5000 Kinder und ein Märchenprinz: Aachens Nachwuchs feiert

Von: Carolin Kruff
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Setzen eine Tradition fort: Johanna und Philipp Niederau beobachten den Zug mit den Kindern Annalisa (Mitte), Annika (rechts), Susanna (links)und dem kleinen Alexander.
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„Raubtierfütterung“: improvisierte Mahlzeit für kleine Jecke.
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Betörend: Der kleine Flötenspieler kommt keine Sekunde aus der Puste.
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Alles im Blick: Bei aller Vorfreude auf den Osterhasen (linke Hand) genießt dieser süße Fratz am Elisenbrunnen jecke Erstbeobachtungen.
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Ihm gehört der Tulpensonntag: Märchenprinz Paul II. freut sich über die vielen Narren, die ihm huldigen, und dankt es mit reichlich süßen Wurfgeschossen.

Aachen. Das hätte sich Paul II., diesjähriger Märchenprinz, wohl auch nicht gedacht: Neben seinem Hofstaat und der Prinzengarde erhält er beim Kinderzug, der jedes Jahr vom Arbeitsausschuss Aachener Kinderkarneval organisiert wird, hundertfaches kaiserliches Geleit.

Denn am diesem Tulpensonntag folgen viele der rund 100 Zuggruppen dem Prinzen-Motto „Vür Kenger fiere jeck än bonk – met Karl öm singe Eäzekomp“ – und werfen sich in purpurrote Gewänder und setzen sich goldene Kronen auf, die mit der Sonne um die Wette strahlen.

Cowboys und Käfer

Wenn es das Wort Kaiserwetter nicht schon gegeben hätte – beim Aachener Kinderzug wäre es erfunden worden! Den Wegesrand säumen unzählige kleine Prinzessinnen, Indianer, Cowboys, Marienkäfer und andere bunt kostümierte und geschminkte Kinder mit ihren Eltern – in freudiger Erwartung, was da kommen mag. Und auch die ganz kleinen Jecken sind schon mit dabei, denn aus dem einen oder anderen Kinderwagen blitzt ein Tigerohr oder ein Teufelsschwänzchen hervor. Alles ist extrem friedlich, selbst die Polizei muss nur aufpassen – und kein einziges Mal einschreiten.

Zur närrischen Uhrzeit um 11.11 Uhr setzt sich die drei Kilometer lange bunte Karnevalsparade in der Oppenhoffallee schließlich in Richtung Innenstadt in Bewegung, 5000 große und kleine Teilnehmer sind bepackt mit Prente, Klömpchere und Schokolädche, um die Tausenden Besucher mit einem „Drei Mal Oche Alaaf“ zu begrüßen. Aufwändig geschmückte Wagen, fantasievolle Kostüme, stimmungsvolle Musikkapellen, Kutschen und sogar Rhönräder – die Öcher Kinder veranstalten ein fröhliches Fest für alle Sinne. Nicht nur Karnevalsvereine sind mit von der Partie, sondern auch viele Schulklassen, Kindergartengruppen und freie Gruppen, die sich lange auf diesen großen Auftritt vorbereitet hatten.

Früher selbst mitgegangen

Dieses Spektakel will sich auch Familie Niederau nicht entgehen lassen, welche ein schönes Sonnenplätzchen auf der Theaterstraße ergattert hat. Mama Johanna und Papa Philipp sowie ihre vier Kinder Annalisa (11), Annika (9), Susanna (fast 6) und Alexander (2) sind als bunte Clownsfamilie verkleidet. „Die Atmosphäre beim Kinderzug ist einfach schön. Vor allem können die Kinder hier genug sehen“, sagt Johanna Niederau.

Sie und ihr Mann sind in jungen Jahren schon selbst beim Kinderzug mitgegangen – Mutter Johanna als Marktfrau mit der Grundschule Hanbrucherstraße, Vater Philipp als Sechstklässler, als er noch das Pius-Gymnasium besuchte. „Da kommen auch alte Kindheitserinnerungen hoch. Es ist toll, jetzt die eigenen Kinder zu begleiten und mit ihnen zusammen Spaß zu haben“, freut sich Johanna Niederau. Und während der kleine Alexander am Anfang noch etwas skeptisch den sich nähernden Kinderzug betrachtet, stehen seine drei älteren Schwestern schon in den Startlöchern. Schließlich gibt es nicht nur viel zu sehen, sondern auch eine Menge zu sammeln.

Von den Wagen regnet es Printen, Teddys, Popcorn, Bonbons, Bälle und sogar Vokabelhefte… und neben Strüssche gibt es von der Zuggruppe des Würselener Heilig-Geist-Gymnasiums frische Kräuterbündel – selbstverständlich aus Kaiser Karls Kräutergärtchen. Und wahrlich: Es ist eine Kaiser-Karls-Parade ohnegleichen, die es im diesjährigen Karlsjahr so wohl nicht mehr zu sehen gibt: Ob als futuristischer Frankenherrscher, dargestellt vom Kaiser-Karls-Gymnasium, ob in Begleitung der Römerhof-Printen, gezeigt von der KGS Am Römerhof, oder als Gangnam-Style-tanzender Disco-Kaiser auf dem Wagen der G.V. de Bonneploecker van Gut Muffet. Das Karlsjahr macht auch vor dem karnevalistischen Treiben nicht Halt.

Mittlerweile sind die Tüten von Familie Niederau gut mit süßen Leckereien gefüllt. Und auch Alexander hat sich schon viel bei seinen drei großen Schwestern abgeguckt und sammelt nun fleißig mit, nachdem er ein kleines Verschnaufpäuschen auf Papas Schultern gemacht hat. Währenddessen entdeckt Annalisa einen Klassenkameraden im Karnevalszug.

„Er hat noch einmal extra viel in unsere Richtung geschmissen“, freut sie sich. Und während die letzten Takte von „Alaaf der Öcher Schäng“ ertönen, ist auch schon der Prinzenwagen mit dem kleinen Narrenherrscher im Anmarsch. Der hat seinen Wagen voll geladen mit süßen und heiß begehrten Wurfgeschossen. 55 000 Besucher warten auf Kamelle. Den Regenschirm hat Paul II. in weiser Voraussicht zu Hause gelassen. Denn das einzige, was es an diesem Tag zuhauf regnet, sind Klömpche…

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