schule – beziehungsweise einen neuen Kindergarten – suchen, so sie nicht im Sommer ihren Schulabschluss machen.

Seit 2013 in der „Knappschaft“

Nach AZ-Informationen wurden die Eltern Anfang der Woche mit der Hiobsbotschaft konfrontiert. Seitdem sind viele von ihnen bereits an anderen Aachener Grundschulen und weiterführenden Schulen vorstellig geworden, um einen Platz für ihre Kinder zu finden.

Die Schließung kommt zumindest für Außenstehende insofern überraschend, als dass die internationale Schule, die in Trägerschaft des „AERA-Verlags“ steht, erst Mitte 2013 ins ehemalige Knappschaftsgebäude an der Monheimsallee umzog und sich somit flächenmäßig deutlich vergrößerte – von 1400 Quadratmetern im ehemaligen Domizil an der Michaelsbergstraße auf 3000 Quadratmeter in der neuen „Heimat“. Seinerzeit lag die Zahl der Schülerinnen und Schüler und der Kita-Kinder bei rund 100, nachdem die Schule im Jahr 2007 mit rund 50 Kindern in Burtscheid gestartet war.

Es sollte – und musste – einen Expansionskurs geben. Denn von der Anzahl der Kinder her kam die Schule nicht so richtig auf einen grünen Zweig. „Das reicht einfach nicht aus, um die Schule zu betreiben“, sagt Marietta Horton. Die Verlegerin hatte 1985 in Köln die erste St. George‘s School mit 15 Kindern gegründet. In Köln besuchen heute mehr als 800 Kinder die Institution. Auch die Schwesterschulen in Duisburg/Düsseldorf und München funktionieren.

Aber eben nicht die in Aachen. „Wir wollten mit dem Umzug sichtbarer werden, haben viel Geld investiert und fest an Aachen geglaubt“, so Horton. Aber: „Wir haben uns sehr getäuscht“, stellt die Gründerin fest. 150 bis 200 Kinder hatte man sich für Aachen erhofft, aber mit 75 bei 24 Lehrern sei die Sache nicht finanzierbar.

Auf Dauer wäre das wohl im wirtschaftlichen Fiasko geendet. Die St. George‘s School finanziert sich alleine aus dem Schulgeld von einigen tausend Euro pro Jahr, das die Eltern bezahlen. Bis Dezember habe man noch Hoffnung gehabt, dann aber doch „diese sehr schwere Entscheidung treffen müssen. Das tut uns sehr, sehr leid“.

Die Eltern seien bei der Bekanntgabe dieser Entscheidung bestürzt gewesen, berichtet Marietta Horton, die hinzufügt: „So wie auch wir bestürzt sind, dass es so kommen muss. Wir hätten nie gedacht, dass die Schule in einer Stadt wie Aachen mit ihren Hochschulen und internationalen Firmen nicht funktioniert.“

OB per Brief informiert

Bei Oberbürgermeister Marcel Philipp ging die Nachricht per Brief am Donnerstag ein. Er bedauert die Schließung: „Für Aachen ist es eine wichtige Aufgabe, internationale Schulangebote zu haben. Die St. George‘s School hat hier eine spezielle Nische ausgefüllt.“ Zu beeinflussen sei die Entscheidung letztlich nicht. Auf die Stadt kommt die Herausforderung zu, die Kinder in andere Schulen zu integrieren.

Was nicht zuletzt für die Kinder nicht ganz einfach sein dürfte. An der St. George‘s School wird nach einem anderen System als an deutschen Schulen unterrichtet. Die Kinder besuchen die Einrichtung vom Kita-Alter bis zum Abschluss, der im britischen Abitur oder dem International Baccalaureate Diploma, einem internationalen Abitur, besteht. Unterrichtet wird auf Englisch mit Deutsch als erster Fremdsprache.

Die Umstellung ist also nicht gerade klein: „Ich bin sicher, dass die Schüler sehr gut dort hineinwachsen werden“, sagt Marietta Horton. Es gebe Überlegungen, die Kinder auf das deutsche System in einer Art Eingliederungszeit vorzubereiten. Möglicherweise, wenn es auf das Ende der Schule zugeht. Und das kommt unumstößlich im August.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert