70 Jahre aktiv: Kirchenchor St. Laurentius ehrt Sängerin

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Ein seltener Anlass: Maritta Neuss (mit Blumen) erhielt für ihre Treue Glückwünsche vom Vorsitzenden Petrus Rick (links), Karin Mahr und Gregor Jeub. Foto: Ralf Roeger

Laurensberg. Die letzten Töne des Halleluja von Händel waren verklungen nach der Ostermesse in Laurensberg. Der Chor hatte mit der Nelsonmesse von Haydn der österlichen Freude in der Liturgie einen feierlichen Rahmen geboten. Die Kirche begann sich zu leeren, doch Chor und Orchester harrten eines Ereignisses, das auch die in der Kirche verbliebenen Besucher mit Faszination verfolgen sollten.

Die Laurensbergerin Maritta Neuss wurde für ihre unglaubliche 70-jährige aktive Mitgliedschaft im Laurensberger Kirchenchor geehrt.

„Unglaublich“ – so begann der Vorsitzende des Chores seine Würdigung dieses Ereignisses. Unglaublich, Ostern 1945 hatte die Jubilarin als junges Mädchen zum ersten mal im Laurensberger Kirchenchor mitgesungen und bis zum heutigen Tag keine Probe und Aufführung versäumt, es sei denn, wenn sie durch Krankheit oder Reisen verhindert war. Am Osterfest, dem 1. April 1945, war in Aachen der Krieg vorbei, im Ruhrgebiet hatten die Amerikaner den Ruhrkessel geschlossen, und die Schlacht um Berlin stand noch bevor.

Eine Anekdote des Chorlebens von Maritta Neuss darf nicht unerwähnt bleiben, haben doch die Frauen des Laurensberger Kirchenchores schon vor 70 Jahren vehement die Frauenquote eingeführt und verteidigt. Und das kam so. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war der Chor als Männerchor gegründet worden und es bis zum Zweiten Weltkrieg auch geblieben. Da die meisten Männer in den Krieg mussten, durften die Frauen ran. Als die Männer wieder aus der Gefangenschaft zurückkehrten, wollten sie ihren Männerchor wieder reaktivieren. „Nicht mit uns, da haben wir uns gewehrt. Da ließen wir uns nicht mehr vertreiben“, so Maritta Neuss.

So blickte Maritta Neuss an Ostern 2015 auf eine lange Zeit zurück, in der sie als Sopran das Auf- und Ab nicht nur in der Politik und in der Kirche, sondern auch im Chor erlebte, eines Chores, der heute auf einem der Höhepunkte seines Wirkens diese Ehrung mit besonderer Freude erleben durfte. Einer Ehrung, die nicht nur den Charakterzügen Beständigkeit und Zuverlässigkeit Respekt und Anerkennung zollte, sondern auch nachdenklich machte, dass solch ein Geschenk nicht jedem zuteil wird. So auch der Schlusssatz des Vorsitzenden Petrus Rick: „Wir sind dankbar für Deine Lebensleistung und dankbar für die Gnade und den Segen, der dazu von oben kommt“.

yAm Ende schmetterten noch einmal Chor und Orchester mit Pauke und Trompeten das Halleluja von Händel.

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