60 Kinder bringen „Alice” in die Innenstadt

Von: Thorsten Karbach
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Rasantes Schauspiel am Hof: Da
Rasantes Schauspiel am Hof: Das Theater Aachen, das Spielhaus am Kennedypark und die Offenen Türen Alfonsstraße und Talstraße arbeiten bei „Alice in Aachen” zusammen, einem ungewöhnlichen Projekt mit 60 Kindern, die die Stadt zur Bühne machen. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Nein, Aufschneider sind diese Hutmacher ganz bestimmt nicht. Vielmehr knüpfen Sinem, Sophie, Yasemine und die anderen in den Hutmacher-Kostümen am Puppenbrunnen nahtlos an das an, was die anderen Kinder als Alice, Grinsekatze und Kaninchen auf den Hof gezaubert haben.

Eine märchenhafte Theaterszene nach den bekannten Motiven aus „Alice im Wunderland”, in denen eben neben Alice die bodenständigen Hutmacher wie auch Grinsekatze und Kaninchen wichtige Rollen spielen.

Die Kaninchen drehen zwar nicht durch, aber sie laufen doch rasant im Kreis. Die Stadt ist ihre Bühne. Die Bühne für rund 60 Kinder des Spielhauses am Kennedypark und der Offenen Türen Tal-straße und Alfonsstraße, die binnen zwei Wochen Herbstferien das Theaterprojekt „Alice in Aachen” auf die Bühne stellen - und eben auf die natürlichen Spielbühnen der City im Hof, am Puppenbrunnen, auf dem Münsterplatz und im Elisengarten bringen.

Das Theater Aachen mit seiner Pädagogin Mira Loos beschert den Kindern die ungewöhnlichen Ferien. Es ist ein ungewöhnliches Projekt mit ungewöhnlichen Umständen und ständig ungewöhnlichen Hindernissen. Auf dem Hof musste mit den Bauarbeitern ausgehandelt werden, wer wann mit Bagger und Presslufthammer lärmt und wann jemand den Theaterkindern Gehör schenkt. Mit jedem der zehn Probentage verdienen sich die Jungen und Mädchen jegliche Aufmerksamkeit. „Wir sind ganz stolz auf unsere Kinder. Für sie ist das eine enorme Leistung, jeden Tag so dabei zu sein. Das ist auch anstrengend für sie. Außerdem haben sie eigentlich Ferien”, sagt Elke Djafari vom Kinderhaus am Kennedypark und verfolgt gespannt die Szenen auf dem Hof. Sie sieht die Grinsekatze anrücken. Emre ist deren rechtes Auge - jedenfalls hält er es als Schild in der Hand. Er selbst hat Theaterpädagogin Loos im Blick, sie gibt leise eine paar Anweisungen.

Eine Reise ins Wunderland

„Es wird letztlich mehr eine Performance, der Schwerpunkt liegt auf der Interaktion der Kinder, nicht so sehr auf einem Text”, erklärt sie. Die Textvorlage liefert die Geschichte von Alice im Wunderland, bearbeitet hat sie Dramaturgin Caroline Schlockwerder.

Für viele Kinder - die jüngsten sind sechs, die ältesten 15 Jahre alt - ist die tägliche Fahrt vom Kennedypark mit dem Bus in die City durchaus eine Reise ins Wunderland. „Einige Kinder lernen die Stadt erstmals richtig kennen”, berichtet Elke Djafari. Es gibt Jungen und Mädchen, die sehen erstmals den Dom oder drehen erstmals an den Gelenken des Puppenbrunnens. „Für sie war das immer ganz weit weg”, sagt sie. Die Stadt rückt für sie ins Blickfeld, und die Kinder rücken ins Blickfeld. Kinder, die sonst keine Bühne finden, auf der sie zeigen, was sie können. Und so ist dieses Theaterprojekt schon vor der Aufführung am Samstag als gelungen zu bezeichnen.

Die Verantwortlichen wollen freilich mehr. „Es wäre toll, wenn es in irgendeiner Form eine Nachhaltigkeit gäbe”, sagt Theaterpädagogin Loos. Auch die Vertreter der Jugendeinrichtungen wollen mehr als ein einmaliges Leuchtturmprojekt beklatscht wissen. „Wir hoffen, dass dieses Projekt wie ein Motor ist und es für unsere Kinder weitergeht”, erklärt Elke Djafari. Die Begeisterung von „Kaninchen” Burak, Herzogin Mia, Königin Selma, Selina, Amelia, Ismael, Fabrizio, Christopher und all den anderen ist allgegenwärtig. Caroline Schlockwerder sagt: „Die Erfahrungen dieser beiden Wochen sind total bereichernd.”

Doch vor einer Fortsetzung der Kooperation zwischen Theater und Jugendeinrichtungen steht die große Aufführung am Samstag. Das Publikum wird dabei explizit miteinbezogen. „Wir fragen uns jetzt schon: Wie spielfreudig ist unser Publikum?”, sagt Loos. Schon bei den Proben ist das Interesse der Aachener an den kleinen Schauspielern groß. Passanten bleiben immer wieder stehen, sie fotografieren die Grinsekatze und die Hutmacher, fragen nach dem Hintergrund, kommen ins Gespräch. Auch das war und ist ein Ziel des Projektes.

Die finale Aufführung beginnt am Samstag um 14 Uhr am Hof und endet um 16 Uhr im Spiegelfoyer des Theaters. Ein paar Handgriffe liegen noch vor den Hutmachern und all den anderen. Die Proben gehen weiter. Text und Darstellung sollen schließlich sitzen...

Am Samstag beginnt die Aufführung von „Alice in Aachen” auf dem Hof

Aufgeführt wird „Alice in Aachen” am Samstag, 20. Oktober, ab 14 Uhr in der City. Los geht es am Hof, dann führt der Weg des kleinen Ensembles zum Puppenbrunnen, zum Münsterplatz, in den Elisengarten und dann auf den Theaterplatz. Um 16 Uhr beginnt dann eine Abschlussfeier samt Talkrunde.

Neben einigen Kindern werden Theaterpädagogin Mira Loos, Helmut Reuling vom Spielhaus am Kennedypark und Stadtdirektor Wolfgang Rombey über die Erfahrungen des Ferienprojektes sprechen. Moderiert wird die Runde von Udo Rüber. Beteiligt am Projekt sind neben dem Theater Aachen und dem Spielhaus die Offenen Türen Alfonsstraße und Talstraße.

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