Aachen - 5000 Öcher türmen riesigen Müllberg auf

5000 Öcher türmen riesigen Müllberg auf

Von: Kathrin Albrecht
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Immer wieder eine wilde Müllkippe: Im Westpark, wo vor allem in der Grillsaison oft Abfallberge zurückbleiben, sorgte am Samstag der Vietnamesische Freundeskreis für saubere Beete. Foto: Andreas Schmitter
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Machten rund um den Kennedypark Klarschiff: Mitglieder der Ahmadiyya-Gemeinde und des Dialogs der Religionen. Foto: Andreas Steindl
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Nahmen sich den Vennbahnweg vor: Niko Wyatt, Hans-Jürgen Serwe, Junia Graff, Rolf Giedtke und Fynn Wyatt. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Mit einem Müllgreifer und einem Eimer bewaffnet durchkämmt der zehnjährige Niko Wyatt die Böschung des Vennbahnradweges an der Ecke Philipsstraße/Eisenbahnweg. Seit knapp 20 Minuten ist er unterwegs und hat seinen Eimer schon ordentlich gefüllt mit Einwegbechern, Plastikflaschen, Zigarettenschachteln und -kippen.

Mit seinem Bruder Fynn (12), der zwölfjährigen Junia Graff sowie den Vätern Hans-Jürgen Serwe und Rolf Giedtke hat er sich vorgenommen, das Teilstück bis zum Madrider Ring vom Müll zu befreien. „Ich finde das wichtig, weil ich nicht möchte, dass die Tiere den Müll fressen“, sagt er und fischt ein Stück Plastik aus einem Busch.

Blaue Säcke, wohin man sieht

Zum fünften Mal hat Oberbürgermeister Marcel Philipp die Aachener Bürger zum gemeinsamen Frühjahrsputz aufgerufen. An diesem Samstag ist der Hauptaktionstag. Überall in der Stadt verraten blaue Mülltüten am Wegesrand, dass hier Freiwillige dem wilden Müll in Aachens Grünanlagen den Kampf angesagt haben. Mehr als 5000 Aachener machen mit – etwas weniger als im Vorjahr, was aber durchaus am nicht gerade guten Wetter und am Beginn der Osterferien liegen kann. Alleine im Bereich der Innenstadt werden an diesem Tag sechs Tonnen Müll gesammelt, teilt die Stadt später mit.

Aus den Stadtbezirken erwartet man eine ähnliche Menge. Und hinzu kommen noch einmal vier Tonnen Abfall, die von Aachener Schülern und Kindergartenkindern in der vergangenen Woche aufgelesen worden sind. Nicht zu vergessen Bildschirme, alte Autoreifen, Fahrräder und Einkaufswagen, die die Fahrer des Aachener Stadtbetriebs auf ihre Pritschenwagen geladen haben. Alles zusammengenommen türmen die Öcher einen riesigen Müllberg auf.

Die fünfköpfige Gruppe am Vennbahnradweg macht seit der Premiere 2011 jedes Jahr mit. „Und jedes Jahr holen wir hier mindestens acht Müllsäcke heraus“, erzählt Hans-Jürgen Serwe. Voriges Jahr, erinnert er sich, haben sie vor der Brücke einen Kühlschrank gefunden. „Da war sogar noch Essen drin“, erzählt Niko.

Einige hundert Meter weiter, im Kennedypark, rückt eine 15-köpfige Gruppe der Ahmadiyya-Gemeinde dem Müll zu Leibe. „Sechs Tüten haben wir schon gefüllt, sagt Salman Ahmad, „bis zum Ende der Aktion um 14 Uhr haben wir wohl noch einmal so viele.“ Auch die Ahmadiyya-Gemeinde macht seit der Premiere vor vier Jahren regelmäßig mit. „Wir sind alle Aachener“, erklärt Ahmad, „diese Aktion stärkt das Gemeindegefühl, und wir können etwas an die Stadt, in der wir leben, zurückgeben.“

Auf die Frage, ob ihn die Gedankenlosigkeit seiner Mitmenschen nicht störe, erwidert er diplomatisch: „Die Botschaft, die wir hier vermitteln, ist wichtig. Wir nehmen uns einen Tag bewusst Zeit, etwas für die Stadt zu tun, und laden Leute ein, uns zu unterstützten.“ Unterstützung bekommt die Gruppe nach einer Weile vom Reinigungstrupp des Dialogs der Religionen. Zu zwölft haben sie sich von der Nadelfabrik und der Düppelstraße bis zum Kennedypark vorgearbeitet und alte Kleidung, Schuhe und leere Flaschen aus den Rabatten gefischt. „Krankheitsbedingt haben einige abgesagt. Dafür sind in diesem Jahr mehr Kinder mit dabei, was uns sehr freut“, sagt Heidemarie Ernst, Integrationsbeauftragte der Stadt Aachen.

Auch Muna Aloji ist mit ihren Kindern dabei. Sie hat in der Moschee von der Aktion gehört und gleich ihre Familie mobilisiert. „Wir leben hier und müssen Verantwortung übernehmen, und auch unsere Kinder müssen da Verantwortung übernehmen“, findet sie. Eine Aktion wie den Frühjahrsputz könnte es auch öfter im Jahr geben, meint sie. Sohn Mohammad Quashou (12) findet, „dass es schöner aussieht, wenn alles sauber ist“.

Am Vennbahnradweg hat unterdessen auch der fünfköpfige Putztrupp um Hans-Jürgen Serwe die Arbeit fast geschafft. Auf der anderen Seite hat sich Elisabeth Ehler mit einer Freundin spontan der Aktion angeschlossen. Ihre Ausrüstung haben sie selbst mitgebracht. „Ich habe ein wenig den Glauben an die Menschheit verloren“, sagt Ehler angesichts des ganzen Mülls. Nahe der Brücke hat sie eine wilde Müllkippe entdeckt. „Da hat einer seinen ganzen Bauschutt entsorgt, leere Farbeimer inklusive. Es ist unglaublich.“

„Peinliches“ Aushängeschild

Etwas ungläubig ist auch Hans-Jürgen Serwe: „Im Vergleich zum Vorjahr ist es mehr Müll geworden. Wir haben zehn Säcke gefüllt.“ Ihn ärgert die Gedankenlosigkeit der Passanten. „Der Vennbahnradweg ist ein Aushängeschild für Aachen, lockt viele Radtouristen an. Das ist peinlich, wenn die diesen Müll zu sehen bekommen.“

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