498 Plätze: In Aachen rechnet sich die Kindertagespflege

Von: Thorsten Karbach
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Englisch schon für Kita-Kinder? Die Grünen sind skeptisch. Foto: dpa

Aachen. Bettina Konraths Urteil über den Kölner Richterspruch ist eindeutig. „Ich sehe die Gleichrangigkeit von Kindertagespflege und Kindertagesstätte im Vordergrund und hoffe, das Münster dies bestätigt“, sagt die Geschäftsführerin des Vereins Familiäre Tagespflege, der in Aachen die Tagesmütter und -Väter verantwortet.

Doch weil das Kölner Verwaltungsgericht einer Klage von Eltern gegen die Stadt Köln recht gegeben hat, die einen Kita- statt eines Tagespflegeplatzes forderten, ist Unruhe aufgekommen.

Während die Kommunen im Land viel Energie aufbringen, um den Rechtsanspruch der Kinder unter drei Jahren auf einen Betreuungsplatz zu erfüllen, der am 1. August in Kraft trat, haben die Kölner Richter nun für Unsicherheit gesorgt: Denn die Tagespflege ist nicht nur in Aachen ein wichtiger Baustein der Kommunen auf dem Weg zu einem ausreichenden Betreuungsangebot. Und mit Blick auf das Sozialgesetzbuch VIII wähnten sich alle Beteiligten auf sicheren Pfaden – denn dort wird aufgezeigt, dass die Betreuung in Kindertagespflege, Kita oder gleichrangigen Förderangeboten stattfinden könne. Die Kölner Richter folgten nun aber dem Elternwunsch auf einen Kitaplatz. Und nun?

Das Oberlandesgericht in Münster wird sich mit dem Fall befassen. „Die Reaktion von Juristen auf das Urteil sieht eher so aus, dass sie in Münster eine Aufhebung des Kölner Urteils erwarten“, erklärt Konrath. „Eine Jugendhilfeplanung, die sich nicht nur auf den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz bezieht, sondern zudem die individuellen Wünsche nach der Betreuungsform berücksichtigen muss, wird sehr aufwendig und nur schwer planbar“, sagt sie.

In Aachen werden im neuen Kindergartenjahr 498 Plätze bei 127 Tagespflegepersonen angeboten. Der Ausbau schreitet voran. Der Kinder- und Jugendausschuss hat 50 weitere Plätze beschlossen, deswegen beginnen in diesem Jahr noch zwei Qualifizierungsmaßnahmen. Für September sind bereits alle Plätze belegt, im November folgt ein zweiter Kurs mit 160 Unterrichtseinheiten á 45 Minuten nach dem Lehrplan des Deutschen Jugendinstituts plus 16 Unterrichtseinheiten in Erster Hilde am Kind und 25 Stunden Hospitation bei einer erfahrenen Tagespflegeperson. Die Nachfrage stimmt – auch für Plätze bei Tagesmüttern.

Von den 498 Plätzen sind nur 41 frei. „Die Auslastung ist gut“, sagt Konrath. Erst recht, wenn sie die Geschichten aus anderen Kommunen hört. Auch in solchen, wo Mangel an Kita-Plätzen herrscht wie Köln oder Düsseldorf, fürchten Tagesmütter um ihre Auslastung. Und die ist wichtig, hängt von ihr von letztlich das Einkommen der Tagesmutter ab. Hat eine Tagesmutter beispielsweise vier U3-Kinder mit einer wöchentlichen Betreuungszeit von einmal 25, einmal 30 und zweimal 35 Stunden, dann kann sie mit einem Netto-Einkommen nach Abzug beispielsweise von Sozialabsicherung, Unfallversicherung und Steuern von 1817,20 Euro rechnen – wobei darin die Ausgaben für die Mahlzeiten der Kinder nicht aufgeführt sind. Zum Vergleich: Eine angestellte Kinderpflegerin mit 39 Wochenstunden verdient in NRW im Schnitt rund 1500 Euro. Dafür ist sie allerdings fest angestellt, nicht selbstständig wie eine Tagesmutter. Und hat die nur drei statt vier Kinder wird es schwieriger.

Die Fachhochschule Koblenz hat in ihrem Umfeld festgestellt, dass deswegen ein Viertel einer Tagespflegepersonen den Job wieder wechseln wollen. In Aachen berichtet Bettina Konrath, dass pro Jahr vielleicht sechs, sieben Tagesmütter aufhören. Das entspricht einer niedrigen einstelligen Prozentzahl. „Die Fluktuation ist sehr gering“, betont sie. Die Tagespflege in Aachen, sie kommt an. Und dieses Urteil ist für Bettina Konrath eindeutig.

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